Die kleine Elster Erna macht in Spiesen-Elversberg viel Freude

Kostenpflichtiger Inhalt: Ehepaar päppelt Vogel auf : Eine kleine Elster ist ein Star in Spiesen-Elversberg

Der kleine Rabenvogel wäre beinahe gestorben. Dann haben sich Lesley und Kerstin Jung des Tieres angenommen.

Einen ganz besonderen Nachbarn erleben seit Monaten die Menschen im so genannten Oberdorf in Spiesen. SZ-Leser Paul Leo Kollmann hat der SZ davon erzählt. „Die Bürger hier machen derzeit eine außergewöhnliche Erfahrung mit der Natur“, so hat er der Redaktion geschrieben.

Ganz besonders dicke mit dem Nachbarn, der genau genommen eine Nachbarin ist, sind die Familien Jakoby und Jung. Letztere haben eine ganz besondere Beziehung zu der kleinen Bewohnerin. Die hört mittlerweile auf den Namen Erna und ist ein Vogel, eine Elster, um genau zu sein.

Im Spieser Oberdorf haben die Menschen gerne einen Vogel, zumindest wenn er Erna heißt und die hier aufgezogene Elster ist. Neugierig beäugt Erna auf dem Foto, was Helmut Jakoby treibt, Hedi Jakoby fotografiert. Foto: Paul Leo Kollmann

Der Start ins Leben war für die kleine Erna denkbar schlecht, so erinnern sich die Oberdörfler. „Ein Mann aus Neunkirchen hatte sie gefunden und wusste nicht, wie er diesem armen und kranken Geschöpf helfen kann. Die Wildvogelauffangstation in Püttlingen hatte Aufnahmestopp und keiner wollte sich des Vogelbabys annehmen“, erzählt Kollmann. Obwohl Rabenvögel nicht einzeln großgezogen werden sollen, wollten Kerstin und Lesley Jung das nicht einfach so hinnehmen.

Der Vogel sollte eine Chance bekommen. Erna hatte schlimmen Durchfall, Lausfliegen und war extrem untergewichtig. Selbst der Tierarzt gab ihr keine besonders großen Überlebenschancen. Aber Erna hat es geschafft. Doch dann, kaum drei Wochen in Freiheit, kam der nächste Schlag für den Vogel. Sie wurde von einem Marder angegriffen. Hiervon hatte sie eine Verletzung am Flügel. Eine weitere Woche Pflege war notwendig.

Mittlerweile sind die Sorgen längst vergessen. Erna gehört zum Oberdorf. Durch die intensive Pflege hat sie die Scheu vor den Menschen verloren. Und Kollmann glaubt: „Im Oberdorf in Spiesen ist das Tier wohl schon bekannter als der neugewählte Bürgermeister.“ Die Elster sei neugierig, spontan und offenbar sehr anhänglich.

„Da viele Kinder mit ihr spielen, begleitet sie ihre Freunde in die Schule und war bereits der Star auf einem Kindergeburtstag“, so heißt es. Auf ihren Ausflügen besucht sie auch Erwachsene und liebt es, sich auf deren Schultern auszuruhen. So ist sie dann am Abend fit. Als es noch warm war, war sie gern gesehener Gast auf Gartenpartys. Zum Schlafen kehrt sie immer heim auf ihr Plätzchen im Wohnzimmer ihrer Zieheltern.

Manchmal will sie der aufwachenden Hauskatze die Futterschale vor Augen und Nase entwenden, ärgert die Hunde der Nachbarschaft und dazwischen ist sie den Raben bei der Futtersuche behilflich. Aber für Erna besteht das Leben nicht nur aus Schabernack und Spaß. Sie hat auch einen Job: Morgens macht sie den Weckdienst, klopft an die Rollläden ihrer Bekannten.

Was ihr noch nicht gelungen ist: Mal im Auto mitzufahren. Aber die Kunden im Geschäft ihrer Ziehmutter kennen sie bestens, begleitet sie sie doch gerne. Ein bisschen haben die Zieheltern natürlich auch Sorge um ihr gefiedertes Ziehkind, so, wie das für Eltern eben normal ist. Schließlich sei die verlorene Scheu vor dem Menschen vielleicht nicht die beste Voraussetzung für einen Wildvogel. „Aber Erna ist nun bereits seit über vier Monaten frei und kommt sehr gut klar“, so trösten sie sich.

Mittlerweile fliege Erna oft mit anderen Elstern um die Häuser und besuche ihre menschlichen Freunde nicht mehr ganz so oft. Und da Eltern immer nur das Beste für ihre Kinder wollen, hoffen auch Kerstin und Lesley Jung, dass Erna nun im Herbst vielleicht einen Partner fürs Leben finden wird und somit ein glückliches und artgerechtes Leben führen kann.