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Feuerwehr im Landkreis Neunkirchen
Dafür darf schon mal ein Spielzeugauto brennen

Die Jugendwehr aus Spiesen-Elversberg versammelt sich am Feuerwehrgerätehaus in Elversberg zum Gruppenbild.
Die Jugendwehr aus Spiesen-Elversberg versammelt sich am Feuerwehrgerätehaus in Elversberg zum Gruppenbild. FOTO: Andreas Engel
Spiesen-Elversberg. Zweite Station unserer Serie ist Spiesen-Elversberg: Feuerwehr bedeutet helfen. Aber auch Spaß haben und zusammenhalten. Von Claudia Emmerich

Die Sonne strahlt mit voller Kraft an diesem späten Juni-Nachmittag. 30 Grad, blauer Himmel, Windstille. Klar, da macht das spritzige Finale der Übungsstunde dem Feuerwehrnachwuchs so richtig Spaß, je jünger desto mehr: Wasser frei aus allen Rohren. Vor elf Jahren, als er selbst zu den Aktiven hochkam, da zählte die Jugendwehr in Elversberg 15 Köpfe, in Spiesen zwölf, erzählt am Rande des wuseligen Treibens vor der Wache Hüttenstraße Christian Zeyer, Gemeindejugendbeauftragter der Feuerwehr Spiesen-Elversberg. Heute freut sich die Jungendwehr über zusammen mehr als sechzig Jungen und Mädchen zwischen acht und 16 Jahren – starker Auftritt bei insgesamt 122 Aktiven (siehe „Info“).


Das funktioniert über Freundschaften

Das „Zusammen“ wählt Zeyer bewusst und selbstverständlich: „Es gibt den Löschbezirk Elversberg und den Löschbezirk Spiesen, aber wir sind eine Feuerwehr.“ Achtzig Prozent der Einsätze machten sie zusammen, so wachse auch der Nachwuchs rein: „Seit 2017 versuchen wir bei der Jugendwehr, mindestens eine Übung oder Freizeitveranstaltung im Monat mit beiden Löschbezirken zusammen zu machen.“ Die Jugendwehr funktioniere über Freundschaften, sagt Zeyer, da geht dann der Spieser nach Elversberg, weil dort die Kumpels sind, oder eben umgekehrt. Zeyer fungiert zugleich als Jugendwart in Elversberg, sein Partner in Spiesen ist Patrick Neis.



„Verdammt gut“ aufgestellt

„Verdammt gut“ seien sie also aufgestellt in der Gemeinde, sagt Zeyer mit Stolz und so sieht es die ganze Wehr bis hinauf zum Chef im Rathaus. Es heißt zwar Freiwillige Feuerwehr. Aber: „Die Gemeinden haben orientiert an der Bedarfs- und Entwicklungsplanung eine dem örtlichen Bedarf entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszustatten und zu unterhalten.“ So heißt es im Landesgesetz.

Werben in eigener Sache

Zeyer nennt Gründe für die guten Zahlen: Vor ein paar Jahren hätten sie angefangen, gezielt in die Nachwuchsarbeit zu investieren. Die Brandschutzerziehung mit den Schulen wurde ausgebaut. Die Verjüngung des Eintrittsalters von zehn auf acht Jahre spülte Neue rein. Die Jubiläen 50 Jahre Feuerwehr Elversberg 2010 und 50 Jahre Feuerwehr Spiesen 2017 ließen sich zum Werben in eigener Sache gut nutzen.

Alles sehr familiär

Aber natürlich wollen die, die reinschnuppern und wiederkommen, auch gehalten sein. Mit engagierten Betreuern, mit Spaß und Spiel neben dem Heranführen an die Wehr-Technik und an die große Aufgabe „retten, löschen, bergen und schützen“. „Wir gehen mal zusammen schwimmen, wir spielen mal Mini-Golf, wir unternehmen mehrtägige Freizeiten“, sagt Zeyer: „Und bei uns hier in Spiesen-Elversberg ist alles sehr familiär.“ Auch die ersten Schritte auf dem Weg zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau lassen sie die Kinder spielerisch gehen. „Da gibt es kleine Wettkämpfe im Hof.“ Und anschaulich. „Da wird schon mal ein Plastik-Lastwagen verbrannt, damit die Kinder sehen, was passiert, wenn es brennt.“ Und natürlich wolle ein Achtjähriger unbedingt auch mal mit dem Feuerwehrauto fahren: „Darf er, wir wollen die Kinder ja begeistern.“

24 Stunden auf der Wache

„Der Jugendfeuerwehrtag ist das Schönste“, sagen wie aus einem Mund Hanna und Tim Stein aus Spiesen: „Da verbringt man 24 Stunden auf der Wache und ist bei Einsätzen dabei.“ Seit sechs Jahren sind die sommersprossigen Zwillinge (13) Feuer und Flamme für die Wehr: „Ein Freund von Papa hat uns das vorgeschlagen.“ Die beiden sind zu einer Gruppenstunde hingegangen und bis heute Florianjünger (St. Florian – Schutzpatron der Feuerwehr) geblieben. „Wir durften gleich bei einem Löschangriff mitmachen und sogar das Rohr halten“, erzählen Hanna und Tim begeistert von ihren ersten Eindrücken. Wirkte offensichtlich nachhaltig.

„Da herrscht Gleichberechtigung“

Auch Alicia Dörr ist schon viele Jahre dabei. Sie fand den Weg über Freunde. Heute ist die 15-Jährige Jugendgruppensprecherin in Spiesen-Elversberg. Warum ist die Feuerwehr so toll für sie? „Da herrscht Gleichberechtigung, auch wenn da viel Technisches ist. Und das finde ich gut“, sagt Alicia. Da kämen keine dummen Bemerkungen Richtung Mädchen und Frauen. Und: „Bei uns in Spiesen-Elversberg gibt es einfach einen großen Zusammenhalt. Das ist einfach toll.“ < wird fortgesetzt