Geisterstunde in Elversberg

130 Schüler der Gemeinschaftsschule Spiesen-Elversberg präsentierten mit dem Blasorchester der evangelischen Kirchengemeinde Elversberg das auf einer Erzählung von Oscar Wilde basierende Musical „Das Gespenst von Canterville“ in der Glückauf-Halle.

. Früher war alles besser. Davon kann Sir Simon de Canterville ein Lied singen, was er im Übrigen bei dieser Aufführung auch immer wieder, orchestral und chorisch eindrucksvoll begleitet, tat. Im Jahre 1575 erdolchte er seine langweilige Gemahlin, Lady Eleanore de Canterville, und trieb als Schlossgespenst Jahrhunderte lang mit makabren Scherzen Leichtgläubige wahlweise in den Selbstmord oder den Wahnsinn. Als die Familie des amerikanischen Gesandten Hiram B. Otis in das altehrwürdige Gemäuer - trotz Platznot mit einem stimmigen Bühnenbild und "echtem" Kaminfeuer atmosphärisch vermittelt - einzieht, ist Schluss mit lustig. Statt sich vor seinen nächtlichen Gruseleinlagen gehörig zu fürchten, meckern die Amis nur über die Ruhestörung und empfehlen dem armen Gespenst, seine rasselnden Ketten einzufetten und ein Schlafmittel zu nehmen. Der ewige Fleck mit Eleanores Blut wird verbissen geschrubbt und erscheint doch jeden Morgen neu.

"Die bringen mich noch zum Weißkraut mit ihrem Sauberkeitsfimmel", ärgerte sich Ceren Demirok alias Sir Simon und stutzte, als unten im voll besetzten Saal die Lacher einsetzten. Ach herrje: "Zur Weißglut meine ich." Sieben Monate quasi Versprecher-frei geprobt - und dann patzt man ausgerechnet in der Premiere. Doch die türkischstämmige Schülerin meisterte die Situation so souverän, wie sie die textlastige Hauptrolle mit viel Esprit und Charme ausfüllte. Überhaupt merkte man dem Ensemble dieser Gemeinschaftsproduktion der Albert-Schweitzer-Schule mit dem Blasorchester der evangelischen Kirchengemeinde Elversberg seine Freude am Spiel und Singen an. 130 Schüler waren als Sänger, Tänzer und Schauspieler an dem Mammutprojekt beteiligt, gruselig geschminkt von den Spieser Feierhexen. Die Kinder und Musiker wurden mit einem Riesenapplaus belohnt und stimmten am Schluss noch mal sämtliche Hits an, von denen das gefühlvolle Solo René Federspiels in der Rolle der Virginia Otis besonders hervorzuheben ist.

In den letzten Tagen vor der Aufführung herrschte eine Art Ausnahmezustand in der Schule, hatte Schulleiter Volker Burkhard bei seiner Begrüßung verraten. Dass da der reguläre Unterrichtsstoff auch mal zu kurz komme, liege auf der Hand. "So ein Musical ist keine Zeitverschwendung, sondern ein Riesengewinn für die Schüler ", betonte Burkhard. Fördere es doch nicht nur Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Musik, sondern wirke sich auch positiv auf Persönlichkeitsentwicklung und Schulklima aus. Vor allem für Kinder aus Familien mit wenig Bezug zu Kultur stelle das Projekt eine Riesenchance dar, "auf die Bühne zu kommen und solch eine Leistung zu erbringen", erklärte Daniela Freyer, bei der alle Fäden zusammenliefen. Die Musiklehrerin dirigierte auch das Orchester, mit dem die Schule seit drei Jahren kooperiert. Nächster gemeinsamer Auftritt ist für den 2. Juli geplant: "Dann veranstalten wir ein großes gemeinsames Konzert mit unserem Chor" - ohne Spukeinlagen.