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Erste Fairtrade-Schule im Landkreis
Ein Willkommen den Elfairsbergern

Die Grundschule Elversberg ist nun Fairtrade-Schule. Wynnie Mbindyo (2.v.l.) überreicht Schulleiterin Ulrike Reuter die Urkunde.
Die Grundschule Elversberg ist nun Fairtrade-Schule. Wynnie Mbindyo (2.v.l.) überreicht Schulleiterin Ulrike Reuter die Urkunde. FOTO: Jörg Jacobi
Spiesen-Elversberg. Grundschule Elversberg darf sich nun Fairtrade-Schule nennen. Fairer Handel auch Unterrichtsstoff. Von Anja Kernig

„Wir haben neue Einwohner, die Elfairsberger“, meinte Bürgermeister Reiner Pirrung bei der Feierstunde in der Glückauf-Halle und quittierte diesen Umstand mit einem breiten Lächeln. Überhaupt sei das eine „ganz tolle Geschichte“, diese Zertifizierung. Zwei Jahre lang hatte die Schulgemeinschaft der Grundschule Elversberg auf dieses Ziel hingearbeitet. Und jetzt war es soweit: Wynnie Mbindyo von der Fair Trade Initiative Saarbrücken zeichnete die Pestalozzischule offiziell als Fairtrade School aus.


Dafür hatten fünf Kriterien erfüllt werden müssen, berichtete Rektorin Ulrike Reuter. Zunächst galt es, ein Fairtrade-Schulteam aus Lehrern, Schülern und Eltern zu bilden. Gefunden haben sich insgesamt 24, sie sind besagte „ElFAIRsberger“. Zu ihren Aufgaben gehört es, einmal im Monat ein Fairtrade-Frühstück auf die Beine zu stellen. Dafür wird unter anderem Bananenbrot aus fair gehandelten Bananen gebacken.Womit schon Punkt zwei erfüllt ist: der Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten an der Schule. Auch sonst ist man bemüht, diesen Aspekt stärker in den Alltag zu integrieren. So wird im Lehrerzimmer nur noch Fairtrade Kaffee getrunken. Als weitere Voraussetzung muss in mindestens zwei Klassenstufen in zwei unterschiedlichen Fächern der Faire Handel im Unterricht behandelt werden. „Bei uns wird in allen Klassen darüber gesprochen“, informierte Ulrike Reuter. „Wir vermitteln, was fairer Handel ist und haben auch schon Plakate zu dem Thema angefertigt.“ Pflicht ist pro Schuljahr außerdem mindestens eine Schulaktion rund um Fairtrade. Hier erinnerte die Schulleiterin an den Frühlingsbasar, bei dem man zum Beispiel ein Fußballturnier, eine Saftbar und einen Schokolade-Probierstand mit Fairtrade-Produkten ausstattete. Auch wurden ein Kochbuch zusammengestellt und Buttons angefertigt. Punkt 5 nennt sich Fairtrade-Kompass: „Dabei geht es darum, alles zu dokumentieren, was wir gemacht haben“, so die Rektorin.Ziel der Fairtrade-Bewegung ist es, sich aktiv für eine bessere Welt einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Für jedes Schnäppchen, jeden Hammer-Billig-Preis, über den sich die Konsumenten hierzulande freuen, zahlt irgendjemand auf diesem Kontinent einen hohen Preis. Wie man das Grundschülern vermittelt? In dem man sie mal in die Rollen dieser Menschen in der sogenannten dritten Welt schlüpfen lässt: Theresia aus Kenia zum Beispiel, die 14 Stunden am Tag Rosen pflegt und erntet und dafür in einer Lehmhütte ohne Strom und Wasseranschluss haust. Oder jener elfjährige Junge aus Ghana, der schwere Säcke mit Kakaobohnen schleppen muss und dabei giftige Chemikalien einatmet: „Ich bin oft krank und bekomme schlecht Luft“, aber es fehlt an Geld, um zum Arzt zu gehen. Dazu kommt die Angst vor schweren Unfällen, die bei der Ernte mit der Machete immer wieder passieren.

Sehr viel positiver sieht es für die Jene aus, die das Glück haben, für Fairtrade-Betriebe schaffen zu können. „Dort wird im Rosenanbau mit biologischer Schädlingsbekämpfung gearbeitet“, erzählt Stella. Mit Kamille etwa oder dem Einsatz von Spinnen. Höhere Einkommen, medizinische Grundversorgung, Bildung – all das ist möglich, wenn der Endverbraucher bereit ist, einen fairen Preis für Kaffee, T-Shirts- & Co zu zahlen. „Ihr habt nicht gewartet, nicht geguckt, was die andern tun. Ihr habt gehandelt“, lobte Wynnie Mbindyo und bestärkte die frisch gebackene Fairtrade-Schulgemeinschaft darin, „den fairen Gedanken hinaus in die Welt zu tragen“.