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Seit 50 Jahren hilft das THW Spiesen-Elversberg

50 Jahre THW Spiesen-Elversberg : Wenn die Not groß ist, sind die THW’ler bereit

Das Technische Hilfswerk (THW) Spiesen-Elversberg ist 50 Jahre alt. Erinnerungen an Unfälle, Hochwässer, Sprengungen und viel beherztes Engagement.

An seinen ersten Einsatz im Dienste des THW Spiesen-Elversberg kann sich Hans-Werner Stoffer noch lebhaft erinnern. Wie auch nicht. Schließlich, so erzählt er beim SZ-Besuch im THW-Heim, war der nicht so ohne. 1980 war das und ein Starfighter war in Heinitz abgestürzt. Stoffer war gerade 24 Jahre alt. Zuvor hatte er nur für den Ernstfall geübt. Dass der dann gleich ein solches Ausmaß haben könnte, hätte er nie gedacht. „Für uns hieß das damals: Leichenteile suchen“, bleibt dieser Einsatz für ihn immer noch der prägendste seiner Zeit beim Technischen Hilfsdienst. Seit 49 Jahren ist Stoffer dabei. Damit ist er das älteste aktive Mitglied und fast von Anfang an mit an Bord. Denn das THW wird in diesem Jahr 50. Das hatte man eigentlich groß feiern wollen, Corona machte auch hier einen Strich durch die Rechnung, jetzt wird vermutlich im kommenden Jahr nachgeholt.

Keine Grenze nach oben

 Dekade 4: Abstützung nach Bus-Unfall in Stennweiler., 2011.
Dekade 4: Abstützung nach Bus-Unfall in Stennweiler., 2011. Foto: THW/THW-Archiv

Stoffer ist als Schirrmeister zuständig für die Wartung der Geräte und der Fahrzeuge, zudem ist der 65-Jährige stellvertretender Ortsbeauftragter. Der hauptamtliche THW’ler kommt seit 49 Jahren jeden Donnerstagabend zum Treffen. Auch während die SZ zu Besuch ist, findet das Treffen statt. So zwischen 25 bis 30 Helfer treffen sich und üben für den Ernstfall. 17 bis 65 Jahre sind sie alt. Im Gegensatz zur Feuerwehr gibt es keine Altersbegrenzung, erzählt Stoffer. Wer fit ist, bleibt aktiv. Eine Jugendgruppe gibt es außerdem.

2013 kam der Neubau

Während draußen bei strömenden Regen geübt wird, schwelgen drinnen im großen Aufenthaltsraum fünf Männer und eine Frau in Erinnerungen. An Geräteausstellungen, den Bau den Kinderspielplatzes Erzpfuhl, die Übungen in der Sandkaul, aber auch an Treffen an der Grillhütte und den Weihnachtsmarkt, bei dem das THW seit 1977 mit dabei ist, erinnert man sich da. Und an Sprengungen. Beispielsweise im Neunkircher Eisenwerk. Oder an Hochwassereinsätze. Ursprünglich traf man sich in Heinitz, im Keller der Waldschule. Dann kam der Umzug ins Waldwärterhaus nach Spiesen. Schließlich 1980 kam das eigene Haus am heutigen Platz, das dann 2013 abgerissen und in neuer Form aufgebaut wurde.

 Jeden Donnerstag heißt es: antreten zum gemeinsamen Üben.
Jeden Donnerstag heißt es: antreten zum gemeinsamen Üben. Foto: Elke Jacobi
 Während das Unheil über dem Verwaltungstrakt der Maschinenbaufirma voll hereinbrach, blieb die gegenüberliegende Straßenseite fast unversehrt.
Während das Unheil über dem Verwaltungstrakt der Maschinenbaufirma voll hereinbrach, blieb die gegenüberliegende Straßenseite fast unversehrt. Foto: Willi Hiegel

Erst Grundausbildung, dann Spezialisierung

An diesem Abend haben fünf Neue das Haus kennen gelernt. Sie haben sich angemeldet, wollen gerne mitmachen. In einem Jahr Grundausbildung werden sie sich dann der Prüfung stellen.  Peter Oberheim freut sich schon drauf. Der 57-Jährige Peter Oberheim ist Ausbildungsbeauftragter, plant und kontrolliert die komplette Ausbildung der Mitglieder. Seit 1977 ist er dabei. Jedes Jahr im Oktober, so erzählt er, finden die Prüfungen statt. Aus allen zwölf Ortsverbänden nehmen im Schnitt so zwischen 40 und 50 Leute teil. Die Prüfung, so erklärt der Prüfer Oberheim, besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. „Im praktischen Teil ist noch nie jemand durchgefallen“, weiß er. Die Theorie kann man wiederholen. Nach der Grundausbildung ist im Übrigen nicht Schluss. Dann kommt die Fachausbildung, die Spezialisierung. Dafür gibt es bei Stuttgart ein Zentrum für alle THWler. Seit 20 Jahren prüft Oberheim nun schon. „Und es ist jedes Jahr eine neue Herausforderung.“

