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Amphibien-Schutz
Kreuzkröte und Kammmolch wohnen am Truckenbrunnen 

Spiesen-Elversberg. „Schon als kleiner Junge haben wir in der Sandgrube gespielt und die reichhaltigen Amphibienvorkommen beobachtet“, so Hans-Jörg Flottmann, Diplom-Biogeograph und mit seiner Frau Anne Flottmann-Stoll, ebenfalls Diplom-Biogeographin, Inhaber eines Büros für Landschaftsökologie.

Mitte des Jahres hat die Gemeinde Spiesen-Elversberg im Zuge der Erschließungsarbeiten im Neubaugebiet Am Truckenbrunnen von Mitgliedern der Nabu-Ortsgruppe St. Ingbert den Hinweis erhalten, dass im unmittelbaren Bereich des Erschließungsgebietes Vorkommen der streng geschützten Kreuzkröte ansässig sind. Des Weiteren habe man diese Art auch in der ehemaligen Sandgrube „Hungerpfuhl“ beobachten können und darüber hinaus am Böschungsfuß Bestände des ebenfalls streng geschützten Nördlichen Kammmolches nachgewiesen.


Die große Herausforderung, die sich ergab, war das Schützen dieser seltenen Amphibienarten und ein gleichzeitig möglichst uneingeschränktes Bauen im Truckenbrunnen, wie die Gemeinde weiter mitteilt. Unterstützung suchte man sich bei dem Biogeographen-Ehepaar Flottmann-Stoll.

Im Baugebiet „Am Truckenbrunnen“ wurde um das Laichgewässer ein Amphibienschutzzaun errichtet, um ein flächiges Abwandern der Kröten in das Baufeld zu verhindern. Der Uferbereich wurde mit Versteckmöglichkeiten versehen und das Bauen im näheren Umfeld des Gewässers eingestellt. Danach wurden über Wochen regelmäßig die Individuen der Kreuzkröte abgefangen und aus dem akuten Gefahrenbereich in die ehemalige Sandgrube Hungerpfuhl versetzt. Zur langfristigen Sicherung der Kreuzkröte und des Kammmolches wird das Planungsbüro Flottmann & Flottmann-Stoll, St. Wendel, nun ein Artenschutzkonzept erarbeiten.

Aktuell befinden sich die Kreuzkröten und Kammmolche in Winterruhe. Diese Zeit nutzen aktuell Gabi Stein und Jessica Mildenberger, Mitglieder des Nabu Saar, Ortsgruppe St. Ingbert. Sie reinigten vergangene Woche ehrenamtlich den Graben am Böschungsfuß der ehemaligen Sandgrube, wovon sich auch Bürgermeister Reiner Pirrung und die stellvertretende Bauamtsleiterin Susanne Hammel vor Ort überzeugen konnten. Neben allerlei Müll, der gesammelt und entsorgt wurde, musste der sich stark ausbreitende Rohrkolben ausgedünnt werden.

„Dass neben der sehr seltenen Kreuzkröte auch der seltene Kammmolch hier nachgewiesen ist, ist eine kleine ökologische Sensation“, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt. „Die Gemeinde wird nun die notwendigen Maßnahmen durchführen, um die Amphibienarten auch auf Dauer zu erhalten und zu schützen, wenngleich der Artenschutz auch nicht immer einfach mit den städtebaulichen Planungen der Gemeinde in Einklang zu bringen ist“, erklärt Pirrung.