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Weihnachtsgottesdienst in der Ursapharm-Arena in Elversberg

An Heiligabend : Gottesdienst vor ungewöhnlicher Kulisse

Die Ursapharm-Arena in Elversberg, wo sonst Regionalliga-Fußball gespielt wird, diente an Heiligabend als Gotteshaus.

„Da sind wir nun – an diesem Heiligen Abend. Ungewohnt. Nicht in der vertrauten Kirche, sondern draußen unter freiem Himmel. Nicht nah beisammen, nicht mit gemeinsamem Singen, sondern auf Distanz und mit Mundschutz“, begrüßte Pfarrerin Doris Barrois die 220 Besucher des evangelischen Gottesdienstes in der Ursapharm-Arena in Elversberg. „Manche haben schon gefragt, ob wir denn heute Gottesdienst feiern sollten – trotz Corona. Nein, nicht trotz Corona, sondern wegen Corona. Und wegen all dem, was uns sonst noch Angst macht hier in diesem Erdenleben“, beantwortete Barrois die Frage, die sich im Vorfeld wohl die meisten der Besucher gestellt hatten.

Der Gottesdienst, der wegen der Pandemie verkürzt wurde, fand unter Einhaltung und Kontrolle der strengen AHA-Regeln statt. Auf das gemeinsame Singen von Liedern wurde wegen der Ansteckungsgefahr ebenfalls verzichtet. Eingelassen wurde nur, wer sich vorher angemeldet hatte und einen registrierten Einlassschein mit Sitzplatzreservierung vorweisen konnte. Die Haupttribüne des Stadions war entsprechend der Abstandsegeln präpariert, die anwesenden Security-Mitarbeiter überwachten die Einhaltung.

In ihrer Ansprache ging Barrois auf die vielen Ereignisse ein, die die Welt in diesem Jahr bewegten: „Wegen dem endlich jetzt allen bewusst gewordenen Pflegenotstand, den es doch schon so lange gibt. Wegen Hass, Gewalt und Fake News in unserer Gesellschaft. Wegen Heuschreckenplagen am Horn von Afrika und drohender Hungersnot. Wegen dem Klimawandel, wegen den unhaltbaren Zuständen in den Flüchtlingscamps in Griechenland, wegen der Gewalt in Belarus, und wegen all der vielen anderen Dunkelheiten, die es in dieser Welt auch noch gibt. Gerade deswegen kommen wir zusammen, um uns sagen zu lassen, dass die Welt trotz all dieser Finsternisse nicht gottverlassen ist. Wir brauchen das. Orte, Worte und Zeichen der Hoffnung, das tut uns gut, gerade jetzt. Diejenigen, für die Gottesdienste nur Tradition oder Folklore sind, die verstehen das vielleicht nicht“, sagte Barrois

Ihre Predigt zum Heiligabend verwies auf eine Symbolik in der Weihnachtsgeschichte: „Wenn Könige geboren werden, dann sind starke Zeichen gefragt: Die Welt hält den Atem an, Böller werden gezündet und Feuerwerke abgebrannt, das Fernsehen überträgt live. Die Mächtigen der Welt schicken Glück­wünsche. Wenn Könige geboren werden – dann gibt es einen großen Bahnhof. Und beim Jesuskind? Beim Gottessohn? Wo sind die Zeichen der Macht bei seiner Geburt? In der Weihnachtsgeschichte, die wir gerade gehört haben, heißt es schlicht: ‚Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt.’ Nanu? Was für ein merkwürdiges Zeichen soll das denn sein?“

„Der Anfang Jesu“, so Barrois, „weist auf sein Ende hin und sein Ende zurück an den Anfang. Hier schließt sich der Kreis.“ Die Fürbitten, die traditionell einen Gottesdienst immer beschließen, hatten aktuelle und konkrete Anlässe zum Inhalt.

Barrois schloss all diejenigen Menschen ein, die im Dunkel und auf der Schattenseite der Welt leben: „Für Menschen in Kriegs- und Krisengebieten, in Hunger und Armut, auf der Flucht und ohne Obdach. Wir bitten für die Kranken, dieses Jahr besonders für alle, die unter der Pandemie leiden, die auf den Intensivstationen beatmet werden oder dort arbeiten. Für alle in den Krankenhäusern und in Quarantäne zu Hause, für Pflegepersonal und Ärzte, die auf dem Zahnfleisch gehen. Für Menschen, die in Altenheimen leben und Mitarbeiter, die dort unermüdlich arbeiten. Für die Berufstätigen, die unsicher sind, wie es weitergeht, für die Arbeitgeber und Selbstständigen, deren Existenz in Gefahr gerät, für Menschen im Lebensmittelhandel, in Apotheken und anderswo, die die Grundversorgung für alle gewährleisten. Für die Menschen, in den Laboren, die unermüdlich arbeiten, damit Tests ausgewertet und genug Impfstoffdosen hergestellt werden können. Für Menschen, die einfach jetzt Angst haben, und nicht aus ihrer Angst rauskönnen, für Menschen, die heute einsam zu Hause sitzen müssen.“

Mit dem alljährlichen Weihnachtspotpourri beendete das Blasorchester der evangelischen Kirchengemeinde Elversberg, unter Leitung von Harald Theisen, das für den musikalischen Rahmen sorgte, diesen außergewöhnlichen Gottesdienst.