Vereine in Spiesen-Elversberg wegen Hallenschließungen von Existenz bedroht

Kostenpflichtiger Inhalt: Karneval auf der Kippe : Vereine verlieren das Dach überm Kopf

Die unbefristete Schließung der Glückauf-Halle in Elversberg bedroht die Existenz der Narrenzunft. Der Vorstand hat sich jetzt zur Verschiebung des Jubiläums entschlossen. Der neue Bürgermeister hält die Gesamtsituation für die Vereine inzwischen für „sehr problematisch.“

Die Schließung der Glückauf-Halle trifft vor allem die Elversberger Narrenzunft (NKV) bis ins Mark. Wie berichtet wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten technische Mängel festgestellt, die nach Angaben der Gemeindeverwaltung einen Hallenbetrieb bis auf Weiteres unmöglich machen. „Das kam für uns überraschend und ist sehr problematisch“, sagte auf SZ-Anfrage der Vorsitzende Rolf Wagmann.

Damit ist auch der zweite Karnevalsverein der Gemeinde Spiesen-Elversberg von der längerfristigen Schließung einer maroden Halle betroffen. Der Verein Alleh Hopp Spiesen verlor mit der Sporthalle In der Langdell im vergangenen Jahr seine Trainings- und Auftrittsstätte. Für seine Fastnachtsveranstaltungen mietete der Verein deshalb für die Session 2018/19 ein Zelt, was allerdings mit einer großen finanziellen Kraftanstrengung verbunden war. Eine Variante, die der NKV Elversberg ebenfalls in Betracht zog. Am Donnerstagabend hat der Vorstand der NKV Elversberger Narrenzunft aufgrund der Schließung folgende Beschlüsse gefasst: Die 6mal11jährige Jubiläumssession wird um ein Jahr verschoben und in der Session 2020/21 „gebührend“ gefeiert. Aus diesem Grund wird auch die Sessionseröffnung 11.11. an diesem Montag ausfallen. Es werde auch keine Prinzenpaare geben, diese werden im Folgejahr inthronisiert. Der NKV wird auch als Gastgeber für öffentliche Fastnachtsveranstaltungen wie die beliebte Hexenparty ausfallen. Die Teilnahme an externen Veranstaltungen wie im Awo-Seniorenzentrum, dem Bürgermeister-Empfang oder den Umzügen wollen die Elversberger aber stemmen. Gerade für die Kinder und Jugendlichen, die fast das ganze Jahr für ihre Auftritte trainieren, ist die Absage der Sitzungen natürlich mehr als enttäuschend. Doch ein Festzelt, das groß genug für die Veranstaltungen des NKV ist, wäre teuer. Ohne Logistik (Stühle etc.), ohne Licht und Ton, komme man da leicht auf bis zu 15 000 Euro, weiß Rolf Wagmann. Die Kappensitzungen des NKV besuchen 350 bis 400 Erwachsene, zur Hexenparty am Fetten Donnerstag kamen bis zu 800 Leute in die Glückauf-Halle.

Auch für die Gemeinde Spiesen-Elversberg sei das Wegfallen der Glückauf-Halle ein „Riesenschock“, bekennt der neue Bürgermeister Bernd Huf. In den vergangenen 15 Jahren seien so viele Hallen und Räumlichkeiten für Schulen und Vereine weggefallen, dass die Gesamtsituation inzwischen sehr problematisch sei. Der parteilose Verwaltungschef, der erst vor einigen Wochen als Nachfolger von Reiner Pirrung (CDU) in der Glückauf-Halle in sein Amt eingeführt wurde, führt derzeit Gespräche mit Hallenbetreibern wie dem CFK in Spiesen und Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden über Ausweichmöglichkeiten. Da aber gerade die Fastnachter auf einen bestimmten Zeitrahmen festgelegt sind, glaubt Ralf Wagmann nicht daran, in den umliegenden Gemeinden Alternativen zu finden. Ganz abgesehen davon sei es nicht garantiert, dass die Anhänger eine weite Anfahrt in Kauf nehmen würden.

Der Bürgermeister erklärt, dass erst während der Umbauphase festgestellt worden sei, dass die gesamte Elektrik in der Glückauf-Halle erneuert werden müsse. Auch der Brandschutz erfordere umfangreiche Baumaßnahmen. Alles in allem rechnet der Verwaltungschef mit Kosten in Millionenhöhe. Die Sanierung sei ohne Fördermittel begonnen worden. Die Chance, nachträglich in ein Programm zu kommen, hält Huf für gering.

Bereits im Oktober 2013 war im Gemeinderat die Renovierung der Halle angemahnt worden. Anfang 2014 hatte die SPD kritisiert, dass die „bewilligten Mittel zur Sanierung“ bis dato nicht angetastet worden seien. Damals argumentierte Bürgermeister Pirrung, dass nicht genügend Geld für eine „sinnvolle“ Sanierung zur Verfügung stünden. Im Sommer 2016 wurde im Rahmen der Haushaltsdebatte bekannt, dass die Fortführung der Renovierung  vorerst aufgeschoben werden müsse. Im Juli 2019 schließlich nahmen der scheidende Bürgermeister und der beauftragte Architekt mit dem Abriss der Garderobe im Veranstaltungssaal einen „etwas anderen Spatenstich“ vor. Damals teilte die Gemeindeverwaltung mit, dass die gesamte Halle in mehreren Bauabschnitten umgebaut und renoviert werde, um die stark veraltete Haustechnik zu erneuern und das Gesamtbild der Veranstaltungshalle zu modernisieren. Die Halle werde vorerst weiterhin für die örtlichen Vereine geöffnet sein.

Dies ist nun Makulatur. „Die nicht absehbare Schließung geht an die Existenz der Vereine“, weiß der neue Verwaltungschef. Bernd Huf hätte sich einen anderen Beginn seiner Amtszeit gewünscht.

Das Thema Hallen steht auch auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Spiesen-Elversberg am Freitag, 8. November, 17.30 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses, Hauptstraße 116, 66583 Spiesen-Elversberg.

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