St. Ludwig Spiesen : 2934 Pfeifen suchen jetzt einen Paten

Die Klais-Orgel in St. Ludwig Spiesen wird saniert. Die Pfarrei muss Kosten in Höhe von 135 000 Euro stemmen.

Die in die Jahre gekommene Klais-Orgel in St. Ludwig gibt ihr Bestes. Organist Ralph Buchstäber (38) kann noch so ziemlich alles aus ihr rausholen. Weil er ihre Schwächen kennt. Und weil er diese beim Spielen zu umgehen weiß. „Aber wir müssen was tun“, sagt der Kirchenmusiker im Gespräch mit unserer Zeitung auf der Empore im Angesicht des königlichen und so hochkomplexen Instruments. Die katholische Pfarrei St. Ludwig/Herz Jesu Spiesen-Elversberg hat sich entschieden, etwas zu tun: Die Orgel aus dem Jahr 1959 (erbaut als opus 1154 der Firma Johannes Klais Bonn) wird saniert. Der Verwaltungsrat hat im Mai die zu stemmenden Kosten von 135 000 Euro abgesegnet. Buchstäber warb mit einer Powerpoint-Präsentation um Zustimmung. Die Bistums-Genehmigung liegt vor. Braucht es, auch wenn Trier nichts zahlt. Der Bescheid kam Ende August. Und der Vertrag mit Orgelbau Klais ist unterschrieben. Die Bonner signalisierten großes Interesse, ihr eigenes Instrument wieder in Klang zu bringen.

Die Arbeiten beginnen nach Plan im September 2020, wie Buchstäber skizziert. Dann wird die Empore zur Werkstatt. Zum ersten Advent 2020 soll alles wie neu und noch ein bisschen besser sein. An diesem Freitag, Allerheiligen, fällt nach dem Festhochamt der Startschuss, um übers Projekt zu informieren und für Spenden zu werben (siehe „Info“).

Unterstützen können Orgel-Freunde das Projekt auch als Paten einer der insgesamt 2934 Orgelpfeifen. „Sie suchen sich auf unserem Übersichtsplan eine Orgelpfeife aus, füllen ein Antragformular aus“, erklärt Ralph Buchstäber. Die Preiskategorien liegen zwischen fünf und 100 Euro. Je nach Größe, Bauart und Material der Pfeife. Buchstäber nennt ein Beispiel aus der höchsten Kategorie. Ton-Nummer: 1. Ton-Name: C. Registername: Prinzipal 8. Die Pfeife gehört zum Hauptwerk. Aus Holz. Länge 4,80 Meter. „Sie hat einen warmen Ton“, erklärt Buchstäber und schlägt ihn gleich mal an. „Die Basis, auf der ich andere Klangfarben aufbauen kann.“ Später, so seine Idee, sollen Kopien der Patenschaftsurkunden gebündelt und in der sanierten Orgel deponiert werden: „Auch als ein Zeichen der Verbundenheit.“

Ein Hauptsanierungspunkt ist das Erneuern der Elektrik. Buchstäber öffnet die Tür unterm Spieltisch, im Innern jede Menge Kabel: „Alte Technik, Kriechstrom entsteht.“ Dieser Leckstrom ist verantwortlich, wenn ein Register mitklingt, dass der Organist gar nicht klingen lassen will. „Wir bekommen einen neuen Gleichrichter.“ Der sorgt für einen kontinuierlichen Stromfluss. Daneben verlangt Verschleiß an verbauten Teilen Handeln. Zum Beispiel an den Federn der Pedale. „Die quietschen“, sagt Buchstäber und lässt es gleichmal hören. Darüber hinaus muss das gesamte Orgelwerk gereinigt werden. Inklusive der 2934 Pfeifen. „Staub beeinträchtigt den Klang.“ Auf Staub kann sich Schimmel breitmachen. Hat er auch getan und muss weg.

Doch beim Sanieren finden auch technische Fortschritte Eingang in die Orgel. „Wir bekommen eine Setzeranlage“, erklärt Buchstäber. Damit werde die Orgel technisch aufgewertet. Register können eingespeichert mit einem Klick aktiviert werden. „Ich kann bei der Registerwahl und den Klangfarben schnell auswählen und umschalten.“

Am 10. Januar nun fährt Ralph Buchstäber nach Bonn, um mit dem Orgelbauer nochmal Plan und Details abzustimmen. Etwa wo das Display der neuen Setzeranlage am Spieltisch seinen Platz findet. Und der Kirchenmusiker wünscht am Spieltisch eine Lichtquelle. Er selbst kann zwar im Dämmrigen spielen, „weil ich die Orgel in- und auswendig kenne“. Aber ein LED-Band unterm Notenhalter könnte eine erhellende Lösung sein. Es geht um ganz große, aber eben auch um kleine Entscheidungen. „Wir wollen das alles vorausschauend machen“, sagt Buchstäber. Nichts versäumen, denn so schnell wird nicht mehr saniert.

Kirchenmusiker Ralph Buchstäber am Spieltisch. Foto: Claudia Emmerich

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