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Die Galerie Farbtupfer in Spiesen-Elversberg

Galerie Farbtupfer : Ein Raum für Inklusion durch Kunst

In der Galerie Farbtupfer in der Ortsmitte von Spiesen präsentiert die Lebenshilfe Neunkirchen nicht nur Werke von Menschen mit Beeinträchtigungen.

Gedanken und Gefühle auf kreative Art festzuhalten und sich so anderen mitzuteilen, das gilt als uraltes menschliches Grundbedürfnis. Bilder ermöglichen auch Menschen mit Beeinträchtigung, ihre Empfindungen auszudrücken und sich anderen mitzuteilen. Kunst dient immer auch der Verständigung und baut Brücken zwischen den Menschen. Dem Betrachter öffnen die Werke ein Fenster zu der Lebens- und Gedankenwelt der Kunstschaffenden. Da kreatives Gestalten nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern die gesamte Persönlichkeit fördert, spielt Kunst bei der Lebenshilfe Kreisvereinigung Neunkirchen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle. Um die Bilder, die die Künstlerinnen und Künstler in verschiedenen Malgruppen und auch in den beiden Förderschulen der Lebenshilfewerk im Kreis Neunkirchen gGmbH geschaffen haben, der Öffentlichkeit präsentieren zu können, wurde 2009 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Norbert Puhl die Galerie Farbtupfer in der Ortsmitte von Spiesen gegründet. Hier werden in wechselnden Ausstellungen zu verschiedenen Themen die Werke der Lebenshilfekünstler und –künstlerinnen präsentiert.

„Die Galerie dient nicht nur als Ausstellungsraum, sondern auch als Atelier“, informiert Julia Günnewig, die Leiterin der Galerie. Hier treffen sich die Lebenshilfekünstler regelmäßig, um unter fachkundiger Anleitung ihre Gedanken und Empfindungen zu Papier zu bringen. In fröhlicher Gemeinschaft werden in insgesamt sieben Gruppen die kreativen Fähigkeiten der Künstlerinnen und Künstler gefördert. Bevor die Menschen solche Bilder schaffen können, wie sie jetzt in der Galerie Farbtupfer zu sehen sind, ist eine jahrelange Förderung nötig, die schon in den beiden Förderschulen der Lebenshilfewerk im Kreis Neunkirchen gGmbH, der Rothenbergschule in Eppelborn-Dirmingen und der Eric Carle-Schule in Ottweiler-Mainzweiler, beginnt. Viele der Künstler haben mittlerweile ihren ganz eigenen Stil gefunden.

„Wir freuen uns sehr, dass wir für die Leitung der Malgruppen qualifizierte Fachfrauen gewinnen konnten“, unterstreicht die zuständige Ressortleiterin Sonja Alt. Von montags bis freitags treffen sich jeden Abend Künstlerinnen und Künstler in der Galerie Farbtupfer, die von Margit Bauer, Jana Lepple und Sylvia Hoffmann in den unterschiedlichsten Techniken unterrichtet werden. So malen die Teilnehmer der Gruppen beispielsweise mit Acryl auf Leinwand oder mit Pastellkreide. Es ist angedacht, künftig auch mit Ton zu arbeiten. Die Kunstpädagogin und Künstlerin Margit Bauer leitet seit der Gründung der Galerie mehrere Malgruppen. Relativ neu im Team sind Jana Lepple, die an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert hat, sowie Sylvia Hoffmann, die ihre eigenen Bilder schon bei mehreren Ausstellungen präsentiert und in der Vergangenheit auch schon Malkurse gegeben hat.

