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Gnadenhochzeit feiern Inge und Günther Broemer aus Spiesen

Seit 70 Jahren verheiratet : Das Rezept für 70 Jahre Ehe

An diesem Montag, 27. September, haben Inge und Günther Broemer aus Spiesen einen ganz besonderen Festtag: Sie sind dann 70 Jahre verheiratet, feiern Gnadenhochzeit.

Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung liegt in Deutschland zurzeit bei 14,7 Jahren. Seit 2009 bewegt sie sich in diesem Rahmen. Das weiß das statistische Bundesamt. Für Inge und Günther Broemer aus Spiesen unvorstellbar. Denn das Ehepaar hat die Statistik bereits um über 55 Jahre getoppt. Gnadenhochzeit oder auch Platinhochzeit nennt man diesen besonderen Tag, an dem ein Paar stolze sieben Jahrzehnte gemeinsam durchs Leben geht. Am 27. Sepember ist das bei Inge und Günther Broemer der Fall. Obwohl: Genau genommen kann man sogar noch vier Jahre auf die gemeinsame Zeit drauf packen. Süße 16 war Inge, als sie ihren Günther kennen lernte. Sie arbeitete in Heinitz in einem Haushalt. Der vier Jahre ältere Chemotechniker war im chemischen Hauptlabor der Saarbergwerke in Heinitz tätig. „Genau genommen hatten wir beide denselben Chef“, erinnert sich Inge beim Besuch der SZ, drei Tage vorm großen Ereignis. Und da habe man sich eben gesehen. Irgendwann haben die jungen Leute sich zum Tanzen verabredet, „so hat man das damals gemacht“, erinnert Inge. Das Schicksal nahm seinen Lauf. „Seitdem waren wir immer zusammen“, sagt der heute 94-jährige Günther, „seit Urzeiten“. Vier Jahre nach dem Kennenlernen war Hochzeit.

Andalusien bleibt ein Traum

Eine Tochter und ein Sohn wurden geboren. Ein Häuschen in Spiesen hat man gebaut. Mittlerweile gibt es fünf bereits erwachsene Enkel und sogar schon vier Urenkel – der älteste 14, der jüngste ein Jahr alt. Die Familie wohnt bis auf wenige Ausnahmen nah beieinander. Und was früher für Kinder und Enkel galt, das gilt heute immer noch für die Urenkel. „Wenn die Urenkel rufen, dann ist die Oma da“, erzählt Günther Broemer. Die hat ihr Leben als Hausfrau aufs Wohlergehen ihrer Lieben ausgerichtet. Genäht hat sie zeitweise viel, obwohl sie das nie gelernt hat. Was haben die beiden denn in schönster Erinnerung aus der gemeinsamen Zeit? Da blicken sie sich an, überlegen müssen sie nur kurz: „Das Schönste war immer, wenn wir in Ferien fahren konnten“, erzählt Inge. Viel sind sie auf Reisen gewesen. Früher mit den Kindern am Meer in Spanien oder Italien. Seit sie in Rente waren, ging es auch schon mal weiter weg: Nach Israel oder Amerika beispielsweise. Gerne wollten sie noch Andalusien sehen. Aber das wird nun wohl nichts mehr werden, das trauen sie sich nicht mehr zu. Dabei ist die letzte Reise noch gar nicht so lange her: Im Frühsommer erst waren sie zusammen auf Mallorca.

Engagement für die Kirche

Die Broemers sind noch richtig fit, fahren beide noch Auto und sind auch noch sehr aktiv. Günther Broemer hat im Garten grade sein letztes Projekt fertig gestellt: Eine Mauer war zu bauen. Außerdem, so erzählt er, habe er gerodet, Bäume und Büsche geschnitten und jede Menge Erde bewegt. „Aber das war es, mit der schweren Arbeit habe ich jetzt abgeschlossen“, erzählt er. Jetzt widme er sich dem Archiv und den Büchern. Denn Broemer, der auch 14 Jahre Presbyter war, pflegt das Kirchenarchiv der evangelischen Kirchengemeinde. Dabei interessiert ihn die Heimatkunde besonders, er unterstützt die beiden Heimatmuseen der Gemeinde und gibt sein Wissen auf Nachfrage auch gerne weiter. Und er musiziert. Auf der Anrichte im Esszimmer der gemütlichen Wohnung liegen Blockflöte, Oboe und Klarinette parat. Seit er 14 war, macht Broemer Musik, war damals bereits in der Bergkapelle Saar. Heute spielt er ab und an auch noch Flöte in der Kirche. Und auch Inge ist im kirchlichen Bereich aktiv. Sie engagiert sich seit Jahren bei der Frauenhilfe. Beide pflegen noch immer ihren Freundeskreis, auch wenn die Zahl der Freunde unabänderlich immer kleiner wird. Und dann, so erzählt Günther Broemer ist da auch noch das Ehepaar in Polen, mit dem man seit 40 Jahren Kontakt hat, sind da Freunde in Südfrankreich und Paris. Nach Paris, da will er bald nochmal hin. Wenigstens für einen Tag.

Die ganze Familie kommt

Was aber ist nun das Geheimnis einer 70 Jahre währenden Ehe? Da muss Inge nicht lange überlegen. Es habe sie früher so einiges zusammengehalten. „Wir hatten das Haus zu bezahlen, haben da selbst viel dran geschafft, das wirft man nicht leichtsinnig weg, da hält man zusammen.“ Und dann die Kinder natürlich, die, da sind sich beide einig, viel Freude gemacht haben. Schließlich bringt es Inge auf den Punkt: „Wir sind eine Generation, die geflickt und repariert hat, bei uns wird nicht gleich weggeschmissen.“

Am Jubiläumstag gibt es einen kleinen Tag der offenen Tür, mit Kindern, Enkeln, Urenkeln und Inges Schwester, die extra aus Wetzlar kommt. Mit Vertretern der Kirchengemeinde rechnet man, vielleicht noch mit jemandem aus dem Rathaus. Am Sonntag kann auch der Enkel aus Oberursel kommen. Da ist dann die große Feier – ganz en famille.