Kreativ bis ins hohe Alter hinein

Spiesen/Bildstock. Ein Mann, der offenkundig sehr viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild legt - das ist das erste, was ins Auge fällt. Seinen Besuch empfängt er im tadellos sitzenden Anzug und mit Krawatte. Diese wird gehalten von einer Krawattennadel, darauf zu sehen eine kleine goldene Brezel. Wir sind zu Gast bei Peter Ziegler in Spiesen

Spiesen/Bildstock. Ein Mann, der offenkundig sehr viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild legt - das ist das erste, was ins Auge fällt. Seinen Besuch empfängt er im tadellos sitzenden Anzug und mit Krawatte. Diese wird gehalten von einer Krawattennadel, darauf zu sehen eine kleine goldene Brezel. Wir sind zu Gast bei Peter Ziegler in Spiesen.Heute wird der Bäckermeister im Ruhestand 100 Jahre alt. Das wird natürlich groß gefeiert. Vier Kinder, fünf Enkelkinder, drei Urenkel, Freunde und Nachbarn gratulieren dem körperlich und geistig erstaunlich rüstigen Ruheständler, der sein Leben sehr präzise und ohne jegliche Erinnerungsschwächen schildert. Peter Ziegler ist ein bekannter Mann. Und wer ihn nicht persönlich kennt, dem sind zumindest die Produkte aus dem Hause Ziegler ein Begriff. Den "Kameruner", eine Art Kaffeestückchen, den habe er kreiert, erzählt schmunzelnd der Senior, als wir ihn danach fragen, was er denn selbst gerne zu sich nimmt.

Der heute 100-Jährige kann mit Stolz auf sein Lebenswerk blicken. Um elf Filialen kümmert sich mittlerweile seine Familie. Und hält die Tradition des bodenständigen Handwerks hoch, das mit fragwürdigen Backmischungen und Hilfsmitteln aus der Chemie-Schatulle nichts am Hut hat.

1936 machte Peter Ziegler, gebürtiger Lebacher, seine Meisterprüfung. Zum 75-jährigen Jubiläum erhielt er vergangenes Jahr von der Handwerkskammer den Platin-Meisterbrief, eine Auszeichnung, die vor ihm noch niemand erhalten hat. Er und seine Ehefrau, so erzählt er, mussten anfangs einige schwere Jahre in der Selbstständigkeit durchmachen. Bei 14 500 Einwohnern habe es nach dem II. Weltkrieg in Dillingen, wo alles begann, genau 29 Bäckereien gegeben. Die Verwandtschaft aus Differten hat bei ihm das Brot gekauft, ansonsten waren Kunden Mangelware. Seine Frau, erzählt der Altersjubilar, habe geweint und schon aufgeben wollen. "Wir machen weiter", habe er jedoch trotz aller Widrigkeiten beschlossen, denn "wenn es wieder alles gibt, will ich zeigen, was ich kann".

Peter Ziegler sollte Recht behalten. Nach dem Krieg normalisierte sich das Leben, und plötzlich lief der Laden. Vor allem seine Kuchen, ganz speziell der Käsekuchen, sagt fröhlich der Senior, hätten es der Kundschaft angetan. Nach Bildstock kam er 1950. Dort kaufte er eine Bäckerei und richtete sie neu ein, mitsamt Backofen und Maschinen. Und im Alter von 60 Jahren übergab er seinem Sohn die Geschäfte. Mittlerweile ist sein Schwiegersohn, Stefan Lang, für den Gesamtbetrieb mit allen Filialen verantwortlich.

Auch mit 100 Jahren kann man noch Hobbys pflegen, gibt uns der Altersjubilar zu verstehen, der nie geraucht und auch sonst immer sehr gesund gelebt hat.

Jeden Morgen spielt er mit seiner Haushälterin zwei Stunden Rommé, und dann geht er auch noch gerne dem Schreiner-Handwerk nach, baut Regale, Vogelhäuschen und Topf-Untersetzer. Einen solchen schenkt er auch seinem Gast. Beim Kochen werden wir uns gerne an den sympathischen Mann erinnern. "Meine Kuchen, speziell der Käsekuchen, hatten es der Kundschaft angetan."

Peter Ziegler