Umbau der Kirche Herz-Jesu in Spiesen-Elversberg von Bernd Huf ins Gespräch gebracht

Kostenpflichtiger Inhalt: Bürgermeister hat Visionen für Spiesen-Elversberg : Kirche als neues Dach über dem Vereinskopf

Bürgermeister Bernd Huf und seine Visionen für Spiesen-Elversberg. Gemeinderat und Bürger informierten sich am Samstag in Trier und Bertrange über neue Lösungsansätze für die aktuellen Probleme.

Ungewöhnliche Wege geht der neue Bürgermeister von Spiesen-Elversberg, Bernd Huf, um der von Hallenschließungen gebeutelten Gemeinde eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Der parteilose Verwaltungschef machte am Samstag mit dem Gemeinderat und einigen Bürgerinnen und Bürgern einen Ausflug per Bus nach Trier und Bertrange in Luxemburg. Erstes Ziel: Die Kirche der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin. Hier werden jedoch schon lange keine Gottesdienste mehr gefeiert. Die profanisierte Kirche ist seit den 1980er Jahren multifunktional eingerichtet. Sie dient den benachbarten kirchlichen Schulen als Aula und Turnhalle, auch als Konzertsaal und Veranstaltungsraum etwa für Synoden der Kirche wird sie gerne und oft genutzt.

Auch in der Ortsmitte von Elversberg gibt es eine Kirche, in der keine Messe mehr gelesen wird. Im März 2015 musste die Kirche Herz-Jesu wegen herabfallender Deckenteile aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Das Bistum in Trier hat bis dato keine großen Anstalten gemacht, die notwendige, umfassende Sanierung in Angriff zu nehmen. „Wir haben also eine leer stehende Kirche und in der Nachbarschaft die Glückauf-Halle, deren Sanierung aufgrund der Kostenexplosion gestoppt worden ist“, sagt der Bürgermeister. Huf präsentierte den Teilnehmern des Busausflugs am Samstag vor Ort seine durchaus visionären Ideen, wie man nach dem Trierer Vorbild die Elversberger Kirche in einen multifunktionalen Aufenthaltsraum verwandeln könnte, um auf die ohnehin marode Glückauf-Halle verzichten zu können. Huf hat nach eigenen Worten in den vergangenen Monaten jede Menge Vorgespräche geführt, damit seine Ideen nicht gleich als Luftschlösser abgetan werden. Mit dem Denkmalschutz – die Herz-Jesu-Kirche untersteht nämlich diesem -, dem Kultusministerium, der Unteren Bauaufsicht beim Landkreis Neunkirchen und Vertretern der Kirche und Pfarrei. Natürlich sei eine Machbarkeitsstudie vonnöten, die könnte zumindest zum Großteil über die Städtebauförderung finanziert werden.

Für die Glückauf-Halle stellt der Bürgermeister ebenfalls eine Lösung zur Diskussion. Da es illusorisch sei, dass die defizitäre Gemeinde 4,7 Millionen Euro zur Sanierung aufbringen könne, habe er Kontakt zu möglichen Investoren aufgenommen. Abriss und Neubau eines Drogeriemarktes wären eine Option. Eine große Drogeriemarkt-Kette habe Interesse bekundet, allerdings nur zur Miete. Bei der Suche nach Investoren wolle sie jedoch behilflich sein.

Bürgermeister Huf sieht seine Aufgabe darin, zu zeigen, was man machen könne. „Der Gemeinderat ist derjenige, der über die Vorschläge der Verwaltung entscheidet.“ Und weil er keine halben Sachen möchte, hat er den Ratsmitgliedern am Samstag noch eine zweite, visionäre Idee präsentiert. In Bertrange stellte Bürgermeister Frank Colabianchi den Gästen aus dem Saarland das innovative Verkehrskonzert der luxemburgischen Gemeinde vor, die früher unter starkem Durchgangsverkehr und regelmäßigen Staus litt. Entstanden ist eine Zone, die Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer quasi gleichberechtigt behandelt, ein „shared space“ (gemeinsamer Raum). Wenn die Glückauf-Halle tatsächlich irgendwann abgerissen würde, könnte man nämlich die Modernisierung der viel befahrenen Ortsmitte gleich mit in Angriff nehmen, findet der Bürgermeister. Huf berichtete der SZ am Sonntag von einer „außerordentlich guten Resonanz“ des Gemeinderates. 21 von 33 Mitglieder seien mitgefahren und hätten viele Ideen mit nach Spiesen-Elversberg gebracht. „Jetzt müssen wir sehen, was wir in unserer Gemeinde daraus machen.“

Der Verkehrsraum ist für alle da, also ein „shared space“. Wie dies im luxemburgischen Bertrange funktioniert, schauten sich die Gäste aus Spiesen-Elversberg am Samstag an. Foto: Patrick Neu

Der Bürgermeister wollte nach eigenen Worten einen Prozess in Gang setzen und möchte nun von seinem Gemeinderat wissen, wohin die Reise geht. „Wagen wir etwas völlig Neues und schneiden alte Zöpfe ab?“ Offen sei er für eine Diskussion über alle Ideen. Gelegenheit dazu ist beispielsweise bei der nächsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Spiesen-Elversberg am Freitag, 31. Januar. Er hat die erste Vorarbeit geleistet, jetzt wartet Bernd Huf gespannt auf die Reaktionen aus seiner Gemeinde.