Wer reinschauen oder mitmalen möchte, ist nach telefonischer Voranmeldung zu den Kursen in der Galerie Farbtupfer mittwochs und freitags herzlich willkommen. Es wird ein kleiner Beitrag erhoben. „Wir möchten die Galerie nach innen und außen öffnen“, unterstreicht Julia Günnewig. So sind Besucher nicht nur als Gäste bei den Ausstellungen gern gesehen. Regelmäßig bietet die Lebenshilfe-Einrichtung auch nicht behinderten Künstlern Gelegenheit, ihre Werke mit einer Ausstellung in der Galerie Farbtupfer zu präsentieren. So wird laut Julia Günnewig im Herbst Walter Schade aus Ottweiler in der Galerie Farbtupfer ausstellen. Die Lebenshilfekünstler selbst haben ihre Werke schon bei zahlreichen Ausstellungen im gesamten Saarland und den angrenzenden Gebieten präsentiert, waren beispielsweise auch schon in der Galerie Elitzer in Saarbrücken oder in der Villa Borg in Perl zu Gast. Die Bilder der Lebenshilfekünstler kann man nicht nur kaufen, sondern auch mieten.

Zum zehnjährigen Jubiläum hat sich das Team der Galerie Farbtupfer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Gemäß dem Lebenshilfe-Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“ stehen im Kunstkalender 2020, den die Lebenshilfe Neunkirchen seit vielen Jahren mit Unterstützung der Sparkasse Neunkirchen herausgibt, nicht nur die Bilder, sondern die Künstlerinnen und Künstler mit ihren Wünschen und Träumen im Mittelpunkt. Die Idee zu diesem Projekt, das der Fotograf Patrick Neu gekonnt in Szene setzte, hatte Malgruppenleiterin Margit Bauer. Einmal so stark wie Pippi Langstrumpf sein, als Astronaut ins Weltall fliegen oder als gefeierter Rockstar auf der Bühne stehen – unter dem Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“ gewähren Menschen aus den verschiedenen Lebenshilfe-Einrichtungen im Landkreis Neunkirchen einen Einblick in ihre Sehnsüchte. Mit großer Empathie und viel Liebe zum Detail hat der Fotograf Patrick Neu zauberhafte Momente eingefangen. Auf die fröhlichen Bilder der Lebenshilfekünstler müssen die Freunde des Kunstkalenders auch in diesem Jahr nicht verzichten, sie sind auf der Rückseite der Fotos zu sehen. Die Wanderausstellung „Atelier der Träume“ zeigt die Kalenderbilder, demnächst unter anderem im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und im Rathaus Schiffweiler.

„Gerade im Bereich Kunst gibt es viele Möglichkeiten für inklusive Projekte“, freut sich die zuständige Ressortleiterin Sonja Alt, die künftig noch enger mit der Volkshochschule Neunkirchen zusammenarbeiten möchte. So konnten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in der Galerie Farbtupfer bereits bei verschiedenen Inklusionskursen ihre Kreativität unter Beweis stellen.

Die Galerie Farbtupfer in Spiesen-Elversberg, Hauptstraße 133, hat montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Samstags sind Besucher nach vorheriger Absprache willkommen. Der Eintritt ist frei. Auf Wunsch nimmt sich Einrichtungsleiterin Julia Günnewig auch gerne Zeit, um die einzelnen Werke zu erläutern. Anmeldungen und nähere Informationen unter Telefon (0 68 21) 7 49 67 77 oder per Mail j.guennewig@lebenshilfe-nk.de .

Hauke Wamprecht zeigt Julia Günnewig das Foto aus dem Kunstkalender 2020, das ihn als Fotograf zeigt. Foto: Lebenshilfe Neunkirchen/Christine Schäfer
In der Galerie Farbtupfer: Lebenshilfe-Ressortleiterin Sonja Alt (links) und Einrichtungsleiterin Julia Günnewig. Foto: Lebenshilfe Neunkirchen/Christine Schäfer
Für den Kunstkalender 2020 der Lebenshilfe Kreisvereinigung Neunkirchen fotografierte Patrick Neu die Lebenshilfe-Künstlerin Anna Rosa Kampen als Pippi Langstrumpf. Foto: Lebenshilfe Neunkirchen/Patrick Neu
Das Bild „Schönheit“ des Lebenshilfe-Künstlers Klaus Mietzsch. Foto: Lebenshilfe Neunkirchen/K-SPANG
„Wer die Wahl hat, hat die Qual“ hat Lebenshilfe-Künstler Uwe Steffen sein Bild genannt. Foto: Lebenshilfe Neunkirchen/K-SPANG

Alle Serienteile finden sich im Netz: www.saarbruecker-zeitung.de/museen-im-saarland