Gemeinderat Spiesen-Elversberg Wohnraum-Traum im Großenbruch geplatzt

Spiesen-Elversberg · Der Gemeinderat Spiesen-Elversberg hat Bebauungsplanverfahren „Im Großenbruch“ auf Gutachterempfehlung gestoppt.

 Auf diesem Grünstreifen unterhalb des Spielplatzes sollten fünf Bauplätze entstehen.  Foto: Anja Kernig

Auf diesem Grünstreifen unterhalb des Spielplatzes sollten fünf Bauplätze entstehen. Foto: Anja Kernig

Foto: Anja Kernig

 Es wäre so schön gewesen: Fünf Baugrundstücke entlang der Straße Am Ring, nahe der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule, hätten die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnbauland in Spiesen-Elversberg zwar nicht befriedigen – aber doch zumindest ein Stück weit entspannen können. Der Traum ist nun geplatzt. Der Gemeinderat stoppte bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig das entsprechende Bebauungsplanverfahren 3. Abschnitt „Im Großenbruch“ und beschloss zugleich seine Aufhebung.

Vor gut einem Jahr erst hatten die Ratsmitglieder das Verfahren zur Aufstellung des B-Plans eingeleitet. Das Ziel: 3000 Quadratmeter Grünland in der bestehenden Siedlung nachverdichten – städte- und naturschutzplanerisch quasi der Idealfall. Doch schon damals meldete die beauftragte ortsansässige Dr. Marx GmbH Obacht aufgrund „uneinheitlicher Baugrundverhältnisse“ an. Bei der „Orientierenden Baugrunduntersuchung“ mittels vier Rammkernbohrungen und fünf schweren Rammsondierungen waren „uneinheitliche Baugrundverhältnisse“ festgestellt worden. „In Abhängigkeit der genauen Lage, der Gründungshöhe und Gebäudelast sind gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen wie Polster- oder Tiefgründung erforderlich.“ Zusätzlich gelte es, ausreichend Abstand zur bis zu sechs Meter hohen Böschung zu halten.

Einwände kamen auch vom Oberbergamt, welches den oberflächennahen umgehenden Bergbau (Heinitzstollen) ins Feld führte. Vom Planungsbüro KernPlan wurde daraufhin ein neuer Umring des Plangebietes erarbeitet. Dort erfolgte ebenfalls eine Bodengrunduntersuchung, das Ergebnis stützte die bereits vorliegenden Erkenntnisse: „An drei von vier Probestellen wurden inhomogene Untergründe festgestellt, die ein Einzelgutachten jedes Vorhabens und zusätzliche Gründungsmaßnahmen erforderlich machen“, fasst Sachbearbeiterin Susanne Hammel in der Sitzungsvorlage zusammen. Darüber hinaus wurden im neuen Plangebiet an drei repräsentativen Bohrpunkten belastete Massen mit Benzoapyren „bis in Tiefen von größer als drei Metern“ festgestellt. Bei Benzoapyren handelt es sich um einen Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoff. Über die Atemluft aufgenommen, wirkt er krebserregend.

Entsprechend müsste im Falle einer Unterkellerung der Bodenaushub fachgerecht entsorgt werden. „Im Boden verbleibende Massen machen wiederum eine Überdeckung, beziehungsweise Versiegelung der Fläche erforderlich.“ Eine Stellungnahme des Landesamts für Umweltschutz bestätigte dies. Alles in allem keine Basis für neue Wohnbebauung, befand daraufhin die Verwaltung. „Es war die Absicht (…) mit geringem Aufwand Planungsrecht zu schaffen, um attraktive Wohnbauflächen anbieten zu können“, formuliert es Susanne Hammel. „Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse belegen allerdings, dass eine Schaffung von Bauland nur unter strengen Auflagen und mit kostspieligen Gründungsmaßnahmen möglich sein wird.“ Die Ratsmitglieder teilten diese Einschätzung und folgten der Beschlussvorlage ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen.

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