| 19:07 Uhr

Ein Hauch „Hollywood für Arme“

Gerhard Bungert (2.v.r.) und Schorsch Seitz (2.v.l.) drückten ihre Hände in den Gips von Maestro Antonio La Gaipa (r.). Mit im Bild: Bürgermeister Reiner Pirrung. Foto: Willi Hiegel
Gerhard Bungert (2.v.r.) und Schorsch Seitz (2.v.l.) drückten ihre Hände in den Gips von Maestro Antonio La Gaipa (r.). Mit im Bild: Bürgermeister Reiner Pirrung. Foto: Willi Hiegel FOTO: Willi Hiegel
Elversberg. Mit ihren Handabdrücken in Gips verewigten sich Schorsch Seitz und Gerhard Bungert als erste in der „Hall of Fame“ in der Glückauf-Halle. Als Laudatoren sorgten Jürgen Albers und Ewald Blum für Glanz. Anja Kernig

"Standing in the hall of fame and the world's gonna know your name", singt die irische Band The Script, was so viel bedeutet wie: "In der Halle des Ruhms stehen und die Welt wird deinen Namen kennen". Bevor es richtig los ging im kleinen Saal der Glückauf-Halle, lief der Hit in Endlosschleife - als Untermalung zum Küsschen geben, Händeschütteln und erste Cocktails ordern.


Für Politiker, Sportler und Künstler dürfte besagter Platz in der Ruhmeshalle ein oder vielleicht sogar das Lebensziel schlecht hin sein. Gerhard Bungert und Schorsch Seitz können das jetzt abhaken. In der neu kreierten Spiesen-Elversberger "Hall of Fame" sind sie die ersten, die ihre Hände in Gips tauchen und den Abdruck anschließend signieren durften. Doch bevor es so weit war, nahm man neben Bürgermeister Reiner Pirrung und Moderator Eberhard Schilling auf der Bühne hinter einem schwarz betuchten Tisch Platz. Was dem Ganzen "das Flair einer Vorstandssitzung" verlieh, witzelte Schilling, der dann aber gnädig auf "die Wahl eines Alterspräsidenten" verzichtete.

Erster Laudator war Radiomoderator Jürgen Albers. Als Mundart-Kabarettist sonst gern kritisch unterwegs, lobte er auf Empfehlung seines Therapeuten Bungert auf Teufel komm raus. Nicht ohne Grund: Dem gebürtigen Spieser, "Meister der Natursteinmauer" und Bestsellerautor, habe er als einst arbeitsloser Lehrer quasi seine Stelle beim SR zu verdanken. Eines der größten Verdienste Bungerts sei neben der Schaffung einer saarländischen Dependance in Südfrankreich ("Das Örtchen hat 16 Einwohner, sechs davon sitzen hier im Saal"), dass er den "Trend zum Zweitbuch" hierzulande eingeleitet habe. Wer also, wenn nicht Bungert, hätte einen Heiligenschein aus Lyoner verdient.



Für den Autor selbst kam die von Pirrung initiierte Ehrung durchaus aus heiterem Himmel. Sein erster Gedanke sei gewesen, "das gibt Hollywood für Arme", erzählte Gerhard Bungert . Tatsächlich findet er es aber "klasse", solch eine Würdigung zu Lebzeiten zu erfahren "und nicht erst, wenn man tot ist".

Leider absagen musste die Quotenfrau des Abends, Elfriede Grimmelwiedisch, die sich jedoch von ihrem Alter Ego Ewald Blum vollwertig vertreten ließ. Der brachte ein Glas Wein mit ans Rednerpult: "Ich kann auch ohne Alkohol lustig sein, aber heute Abend geh ich kein Risiko ein." Für ihn haftet dem "Hall of Fame"-Projekt des "Schlitzohres" Pirrung etwas "Broadway von Kaltnaggisch"-Haftes an. Egal, prinzipiell sei ja nichts Verkehrtes dran, Kulturschaffende wie Bungert oder Seitz mal ein bisschen zu "heemeln". Wobei es der Mann mit dem Hut und der roten Jacke auch so was von verdient habe. Schritt für Schritt ließ Blum die Stationen der Seitz-Biographie Revue passieren. Wie Schorsch als Junge seine Gitarre ans Röhrenradio der Eltern angeschlossen habe, später als Kunsterzieher am Illinger Illtal-Gymnasium arbeitete, um dann endgültig seine Berufung als Kabarettist, Musiker, Schauspieler und Autor zu finden. Seitz sei der geborene Saarland-Botschafter, da in größtem Maße "identitätsstiftend". Was jener anschließend mit Gitarre, Mundharmonika und "Gespräch" unter Beweis stellte.

Dann hatte der örtliche Stuckateurmeister Antonio La Gaipa auch schon den Gips angerührt. Beherzt die Hände rein, andrücken, fertig. "Bei Schorsch könnte das auch ein Yeti gewesen sein", kommentierte Pirrung in seiner Funktion als "amtlicher Notar" die entstandenen Abrücke. Unter Glas werden sie in Kürze ausgestellt - und geduldig auf Zuwachs warten.

Zum Thema:

Hintergrund Thema waren auch die Hörspiele "Lyoner I antwortet nicht" und "Lyoner II kennt keine Grenzen" aus der Feder von Gerhard Bungert und Schorsch Seitz . Ausgestrahlt in den 1980er Jahren, erzählen sie die Geschichte des Elversberger Grubenschlossers Ernst Backes, der in Einöd ein Getreidesilo entdeckt. "Das gebbd e Rakeet", meint Gerd Dudenhöffer alias Backes. Mit den Schwiegereltern an Bord startet die Rakete von "Cap Ensheim" ins All. Stimmlich mit dabei sind Bernd Stenger, Gerdi Weißenbach und Peter Maronde. Regie führte Manfred Sexauer . Ein Wiederhören gibt es ab 6. Mai freitags in der Sendung "Bei uns dehemm" auf SR 3 Saarlandwelle. nig