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Hilfsaktion
„Es gibt immer einen Weg nach oben“

 Mit Doreen (in hellblauer Jacke) und ihren Eltern Nadine und Ernst May (rechts neben ihr) freuen sich (von links) Michael Hoffmann (Löschbezirksführer), Alicia Dörr (Jugendgruppensprecherin), Christian Zeyer (Gemeindejugendbeauftragter), Knut Karch (Wehrführer) Martin Schepp (Jugendbeauftragter) und Ralf Börner (Jugendbeauftragter) über die gelungene Aktion.
Mit Doreen (in hellblauer Jacke) und ihren Eltern Nadine und Ernst May (rechts neben ihr) freuen sich (von links) Michael Hoffmann (Löschbezirksführer), Alicia Dörr (Jugendgruppensprecherin), Christian Zeyer (Gemeindejugendbeauftragter), Knut Karch (Wehrführer) Martin Schepp (Jugendbeauftragter) und Ralf Börner (Jugendbeauftragter) über die gelungene Aktion. FOTO: Mathias Geid
Spiesen-Elversberg. Weil die Krankenkasse die Kosten für einen Behandlung der an Krebs erkrankten Schülerin Doreen nicht übernehmen wollte, ließen sich ihre Freunde von der Jugendfeuerwehr etwas einfallen, um sie zu unterstützen. Von Marc Prams

Darauf freut sich Doreen schon jetzt: Im Sommer macht sie ihren qualifizierten Hauptschulabschluss, danach will sie die Mittlere Reife absolvieren und Kinderkrankenschwester werden. „Aber besser nicht auf meiner Station“, sagt sie, „das wäre emotional wohl zuviel.“ „Ihre Station“, das ist die Station KK05 im Homburger Uniklinikum. Die Station, auf der Kinder behandelt werden, die an Krebs erkrankt sind. Dort hat Doreen schon viel Zeit verbringen müssen. Viel zu viel Zeit. Die 15-Jährige hat das Gorlin-Goltz-Syndrom, einen genetischen Defekt. „Vereinfacht lässt sich sagen, dass Doreens Körper immer wieder Krebszellen produziert“, erklärt ihr Vater Ernst May.


Erstmals tritt die heimtückische Krankheit in Erscheinung, als Doreen gerade mal elf Monate ist und bei ihr ein Hirntumor diagnostiziert wird. 2007 wird sie wegen eines Tumors im Kiefer behandelt. Es folgen Krebserkrankungen am rechten, später auch am linken Eierstock. Im Herbst des vergangenen Jahres werden erneut Tumore im Kiefer festgestellt. Und wieder stand für Doreen eine Behandlung an. Allerdings eine, die sie mit einem Ereignis verknüpft, das ihr auch heute noch Tränen der Freude in die Augen treibt. Obwohl es zunächst dafür keinerlei Anlass gab.

„Die Ärzte sind davon ausgegangen, vor der Operation im Kiefer noch Gewebe aus der Hüfte entnehmen zu müssen. Bei der Kiefer-OP sollten dann drei Schneidezähne entfernt werden“, erklärt Doreens Mutter Nadine. Es waren also zwei Operationen geplant, um die Tumore zu entfernen, und die Lücken im Kiefer mit Gewebe aus der Hüfte wieder zu füllen. Die Ärzte empfahlen dann eine 3-D-Aufnahme des Kiefers, um eine genauere Diagnose stellen und die OP besser vorbereiten zu können. Also erhielt die Familie May ein Schreiben der Ärzte, das diese mit der Bitte um Kostenübernahme an ihre Krankenkasse leitete. Aber die Kasse lehnte ab. Die notwendigen 450 Euro wurden nicht übernommen. Das sei keine Kassenleistung, hieß es. „Eine solche 3-D-Aufnahme bekomme man nur mit einer Zahnzusatzversicherung“, sagt Vater Ernst, der noch immer den Kopf über das Verhalten der Krankenkasse schütteln muss. „Aber wir wollten Doreen diese Aufnahme unbedingt ermöglichen, um ihr so viel wie möglich zu ersparen“, so Ernst May.



