1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Spiesen-Elversberg

Gemeinde Spiesen-Elversberg erarbeitet neue Konzepte für den Radverkehr

Radfahren in Spiesen-Elversberg : Halbzeit in Sachen Radverkehrskonzept

Planer des Büros Planersocietät zeigten im CFK, wie Radfahren besser und sicherer werden könnte in Spiesen-Elversberg.

Wer in Spiesen-Elversberg mit dem Rad unterwegs ist, braucht ein dickes Fell und unter Umständen einen Schutzengel. Viele Hauptverkehrswege sind eine Zumutung, topographisch wie auch verkehrstechnisch. Da soll sich was ändern, weshalb die Verwaltung per Gemeinderatsbeschluss das Karlsruher Planungsbüro Planersocietät mit der Erstellung eines Radverkehrskonzeptes beauftragte. Am Donnerstag waren alle Interessierten ins CFK eingeladen, um sich über erste Ergebnisse auszutauschen.

„Wir sind bei der Hälfte“, bilanzierte Teamleiter Philipp Hölderich. Der Stadtplaner stellte zunächst das sogenannte „Wunschliniennetz“ vor. Dieses verbindet alle für Radfahrer potenziell wichtigen Ziele, darunter die Ortskerne, Schulen und Sportstätten, aber auch Orte wie das CFK und natürlich die Nachbarkommunen.

Schnell von A nach B zu kommen, sei dabei ein wichtiger Faktor: „Radfahrer sind relativ umwege-sensibel“, wie es Hölderich ausdrückte. Um sich in die örtlichen Gegebenheiten besser eindenken zu können, stiegen er und seine Kollegen selbst aufs Fahrrad und fuhren die Strecken ab.

Was die Verkehrsbelastung anbelangt, gibt es drei Spitzenreiter: Lindenstraße, Heinitzstraße und St. Ingberter Straße. Diese fallen aufgrund der großen Verkehrsdichte und der dort erzielten Höchstgeschwindigkeiten in den Belastungsbereich III, sprich, hier besteht in jedem Fall Handlungsbedarf. Zum Bereich II zählen Teile der Hauptstraße sowie die Neunkircher-, Spieser- und Elversberger Straße. Aufgefallen ist den Planern die heterogene Oberfläche vieler Wege und „dass es kaum adäquate Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt“. Letzteres, so Hölderlich, „wird oft belächelt“. Fakt sei aber, dass Zweiräder immer hochwertiger, ergo, teurer werden, gerade auch im Hinblick auf E-Bikes. Da könne man keinem Radfahrer verdenken, dass er sein Fortbewegungsmittel „vernünftig und sicher abstellen“ will.

Kollege Johannes Lensch widmete sich anschließend den „Maßnahme-Ansätzen“. Zielführend wäre es etwa, an den Straßen mit Belastungsklasse III beidseitig Schutzstreifen auszuweisen, vorausgesetzt, die Fahrbahnbreite beträgt mindestens 7,50 Meter. Wenn das nicht geht, dann wenigstens einseitig. Wobei bauliche Maßnahmen nur sehr eingeschränkt realisierbar sind, aus finanziellen Gründen oder weil die Fahrwege nichts anderes hergeben. Doch es geht auch ein paar Hausnummern kleiner: „Einbahnstraßen für Radfahrer öffnen“ zum Beispiel, Rad-Piktogramme auf die Fahrbahn malen oder „Tempo 30 durchgehend für Nebenstraßen“ ausweisen. Möglich sind auch Fahrradstraßen, auf denen Zweiradfahrer Vorrang haben – Karlsruhe verfügt über 16 Stück. Auch Kleinigkeiten wie das Aufstellen von „Schlauch-o-Mat“-Geräten, also Automaten für Fahrradschläuche, tragen zum Gesamterfolg bei. Generell empfehlen die Experten, Radfahren in der Gemeinde „zur Marke zu machen“, sprich, die Werbetrommel für diese gesundheits- und klimafreundliche Fortbewegungsart zu rühren.

Die gesellschaftliche Akzeptanz ist jedenfalls noch nie größer gewesen. So zeigte sich Hölderlich zuversichtlich, dass die Politik in den kommenden Jahren noch rechtlich nachlegt, konkret, was die Ausweisung von 30er Zonen auf Hauptverkehrsstraßen anbelangt. Bereits 2019 verabschiedet hatte die Bundesregierung ein 900-Millionen-Euro-Paket für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur.

Damit warten bis 2023 insgesamt 1,4 Milliarden Euro darauf, von den Kommunen für den Radverkehr abgerufen zu werden. Voraussetzung dafür ist aber immer ein Radverkehrskonzept, „sonst hat man keine Chance auf Fördermittel“, betonte Bürgermeister Bernd Huf in der Diskussionsrunde. „Wir sind die einzige Gemeinde, die noch nicht an das Saarland-Radwegenetz angeschlossen ist.“

Den ursprünglich für 2020 vorgesehenen zweiten Bauabschnitt der Hauptstraße in Spiesen habe man in Absprache mit dem Landesamt für Straßenbau zurückstellen lassen, informierte Tiefbauer Roman Backes vom Bauamt. Dort könne das fertige Konzept erstmals zur Anwendung kommen. Die im CFK von den Zuhörern notierten Anregungen nimmt das Duo mit nach Karlsruhe. Für Januar rechnet Bauer mit einem nächsten Zwischenbericht, im Mai sollte dann die endgültige Fassung vorliegen.