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Im Sinne der Synode
„Himmel“ und „Hölle“ – hier und heute

Sie erarbeiten ein Konzept, um Ehrenamtliche für den Begräbnisdienst zu schulen (v.l.): Melina Wack, Claudia Busch, Anne Ziegler, Olaf Harig. Nicht auf dem Bild: Sibylle Rhein und Oswald Jenni. Auch ehrenamtliche Begräbnisleiter tragen bei ihrem Dienst ein liturgisches Gewand.
Sie erarbeiten ein Konzept, um Ehrenamtliche für den Begräbnisdienst zu schulen (v.l.): Melina Wack, Claudia Busch, Anne Ziegler, Olaf Harig. Nicht auf dem Bild: Sibylle Rhein und Oswald Jenni. Auch ehrenamtliche Begräbnisleiter tragen bei ihrem Dienst ein liturgisches Gewand. FOTO: Claudia Emmerich
Spiesen. Katholische Kirche in der Region will Männer und Frauen für ehrenamtlichen Begräbnisdienst gewinnen. Von Claudia Emmerich

Etwa 600 katholische Beerdigungen im Jahr zählt das Dekanat Neunkirchen (umfasst die Stadt Neunkirchen und die Gemeinden Schiffweiler und Spiesen-Elversberg mit rund 37 200 Katholiken). Meist sind es Trauerfeiern auf dem Friedhof, selten inzwischen Sterbeämter. Bisher leisten Hauptamtliche den Begräbnisdienst – Priester, Diakone, auch Gemeinde- und Pastorelreferenten (Männer und Frauen). Doch sie stoßen an ihre Grenzen (siehe „Info“). Bald schon könnte dieser Dienst zusätzlich auf geschulte Ehrenamtliche übertragen werden. Eine Gruppe aus dem Dekanat erarbeitet als Pilotprojekt im Bistum Trier ein Konzept. Sie orientiert sich dabei an dem, was aus anderen Bistümern bereits an Erfahrung vorliegt. Unsere Zeitung hat jetzt ein Treffen im Pfarrheim Spiesen besucht und sich Lehrplan und Bewerberprofil erklären lassen.


„Unsere Gruppe ist breit aufgestellt“, heißt es: Claudia Busch, Gemeindereferentin (Wiebelskirchen), Olaf Harig, Dechant und Pfarrer St. Ludwig-Herz Jesu Spiesen-Elversberg, Oswald Jenni, Diakon St. Marien Neunkirchen, Sibylle Rhein, Pastoralreferentin Dekanat, Melina Wack, Dekanatskantorin, Anne Ziegler, Gemeindereferentin (Schiffweiler). Am 30. November 2017 haben sich die Sechs zum ersten Mal getroffen. Ihr Zeitplan steht: Im Frühjahr 2019 soll der erste Ausbildungskurs starten, im Herbst der erste Jahrgang seine bischöfliche Beauftragung erhalten. Auswahl der Bewerber und abschließendes Empfehlen für den Beerdigungsdienst verantwortet die Gruppe. Gespräche sollen immer wieder justieren.

 Kontakt zu den Angehörigen herstellen, Trauergespräch führen, Traueransprache halten, Trauerfeier gestalten, Beisetzung begleiten. Hoffnung und Zuversicht verkünden – das alles gehört zum Begräbnisdienst. Ehrenamtliche für diesen Dienst zu gewinnen, ist auch eine Folge der Trierer Synode: In deren Abschlussdokument heißt es „Laien werden in den Bestattungsdienst eingebunden“. Und neben den bereits tätigen hauptamtlichen Laien sind damit auch ausdrücklich ehrenamtliche Laien gemeint. Beerdigen, so heißt es, ist ein Werk der Barmherzigkeit und nicht an die Weihe gebunden. Kann also jeder? Kann nicht jeder, sagt die Dekanatsgruppe. Was ein Mann, eine Frau mitbringen sollte? „Im Glauben verwurzelt“, empathisch“, heißt es aus dem Runde. Aber auch „strukturiert“, „flexibel,“ auskunftssicher“. Wichtig ist, sagt Harig: Der ehrenamtliche Begräbnisleiter entscheidet, wo er beerdigen will (vielleicht nur in seiner Heimatgemeinde), wie oft er beerdigen will (vielleicht nur einmal im Monat). Auch das im Sinne der Synode: Vom Einzelnen her denken.



Der erste Teil der Ausbildung ist überschrieben mit „Osterzeugenkurs“ und, darauf weist die Gruppe hin, offen für alle Interessierten. Hier geht es um die „theologische, spirituelle Vergewisserung“ (Harig). Kann ich die Osterbotschaft bezeugen?  Kann ich dolmetschen in die heutige Welt, in die Welt der Hinterbliebenen? Auch „Himmel“, „Hölle“, „Gericht“ würden neu übersetzt. Teil zwei der Ausbildung will handwerkliches Rüstzeug vermitteln, nennt sich „Werkstattkurs“. Jetzt sollen erste praktische Erfahrungen gemacht werden: an Trauergesprächen teilnehmen, Aufgaben bei Beerdigungen übernehmen, erste Ansprachen trainieren und im geschützten Raum der Gruppe einüben, eine eigene Beerdigungsmappe mit Texten, Musik und Ablauf zusammenstellen. Später wird auch der ehrenamtliche Begräbnisleiter ein liturgische Gewand tragen: Das gebe ihm Sicherheit in seiner Rolle und der Trauergemeinde Vertrauen in seinen kirchlichen Dienst. Frauen wie Männer können sich für das Ehrenamt bewerben.