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Umfrage in Neunkirchen zum Thema Impfen gegen Corona

Was meinen die Neunkircher? : Die Impflust hält sich in Grenzen

Stimmungsbild in der Neunkircher Innenstadt zur Corona-Schutzimpfung.

Die meisten drehen sofort ab. Sie möchten nicht reden. Wollen sie mit niemandem sprechen wegen der Corona-Pandemie auf offener Straße in der Neunkircher Innenstadt? Oder liegt es am Thema Impfstoff? Bei einer nichtrepräsentativen Befragung stellt sich insgesamt eine fast durchweg negative Einstellung zur Schutzimpfung heraus. Kaum ein Passant in der Neunkircher City will sich zu seiner Einstellung bezüglich der Impfung äußern. Mit Namen schon mal gar nicht. „Kein Interesse“, „Lassen Sie mich in Ruhe“, „Ich will dazu nichts sagen“, sind die häufigsten Äußerungen zu dem Thema.

Eine 58-Jährige aus Schiffweiler nimmt sich einen Moment Zeit: „Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet. In einem Interview im Radio habe ich von zwei Möglichkeiten des Impfens gehört. Da ging es auch um die Frage, ob ein Übergang ins Erbgut möglich ist.“ Das sei in dem Beitrag zwar ausgeschlossen worden, aber Risiken gebe es ja immer beim Impfen. Bei der Schweinegrippeimpfung etwa sei ein kleiner Teil der Geimpften an der Schlafkrankheit erkrankt. „Ich muss da noch in mich gehen“, sagt die Frau. Vielleicht helfe ja auch ein Gespräch mit dem Hausarzt.

Auf den ärztlichen Rat setzt auch eine 34-Jährige. Sie stammt aus dem Nordsaarland und arbeitet in Neunkirchen. Ihre Meinung: „Generell bin ich pro impfen. Was die ständige Impfkommission vorschlägt, würde ich auch machen.“ Mit ihrer Schwägerin, einer Ärztin, habe sie das Thema in Bezug auf Corona schon mal angerissen. Deren Zustimmung ist für die junge Frau auf jeden Fall ein Gradmesser. Sie gehöre selbst zu keiner Risikogruppe, aber wenn es sinnvoll sei, sich impfen zu lassen, dann fände sie das auch okay.

Viele weitere Befragte in der Neunkircher City stehen der Schutzimpfung ablehnend gegenüber. Selbst Personen, die zu den Risikogruppen gehören, wollen sich nicht gegen das Virus impfen lassen: „Wir warten ab, bis genügend Testergebnisse vorliegen“, heißt es da etwa. Oder: „Sollen sich doch andere erst impfen lassen.“ „Ich lasse mich auch nicht gegen Grippe impfen“, lautet ein anderes Argument der Impf­skeptiker. Eine junge Frau sagt: „Ich weiß nocht nicht, ob ich mich impfen lasse, da ich mich nicht ausreichend informiert fühle.“

Mit dem Lockdown-Light, der allen Bürgern Verzicht und Disziplin abverlangt, soll die Zahl der Neuinfektionen so stark gesenkt werden, dass über Weihnachten einige Maßnahmen gelockert werden können und Familien ein einigermaßen normales Weihnachtsfest feiern können. Ein Hoffnungsschimmer, so die Politik, könnten die ersten Impfstoffe gegen das Corona-Virus sein, die schon bald auf den Markt kommen sollen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet noch in diesem Jahr mit ersten Impfungen gegen das Corona-Virus. „Es gibt Anlass zum Optimismus, dass es noch in diesem Jahr eine Zulassung für einen Impfstoff in Europa geben wird. Und dann können wir mit den Impfungen sofort loslegen“, sagte Spahn.

Das Meinungsbild der Befragten deckt sich im Übrigen mit dem bundesweiten Abwärtstrend zur Impfbereitschaft. Wollten sich im April noch 70 Prozent der Bundesbürger impfen lassen, waren es im November nur noch 57 Prozent, im Süden der Republik sogar nur noch 55 Prozent (Quelle Focus online). Als häufigsten Grund nannten die Befragten die Sorge vor möglichen Nebenwirkungen.