Rathaussturm Spiesen : Lange hielt Bernd Huf den Narren stand

Schließlich aber entmachteten die Spiesen-Elversberger Narren mit Unterstützung der Feuerwehr den Bürgermeister.

Viel närrisches Volk hatte sich bei schönem Wetter am Freitagnachmittag auf dem Rathausplatz versammelt. Es war dem Ruf der beiden Karnevalsvereine – Alleh Hopp Spiesen und der Narrenzunft Elversberg – gefolgt, das Rathaus zu stürmen, den Bürgermeister abzusetzen und die Herrschaft der Narretei zu errichten. Man hoffte anscheinend, mit dem noch relativ neuen Bürgermeister Bernd Huf leichtes Spiel zu haben. Aber dem war nicht so. Der Bürgermeister hatte seine treuen Beamten und Angestellten um sich geschart und verkündete entschlossen: „Mit meiner Mannschaft ist doch klar, verteidigen wir dieses Haus wie jedes Jahr. Und auch, wenn ihr versucht, mit uns anzubandeln, über die Schlüsselübergabe ist nicht zu verhandeln!“ Bürgermeister Huf fühlte sich der Tradition all seiner Amtsvorgänger verpflichtet, das Rathaus bis zum letzten Radiergummi und Griffelspitzer zu verteidigen. Vergebens versuchte ihre Lieblichkeit, die Prinzessin Isabelle II., zu verhandeln und den Bürgermeister zum Einlenken zu bringen: „Ich appelliere an deine Vernunft, öffne dein Haus für die Spiesen-Elversberger Narretei, zaudere nicht, dann geht es schnell vorbei!“ Huf blieb standhaft und beharrte, dass er Bürgermeister und damit der Chef von Spiesen-Elversberg sei und die Narren sich davon machen sollten. Aber die Narren zeigten sich auch standhaft. Auch erhoben sie Vorwürfe gegen den Bürgermeister. Vor allem über die Hallenmalaise im Ort beklagen sie sich. So hörte man seitens des KV Alleh Hopp: „Seit drei Jahren sind wir nun hallenlos, wir finden das alles andere als grandios!“ Die Narrenzunft Elversberg ergänzte: „Obdachlos wurden auch wir im letzten Jahr. Keine Veranstaltungen konnten wir stattfinden lassen, daher kommt auch leider nix in unsere Kassen!“ Mit Böllerschüssen suchte der Bürgermeister die Narren vom Rathausplatz zu vertreiben. Aber auf Kommando von Prinz Sven II. vom KV Alleh Hopp erwiderte die zu den Narren übergelaufene Feuerwehr mit Elan die Schüsse der Rathauscrew. Mut und Hoffnung sanken bei den Rathausverteidigern aber erst, als die Kinderregenten der beiden Vereine – Prinzessin Emma I., Prinz Leonhard I. und Prinz Matteo I. – in das Geschehen eingriffen und ebenfalls die bedingungslose Kapitulation und die Herrschaft der Narretei forderten. Als dann Prinz Ben I. von der Narrenzunft Elversberg nach Rücksprache mit den Narren, den Rathausverteidigern zusicherte, dass man sie nicht in den Kerker stecken würde, war Bürgermeister Huf endlich bereit, die Ratsschlüssel zu übergeben. „Bis Aschermittwoch habt Ihr nun das Sagen“, erklärte er gegenüber den Narren, „wir alle hier müssen dies nun leider ertragen. Wir reichen den Schlüssel und geben schlicht auf und lassen Euch alle nun in den Ratssaal hinauf.“ Unter dem Jubel der Narren und der Musik des Fanfarenzugs wurden der Bürgermeister und seine Getreuen verhaftet und abgeführt. Aber wie man versprochen hatte, ging es nicht in den Kerker. Narren sind lustig und großzügig. Sie nahmen den Bürgermeister und seine Leute einfach mit in das eroberte Rathaus, um gemeinsam im Ratssaal die Spiesen-Elversberger Faasenacht zu feiern.