Heut' ist Nikolausabend da

Wenn heute Abend die 15 Nikoläuse der katholischen Kirche in Elversberg losziehen, dann haben sie auch Zeit im Gepäck. Denn mit Kindern plaudern, Gedichte hören und miteinander singen, das ist ihnen wichtig.

. Gestern Abend war das große Treffen. 15 Nikoläuse und ebenso viele Knecht Ruprechte sind zusammengekommen über der Sakristei der katholischen Kirche Elversberg , um die Routen festzulegen. Denn: Heute ist Nikolausabend da. Seit dem Jahr 1946 , also 68 Jahre schon, gibt es die Nikolausaktion der katholischen Kirche Elversberg . Damals noch mit Kaffeewärmern als Bischofsmütze auf dem Kopf und Kleidern aus dem Theatervereins-Fundus. Das ist lange vorbei. Heute warten in den Schränken der Sakristei Bärte, Mitras, Bischofsgewänder, Säcke und goldene Bücher für insgesamt 20 Nikoläuse.

Der Herr über diesen Fundus ist Wolfgang Rupertus. Seit 50 Jahren schon besucht der 63-Jährige am 5. Dezember Jahr für Jahr Familien im Ort. Angefangen hat er so wie alle seine Elversberger Kollegen: als Knecht Ruprecht. "Wir lassen keinen direkt auf die Familien los, da wird man langsam herangeführt." Denn für die Familien soll der Besuch ein besonderes Erlebnis werden, soll Glanz und weihnachtliche Vorfreude bringen. Erzieherisch wirken will man dabei nicht. "Obwohl ich im Laufe der Jahre sicher schon Hunderte Schnuller mitgenommen habe", erinnert sich Rupertus. Traditionell läuft der Besuch so ab: Die Eltern bestellen den Vertreter des Heiligen Mannes ("Wir machen immer deutlich, dass wir den Nikolaus nur vertreten"), geben ihm Zettel über die Kinder ("Wenn das zu heftig ist, was da drauf steht, dann fliegt der weg"), die Route wird festgelegt, die Uhrzeit mitgeteilt. Vor der Haustür gibt es dann die zu verteilenden Geschenke. Ganz selten hatte Rupertus da auch schon mal einen kleinen Schock zu verdauen: Wenn das Geschenk ein Scheck war beispielsweise, der Fernseher lief oder der Onkel im Unterhemd rumstand. "Dann sage ich was. Insofern erziehen wir dann schon mal die Eltern."

Wenn aber die Wohnung nach Zimt und Plätzchen duftet, der "Nikolausmarsch", wie er das Lied liebevoll nennt, ertönt, dann "weiß ich, hier bin ich richtig". Meistens ist das auch so. Die zu besuchenden Familien bleiben meist über die Jahre Stammgäste, immer aber kommen auch neue dazu. Dieses Jahr sind es rund 100 Häuser und damit bis zu 300 Kinder, quer durch die Glaubensrichtungen. Auf ihrem Weg verteilen die Nikoläuse im Übrigen auch Gaben an Kinder, die ihnen begegnen. "Ins Gespräch kommen, mit den Kindern reden, das ist uns ganz wichtig."

Der Nikolaus-Besuch an sich ist kostenlos. Spenden werden bis auf einen Mini-Teil für Ausbesserungsarbeiten an den Kostümen weitergegeben: seit 30 Jahren schon an die Elterninitiative Krebskranker Kinder und den örtlichen Kindergarten. Jedes Jahr vorm Losgehen wird das Geld vom Jahr zuvor verteilt - dieses Mal je 500 Euro. Nach "getaner Arbeit" entspannen die Nikoläuse beim Essen im Pfarrheim. "Und dann kommt auch zu uns der Nikolaus." Ans Aufhören denkt Rupertus noch lange nicht, zu viel Herzblut steckt darin. "Ich glaube, unser Besuch, der bringt den Familien wirklich viel", sagt er, als er an diesem ersten Schneewundertag für die SZ ins Kostüm schlüpft.Nikolaus ist ein guter Mann . . .

Zum Thema:

Liedtext"Lasst uns froh und munter sein": Text und Melodie stammen aus dem 19. Jahrhundert, Josef Annegarn (1794 - 1843) wird es oft zugedacht:Lasst uns froh und munter sein/ Und uns recht von Herzen freu'n!/ Lustig, lustig, traleralera!/ Bald ist Nikolausabend da,/ bald ist Nikolausabend da! Bald ist unsere Schule aus,/ dann ziehn wir vergnügt nach Haus. Lustig, lustig, traleralera!/Bald . . . Dann stell' ich den Teller auf,/ Nik'laus legt gewiss was drauf./ Lustig, lustig, traleralera!/ Bald . . . Steht der Teller auf dem Tisch,/ sing' ich nochmals froh und frisch./ Lustig, lustig, tralleralera!/Bald . . . Wenn ich schlaf', dann träume ich,/ jetzt bringt Nik'laus was für mich./Lustig, lustig, traleralera!/ Bald . . . Wenn ich aufgestanden bin,/ Lauf ich schnell zum Teller hin./ Lustig, lustig, traleralera!/Bald . . . Nik'laus ist ein guter Mann,/ dem man nicht genug danken kann./ Lustig, lustig, traleralera!/ Bald . . .