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Jens Schumacher
Ein Exot und preisgekrönter Autor

Lesen kann man nie genug: Jens Schumacher vor einem seiner gut gefüllten Bücherregale.
Lesen kann man nie genug: Jens Schumacher vor einem seiner gut gefüllten Bücherregale. FOTO: tok
Spiesen-Elversberg. Jens Schumacher aus Spiesen wurde zum Saarländischen Kinder- und Jugendbuchpreisträger 2017 gewählt. Von Anja Kernig

„Egal wo ich hin gehe, ich bin immer der Exot.“ Da kann man Jens Schumacher unmöglich widersprechen. Mit seiner äußeren Erscheinung – Cowboystiefel, Pferdeschwanz, Silberschmuck, schwarze Kleidung – wirkt er ein wenig, wie aus einem seiner eigenen Fantasy-Romane entstiegen. Selbst sein Haus in der gediegenen Spieser Eigenheimsiedlung Butterberg ist origineller als die meisten anderen. Was man aber erst bei einem Rundgang durch die seltsam verschachtelten Ebenen („ich bin Fan von großen Räumen mit absurden Winkeln“) realisiert.


„Ich habe über zwei Jahre gesucht“, erzählt der Autor, der vormals in seiner Heimatstadt Mainz lebte und froh ist, den Lärm der Innenstadt hinter sich gelassen zu haben. Und manch anderes gleich mit: So richtig wohl hat er sich nie gefühlt, wenn er nach arbeitsreichen Wochen mal erst mittags aufgestanden ist und es sich dann auf dem Balkon gemütlich machen wollte. „Hier sitze ich häufiger auf der Terrasse als in Mainz.“

Überhaupt sei das Lebensgefühl im Saarland ein ganz anders. Schumacher freut sich über die „sehr angenehmen Nachbarn“, die „Ruhe und Abgeschiedenheit“ und sogar im Service unterscheidet man sich an der Saar vom Rest der Republik. Bestes Beispiel sei Silvester, wo er dummerweise „zehn Minuten nach Mitternacht die Haustür zugezogen“ hat. Nach einer Stunde öffnete sie ihm ein junger Mann vom Schlüsseldienst, ohne Gewalt, für 100 Euro: „Eine faire Rechnung“, anderswo undenkbar. „Das nimmt mich immer noch wunder.“

Die Anfahrtswege zu Lesungen und Buchmessen fallen nun natürlich deutlich länger aus. Und wenn schon, meint der Autor: „Ich lebe gern hier.“ Zumal die Wertschätzung stimmt. Erst vor kurzem bekam er von Kultusminister Commerçon persönlich den 2500 Euro „schweren“ Kinder- und Jugendpreis des Saarlandes in die Hand gedrückt. Der 15-köpfigen Schüler-Jury imponierte „Morlo – voll auf Steinzeit“, Schumachers verrückte Zeitreise. Daheim in Rheinland-Pfalz hatte er all die Jahre „nie irgendwas erhalten“.

Sind ihm Auszeichnungen so wichtig? „Wenn sie mit Dotierungen einher gehen, schon“, gibt der 43-Jährige unumwunden zu. „Klar freu ich mich, wenn jemand sagt, doll gemacht.“ Aber dazu braucht es keinen der im Internet von Hinz und Kunz verliehenen „Hinten-Linksrum-Krimi-Fantasy-Autorenpreis mit Urkunde zum selber ausdrucken“. Seit 22 Jahren ist er schon als Freiberufler im Geschäft. Anfangs schrieb er quasi alles für Geld, sogar eine Vampir-Lesben-Serie. „Die fruchtige Frische“ dieser Zeit sei ihm abhanden gekommen, dieses „unverbraucht sorglos drauf los schreiben“, bedauert Schumacher. Dafür kann er als einer von wenigen in Deutschland vom Schreiben leben. Bis heute verfasste er über 60 Buchtitel unterschiedlichen Genres, darunter Fantasy-Romane, Krimis, interaktive Spiel- und Sachbücher sowie Jugendserien. „Meine Werke wurden in über ein Dutzend Sprachen übersetzt. Ich marschiere stramm auf die Zwei-Millionen-Auflage zu.“



Als Künstler sieht sich der Autor eigentlich nicht. Schreiben ist für ihn in erster Linie Handwerk, fußend auf „viel Disziplin und viel Kompetenz“. Aber: „Ich muss lesen, während ich schreibe, sonst kann ich nicht schreiben.“ Gerade ackert er den neuen Dan-Brown-Thriller durch. Würde man Schumacher knallhart vor die Wahl stellen: schreiben oder lesen, bräuchte er keine Bedenkzeit: „Ich bin primär Leser.“ Gern erinnert er sich an frühere Sommerurlaube, wo er stets einen Wäschekorb voll Bücher mit nach Südfrankreich nahm: „Da habe ich 5000 bis 6000 Seiten in vier Wochen weggelesen. Herrlich.“

Doch das war einmal, so lange frei nehmen ist definitiv nicht mehr drin. Trotzdem wirkt der Autor sattsam zufrieden. Angekommen. Bei ihm läuft’s gut, aktuell scheibt er an einer Kinder-Serie für den Löwe-Verlag. Lesereisen („sehr oft werde ich im Saarland angefragt“) und von ihm geleitete Schreibwerkstätten bringen Abwechslung in den drögen Schreibtischalltag. Und auch privat hat er sein Glück gefunden: „Viel mehr kann man sich nicht wünschen.“

Sie waren dabei (von links): Klaus Damde (stellv. Schulleiter THG), Preisträger Jens Schumacher, Annika Guilpain, Giulia Cordier, Maya Hackspiel und Armin Scheer (Deutschlehrer THG).
Sie waren dabei (von links): Klaus Damde (stellv. Schulleiter THG), Preisträger Jens Schumacher, Annika Guilpain, Giulia Cordier, Maya Hackspiel und Armin Scheer (Deutschlehrer THG). FOTO: Patric Cordier