Hier wird kein Stäubchen geduldet

Das Werkstattzentrum der Lebenshilfe gGmbH (WZB) beschäftigt 970 Menschen mit geistiger Behinderung. Dazu kommen noch knapp etwa 400 hauptamtliche Mitarbeiter.

"Wir sind stolz, im Reinraum zu arbeiten", erzählt die 26-jährige Jennie Jost. Auch der 51-jährige Wolfgang Heckmann fühlt sich hier ausgesprochen wohl. "Die Arbeit macht Spaß und mit den Kollegen verstehe ich mich gut." Zu ihnen gehört auch die 27-jährige Stefanie Arthur, die im Reinraum unter sterilen Bedingungen Sauerstoffkatheter und andere Medizinprodukte montiert. Gibt es mal Probleme, hilft Gruppenleiterin Petra Philippi. "Die Reinraumtechnik spielt im WZB eine große Rolle, auch wenn sich dabei um einen eher untypischen Bereich für eine Behindertenwerkstatt handelt", unterstreicht die WZB- Vertriebsbeauftragte Tamara Helmling. Für rund 140 Kunden aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Bulgarien nähen und waschen Menschen mit geistiger Behinderung im Werk III im Altseiterstal unter fachkundiger Anleitung Reinraumkleidung, die beispielsweise in der Pharmaindustrie, der Halbleitertechnologie , in Forschungsinstituten oder bei der Fertigung optischer Geräte benötigt wird, um steril produzieren zu können. "Reinraumtechnik wird im WZB seit 26 Jahren angeboten", informiert Produktionsleiter Thomas Philippi. Dem Bau des ersten Reinraums im Jahr 1989 folgten drei weitere. Mit der Montage von Medizinprodukten schuf man sich 2007 ein weiteres Standbein.

"Die Arbeit im Reinraum stellt die Menschen mit geistiger Behinderung vor besondere Herausforderungen", informiert Helmling. So müssen die Werkstattbeschäftigten regelmäßig die Hände desinfizieren und am Arbeitsplatz eine spezielle Bekleidung tragen. Die Beschäftigten werden regelmäßig geschult. Unternehmen wie die ZF Friedrichshafen AG und die Robert Bosch GmbH zählen zu den Kunden des WZB.

WZB-Geschäftsführer Thomas Latz möchte die Inklusion im Unternehmen noch stärker als bisher in den Fokus der Arbeit rücken. So würden Werkstattverträge, der WZB-Internetauftritt oder das WZB-Info in leichte Sprache übersetzt, um Menschen mit Behinderung eine Kommunikation auf Augenhöhe zu ermöglichen. Eine personenorientierte Förderung spielt nach seinen Worten in allen Bereichen des WZB eine wichtige Rolle und unterstützt Menschen mit geistiger Behinderung bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit.

1975 wurde das WZB im Beckerwald in Spiesen gegründet. Mittlerweile wird in fünf Betriebsstätten produziert. Das Werk I, die Ursprungswerkstatt am Beckerwald in Spiesen mit einer modernen Blechverarbeitung, einer Druckerei und einer Schreinerei, bietet 280 Menschen mit Behinderung Arbeit. In den Werken II in Urexweiler und IV im Gewerbepark Spiesen werden Montage- und Verpackungsarbeiten für die Kunststoff-, Metall-, Medizin-, Klima- und Automobiltechnik erledigt. Das Werk III im Neunkircher Altseiterstal gilt als "weißes Werk", in dem Reinraumbekleidung hergestellt und aufbereitet wird. Als "grüne Werkstatt" hat sich der Wendelinushof in St.Wendel einen Namen gemacht.

Neben Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen werden auch Sportveranstaltungen für die Beschäftigten organisiert. Zum Angebot gehören auch 138 Wohnheimplätze für behinderte Menschen in Spiesen , Neunkirchen und Ottweiler. Weitere 60 Menschen werden im selbstbestimmten Wohnen ambulant betreut.