Körper und Geist auf Linie bringen

Heute ist der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, die am 15. April endet. Eine Zeit, in der viele Geist und Körper entschlacken wollen und daher fasten.

Nachdem das letzte Hei Joo verstummt und die Fastnacht nun für ein Jahr beerdigt ist, wird es den meisten heute dämmern, dass der Aschermittwoch den Beginn der Fastenzeit einläutet, die in 40 Tagen, am 15. April, endet. Für viele eine Zeit, in der sie sich freiwillig in Verzicht üben. In vielerlei Hinsicht. Manch einer lässt das Auto stehen, andere verschreiben sich Abstinenz von sozialen Netzwerken, Alkohol, Kalorienbombe oder Sonstigem, und nicht wenige werden in den kommenden Tagen fasten. Vielleicht sogar unter Anleitung von Kerstin Wohnig, ausgebildete Fastenleiterin SKA, wobei das Kürzel SKA für Sebastian Kneipp Akademie steht. Seit zwei Jahren leitet sie für den Spieser Kneipp-Verein Fastenkurse, und das mehrmals im Jahr. "Wir fasten im Frühjahr und im Herbst für jeweils zehn Tage. Man kann auch öfter oder auch länger fasten. Wer länger als zehn Tage fasten möchte, sollte dazu in eine Fastenklinik gehen, wo man unter medizinischer Betreuung fasten kann", erklärt Kerstin Wohnig, die die Kurse nicht nur leitet, sondern in der Regel mitfastet.

Von einigen Krankheitsfällen oder etwa einer Schwangerschaft abgesehen, könne jeder fasten, der 18 Jahre, beziehungsweise "nicht mehr im Wachstum" sei, wobei es ganz wichtig sei, dass "man es auch wirklich möchte". Gerade Fastenanfänger hätten Zweifel, ob sie durchhalten, aber denen kann Kerstin Wohnig die Angst nehmen: "Es kommt äußerst selten vor, dass jemand abbricht. Ich habe es in meinen Kursen noch nie erlebt."

Wer sich zum Heilfasten entschließt, sollte sich vor den zehn Tagen mit ein bis zwei Entlastungstagen vorbereiten, an denen überwiegend Obst gegessen und bereits auf Kaffee, Tabak, Fleisch und Alkohol verzichtet wird. Das erleichtere dem Körper die Umstellung von der äußeren auf die innere Ernährung, bei der der Körper Fett abbaut. Der eigentliche Fastenprozess beginnt dann mit dem sogenannten Salztag, an dem mittels einer Bittersalzlösung abgeführt und der Darm somit entleert wird. "Ab dann muss man viel Kräutertee und stilles Wasser trinken, drei Liter sollten es schon sein", rät die Expertin.

Für die kommenden zehn Tage gibt es dann zusätzlich nur noch zweimal jeweils einen viertel Liter Gemüsebrühe am Tag, bestenfalls selbst gekocht, im Wechsel etwa als Tomate-, Karotten- oder Selleriebrühe. "Etwa 450 Kalorien nimmt man am Tag zu sich. Während der zehn Tage nimmt man zwischen zwei und sechs Kilo ab, wobei das nicht das Ziel des Fastens ist, sondern eher ein positiver Nebeneffekt", sagt Kerstin Wohnig. Ziel sei viel mehr, zu entschlacken, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Zur inneren Ruhe finden, viele Spaziergänge machen, zu lesen, statt fern zu schauen, Musik zu hören, statt am PC zu hocken, sich und seinem Körper dadurch etwas Gutes tun.

"Die Meisten genießen diese Zeit, weshalb etliche meiner Kursteilnehmer Wiederholungstäter sind", sagt Kerstin Wohnig. Heilfasten helfe oft auch bei Migräne, Bluthochdruck und Diabetes, und oft stelle sich nach der Zeit ein enormes Glücksgefühl ein. Das Ende der Fastenzeit leitet sie in ihrer Gruppe immer mit dem Essen eines Apfels ein. "Für viele der leckerste Apfel, den sie je gegessen haben", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und auch danach rät sie zu maßvollem Genuss, zumal man wieder intensiver schmecken und besser genießen könne. Ein Hungergefühl stelle sich übrigens während des Fastens nicht ein. Das verschwinde, sobald der Magen leer sei.

Ganz wichtig sei es, locker ans Fasten ranzugehen, ohne Scheu oder Angst. Und wer der Versuchung einer Praline während der zehn Tage partout nicht widerstehen kann, sollte sich nicht entmutigen lassen. "Das bedeutet nicht das Ende des Fastens. Dann macht man einfach weiter."

Fastenleiterin Kerstin Wohnig Foto: Wohnig. Foto: Wohnig

www.kneipp-verein-spiesen.de