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Qualität und das Gefühl dazu zu gehören

Qualität und das Gefühl dazu zu gehören

Etwa 1000 Menschen arbeiten im Werkstattzentrum für behinderte Menschen (WZB) der Lebenshilfe in Spiesen. Um zu zeigen, was hier geleistet wird, gab es einen Tag der offenen Tür.

"Stellen Sie sich mal vor, Sie hätten keine Arbeit. Da würde einem doch die Decke auf den Kopf fallen", sagt Sigrid Orsini. Sie drückt Norbert Puhl, dem Vorsitzenden der Lebenshilfe Neunkirchen, den Föhn in die Hand und überlässt ihm ihren Platz. Er soll weiter die frisch geklebten Notizblöcke trocknen, während sie erzählt. Orsini ist eine von rund 1000 Menschen mit geistiger Behinderung, die neben den 400 hauptamtlich Angestellten im Werkstattzentrum für behinderte Menschen (WZB) der Lebenshilfe in Spiesen arbeiten. "Schon seit 40 Jahren", sagt sie. An diesem Tag der offenen Tür wird eigentlich nicht gearbeitet. Draußen gibt es Musik und Tanzaufführungen, drinnen erklären die Hauptamtlichen die Arbeitsbereiche. Doch in der Druckerei zeigen Orsini und Kollegin Sigrid Steffens gerne selbst, was sie tagtäglich tun. "Ich bin meistens beim Leimen oder an der Schneidemaschine. Die Arbeit ist abwechslungsreich", sagt Steffens. Orsini nimmt wieder ihren Platz ein und kontrolliert die Blöcke: alles fest. Puhl hat gewissenhaft getrocknet.

Wie der Bereichsleiter der Druckerei, Patrick Nikodemus erklärt, erhalten alle Mitarbeiter eine Qualifizierung. Das ist auch in den anderen Bereichen des WZB so. Denn die Werkstatt gebe nicht nur Menschen mit Behinderung Arbeit, Förderung und das Gefühl, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, sie liefere auch 1A-Ware: "Die Qualität entspricht dem Niveau, das Unternehmen von Weltrang erwarten", sagt Thomas Latz, Geschäftsführer des WZB und der Lebenshilfe Kreisvereinigung Neunkirchen. ZF, Bosch oder Kettler sind nur einige der Firmen, die Produkte von hier beziehen oder hier montieren lassen.

Den Tag der offenen Tür beging man zum 40-jährigen Bestehen des WZB, das in das Jahr des 50-jährigen Bestehens der Kreisvereinigung der Lebenshilfe fällt. "Die Leute können zu uns kommen, sich informieren und Berührungsängste ablegen", so Latz. Das Angebot nahmen zahlreiche Vertreter der Politik, aber auch andere Besucher an. Latz führte durch die Räumlichkeiten und man konnte nur staunen, was im WZB alles hergestellt wird: Blechwaren in der Schlosserei, sterile Operationskleidung im Reinraum, Gartengeräte in der Montage und vieles mehr.

Für Begeisterung sorgten vor allem die Adventskalender für Hunde und Katzen, die schon jetzt mit Leckerlis bestückt werden. "Weil wir 70 000 Stück herstellen, das dauert", erklärten die Gruppenleiterinnen Lisa Scherer und Diane Simon. In der Kunstwerkstatt stieß eine Recycling-Bank mit Jeans-Sitzen auf großes Interesse. "Eigentlich wurde sie für interne Zwecke hergestellt, aber vielleicht geht sie ja in Produktion", sagte Patrick Westhofen vom sozialpädagogischen Dienst. Das WZB verfügt auch über 138 stationäre und 60 ambulante Wohnplätze.