„Die Schwester kommt“

Allgemeinmediziner Frank Klein hat seine Helferin Melanie Schubert in die Qualifizierungsoffensive geschickt. Sie übernimmt Hausbesuche, für die ihr Chef zunehmend keine Zeit mehr hat. Ein Zukunftsmodell.

Sie soll die Zeit für Hausbesuche bei Patienten aufbringen, die ihr Chef zunehmend nicht mehr hat. Deshalb lässt Frank Klein, Facharzt für Allgemeinmedizin in Spiesen , seine Mitarbeiterin Melanie Schubert derzeit weiterbilden. Noch im Mai wird die medizinische Fachangestellte (früher hieß das Arzthelferin) sich "Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis" (VERAH) nennen können. Als eine der ersten im Land.

Was sperrig klingen mag, ist eine Antwort auf das herausfordernde Szenario von immer mehr älteren Menschen, immer weniger Hausärzten, drohender Unterversorgung. "Diese Qualifizierung hilft, die Versorgung alter Menschen, chronisch kranker und auch behinderter Menschen zu sichern. Sie bedeutet für den Hausarzt eine Entlastung", sagt Frank Klein.

So kann Melanie Schubert zum Beispiel Demenz-Tests machen. Sie achtet darauf, ob der Patient isst und trinkt, kontrolliert die Tabletteneinnahme. Sie hat im Auge, ob der Patient auch sozial versorgt ist, jemand nach ihm schaut. Sie nimmt wahr, wenn vielleicht weitere Hilfen auf den Weg zu bringen sind, vermittelt die Kontakte. Melanie Schubert weiß zu entscheiden, wann der Arzt hinzukommen sollte - etwa bei Luftnot, massivem Schmerz, unklarem Fieber. Chef und Mitarbeiterin werden zum Team. Klein: "Wir setzen uns zusammen, diskutieren den Fall, machen einen Plan für den Patienten ."

Frank Klein war überzeugt, dass Melanie Schubert für ihre neue Aufgabe geeignet ist: "Sie kann mit den Patienten reden, zeigt Geduld, kann Händchen halten." Seit zwei Jahren arbeitet die 35-Jährige aus Landsweiler-Reden in der Spieser Praxis, hat insgesamt 16 Jahre Berufserfahrung. "Mich hat die Aufgabe interessiert, weil ich so näheren und persönlicheren Kontakt mit den Patienten haben kann als in der Praxis", sagt die verheiratete Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Seit Februar besucht Melanie Schubert ihren Qualifizierungskurs. Zu den neun Modulen gehört zum Beispiel Präventions- oder auch Besuchs- und Notfallmanagement. Thema ihrer Abschlussarbeit ist eine Fallbeschreibung "Patient aus eigener Praxis". Denn unterwegs zu Hausbesuchen ist sie schon während ihrer Qualifizierung. Noch eine mündliche Prüfung, dann gibt es das Zertifikat und auch ein bisschen mehr Geld im Monat.

Die Ärztekammer wird das VERAH-Zertifikat zudem noch umschreiben zur "Nichtärztlichen Praxisassistentin" (NäPa). Denn Bundesärztekammer und Hausärzteverband haben jüngst beschlossen, ihre Fortbildungen wechselseitig anzuerkennen, um so die Einheitlichkeit und Qualität der Versorgung in der Arzt-Praxis zu fördern.

Ob sie sich nun offiziell "VERAH" oder "NäPa" nennt, ist ihren Patienten egal, wenn es klingelt: "Die Schwester kommt", hört Melanie Schubert.

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