Großes Einsatzfeld

Ganz andere Funktionen erfüllt Ralf Schenkel. Der Mathematikprofessor ist Zugtruppführer und dann noch Vorsitzender des Helfervereins, des Fördervereins für den Ortsverband. Im Einsatz kümmert sich Schenkel darum, die Lage zu erkunden, Aufgaben „abzuholen“, sorgt dafür dass Essen, Trinken und Material beikommen, macht die Buchführung. Bagger, Radlager und anderes schweres Gerät kommandiert er zum Einsatz. Das kann dann auch mal sowas sein, wie einen Elefanten hochzuheben. Der inzwischen verstorbenen Rani im Neunkircher Zoo hat man gleich zwei Mal wieder auf die Füße geholfen. Oder beim Hochwasser damals in Dirmingen, da wurden Dämme gebaut. In den 1980er gab es Hochwassereinsätze bis in die Pfalz. Im Erzgebirge war man 2002. Und dann natürlich aktuell im Ahrtal. Insgesamt, so erzählt Schenkel, wurden dort bis zum Zeitpunkt des SZ-Besuches 300 Einsatzstunden erbracht. 22 Helfer sind quasi ständig dort, immer im Wechsel, „alle gut ausgebildet“, sagt Schenkel.

Aktuell 104 Mitglieder

Das Gute, so sagt der 49-Jährige, der seit 1984 dabei ist, ist, dass alle 668 Ortsverbände des THW die selbe Ausbildung durchlaufen. „Da muss man nicht groß erklären, vor Ort klappt das immer sofort.“ Das weiß kaum einer besser als der Ortsbauftragte Marc Dawo. Der 50-Jährige ist dabei, seit er zwölf ist, würde das Eingangsalter gerne auf zehn gesenkt wissen. Wobei es beim THW – auch dies ein Unterschied zur Feuerwehr – viele Quereinsteiger gibt. 104 Mitglieder hat sein Ortsverband aktuell. Die Leitungsposition hat er im Übrigen ganz aktuell übernommen.

Impfzentrum mit aufgebaut

Vorgänger Thomas Schmitt ist an diesem Abend auch gekommen. „Ich wollte mit 60 einen Schnitt machen“, sagt der 61-Jährige. Seit 1974 ist er Mitglied. Er erinnert an die Hilfe des THW beim Aufbau des Impfzentrums Ost. Und denkt an Einsätze bei Lkw-Unfällen, bei der Gasexplosion in Merchweiler. Viel wissen da die Kollegen zu ergänzen, die Ehrfurcht beim Zuhörer steigt von Geschichte zu Geschichte.

Keine Nachwuchssorgen

Wie aber kommt das THW zum Einsatz? „Wir werden ja nicht direkt gerufen über eine Notrufnummer“, macht Dawo schlau. „Wir werden von der für die Gefahrenabwehr zuständigen Stelle, also Polizei oder Feuerwehr, informiert. Die fordern unsere Hilfe an.“ Dann rückt das THW mit seinem schweren Gerät aus.  Was da in der Garage steht, das bestimmt die Zentrale. Die kümmert sich auch insgesamt um die Ausstattung, wie damals 2013 den Neubau. Echte Nachwuchssorgen gibt es beim THW übrigens nicht, auch wenn das Durchschnittsalter bei Mitte 40 liegt.  Werbung macht das THW seit fünf Jahren unter anderem in der Albert-Schweitzer-Schule in den jeweils aktuellen Fünferklassen. Außerdem gibt es – immer sofern dies möglich ist – seit 1981 das Waldhausfest, den Tag der offenen Tür.

Geringer Frauenanteil

 Dekade 3: Sprengung Schützenhaus Ottweiler 1995.
Dekade 3: Sprengung Schützenhaus Ottweiler 1995. Foto: THW/THW-Archiv
 Dekade 5: Wiebelskirchen unter Wasser 2013.
Dekade 5: Wiebelskirchen unter Wasser 2013. Foto: THW/THW-Archiv
 Die Playmobil-Großversion begrüßt im Treppenhaus.
Die Playmobil-Großversion begrüßt im Treppenhaus. Foto: Elke Jacobi

Und der Frauenanteil? „Eher gering“, stellen die Herren fest. Seit den 80er Jahren gibt es Frauen in der Spiesen-Elversberger Ortsgruppe. Zehn sind bereits über 70 und fahren keine Einsätze mehr. Eine von den zwei Verbliebenen ist Michaela Wahl. Sie ist noch recht neu dabei. Ihr Bruder brachte sie dazu. Vor zweieinhalb Jahren war das. Da hat sie was gesucht, was Praktisches. Das THW Spiesen-Elversberg passt. Sie war auch schon dabei bei einem der Einsätze im Ahrtal. Zusammen mit Dawo, der damals die Oberleitung für alle THW’ler aus der Republik hatte. Die Einsätze im Ahrtal waren es auch, die die neuen Aktiven gebracht haben, erzählt Dawo. „Die haben erzählt, wie toll sie das fanden, was wir da gemacht haben, und wollten gerne Teil der Gruppe sein.“ Wer wie Obermann, Schenkel, Stoffer, Schmitt und Dawo in besonderen Positionen war oder ist, der setzt im Schnitt anderthalb Stunden pro Tag für den THW an. Ansonsten sind da die Donnerstage. An denen das Üben im Übrigen immer mit einem guten gemeinsamen Essen, frisch gekocht von Michaela Wahls Ehemann, belohnt wird. Das ist ein fester Termin im Kalender der ehrenamtlichen Helfer. „Ich wüsste gar nicht mehr, was ich sonst an einem Donnerstagabend machen sollte“, sinniert Stoffer.