Und es gab noch andere Leute, die Doreen unterstützen wollten: ihre Freunde bei der Elversberger Jugendfeuerwehr. „Es war schon als  kleines Kind mein Wunsch, zur Feuerwehr zu gehen. Als ich dann acht war, habe ich meinen Vater überredet, mich dort mal hin zu fahren“, erzählt Doreen mit einem Leuchten in den Augen. Ihr Onkel, Mitglied der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, sei ihr Vorbild. Von ihm habe sie diese Leidenschaft wohl geerbt. Und mit eben dieser ist sie dort voll bei der Sache. „Doreen ist mit unglaublich viel Engagement dabei“, sagt Christian Zeyer, Gemeindejugendbeauftragter der Feuerwehr. „Als Doreen uns von dem Problem mit der Krankenkasse erzählt hat, wollten wir ihr natürlich helfen. Schließlich ist sie mit ihrer Krankheit schon genug gestraft. Also kam die Idee auf, die Kosten für unsere Weihnachtsfeier möglichst gering zu halten, und Doreen das restliche Geld zu spenden“, fügt Zeyer an. Gesagt, getan. Zudem wurde eine Spendenkasse aufgestellt, in die jeder etwas einwerfen konnte. Und das taten dann viele. Sehr viele. „Die Aktion sprach sich rum, und es gab Unterstützung von allen Seiten. Unsere Kollegen von der Feuerwehr Spiesen haben sich beteiligt, das THW kam vorbei und hat was in die Kasse getan, auch unser Bürgermeister schaute eines Abends vorbei, nur um etwas zu spenden“, erzählt der Jugendwart. So konnte Doreen und ihrer Familie ein Umschlag überreicht werden, in dem am Ende sogar noch mehr als die anvisierten 450 Euro steckten.

„Wir waren platt“, bringt es Vater Ernst auf den Punkt. Und Doreen kann sich eine Träne nicht verdrücken. „Ich war sprachlos. Mich hat noch nie jemand so vor Freude zum Weinen gebracht. Ich bin einfach stolz, dass ich hier bei der Feuerwehr bin und die Jungs und Mädels habe. Das ist wie eine Familie“, sagt Doreen, die trotz ihrer Krankheit den Mut nie verliert. „Natürlich gibt es Momente, in denen ich weine und Angst habe. Ich bin von meinen ganzen Krebs-Freundinnen die einzige, die noch lebt. Aber ich will anderen auch zeigen, dass ich lachen und Spaß haben kann. Denn egal was passiert, es gibt immer einen Weg nach oben.“

Und den gab es auch in diesem Fall. Denn wie sich dank der 3-D-Aufnahmen zeigte, konnte Doreen die Operation an der Hüfte erspart bleiben. Bei der Kiefer-OP wurden dann die drei Tumore entfernt, eine Chemotherapie war nicht notwendig. Nun hoffen alle, dass der Krebs so schnell nicht wieder auftaucht. Denn das Gorlin-Goltz-Syndrom ist nicht nur heimtückisch, es ist auch unheilbar.

Aber jetzt freut sich Doreen erst einmal auf ein spannendes Jahr mit ihren Freunden bei der Feuerwehr. Die Leistungsspange für den Eintritt

 

von der Jugendwehr in den Aktivendienst hat sie bereits mit Bravour gemeistert. „Ab September darf sie dann aufs Auto klettern“, sagt Christian Zeyer, „wenn sie will.“ Eine Frage, die sich erübrigt, wie an Doreens Blick deutlich zu erkennen ist. Denn schließlich gibt es für sie immer eine Weg nach oben. Ob hinauf aufs Feuerwehrauto oder zu anderen Zielen.