Campen im Zelt auf dem Dach

Ein Hingucker waren die zwei umgebauten Lkws allemal. Schon wegen der Farbe erinnerten sie an Safari-Busse. Mit ihnen sind 48 Schnitzeljäger/Geocacher unterwegs.

So etwas sieht man nicht alle Tage: Geländegängige Lkw, die zu Bussen umgebaut sind und auf deren Dächern Zelte stehen. Zwei solcher kuriosen Gefährte campierten Donnerstag- auf Freitagnacht am Galgenbergturm in Elversberg . Die Besatzung: 48 Geocacher, zu Deutsch GPS-Schnitzeljäger. Sie suchen anhand geographischer Koordinaten mit GPS-Geräten bestimmte Ziele. Das könnten beispielsweise verlassene Orte, Kulturdenkmäler oder besondere geologische Formationen sein, erklärt Sven Wunderlich aus Spiesen-Elversberg. Er und Sascha Schneider sind die Organisatoren der Truppe, die hier unterwegs ist: Saarländer, Pfälzer und ein paar Hessen. Und sie wollen nach St. Gallen, zu den Cacheland-Games, einer dreitägigen Geocaching-Veranstaltung, bei der es allerhand knifflige Aufgaben zu lösen gibt. "Auf dem Weg halten wir noch für einen Cache in Lichtenstein, damit wir das Land in unsere Statistik aufnehmen können", so Wunderlich.

Im Geocaching sind die meisten der Gruppe alte Hasen, Campen im Dachzeltbus hingegen ist eine neue Erfahrung. Und Edgar Bornholdt vom Unternehmen Daltus in Barmstedt in Schleswig-Holstein, das die Dachzeltbus-Reisen anbietet, ist zum ersten Mal ausschließlich mit Geocachern unterwegs. "Wir wollen diese Leute kennen lernen und austesten, ob Geocaching-Touren zu unseren Bussen passen."

Und wie war die erste Nacht in den Dachzelten? Alles wunderbar, keine Beschwerden. Natürlich sei das nichts für Leute, die sich im Urlaub Wasserbett und Frühstück am Bett wünschen, so Bornholdt. Aber zu denen zählen die Geocacher auch nicht. "Wir sind Outdoor-Leute. Das Gruppengefühl steht im Vordergrund", sagt Wunderlich. Die Verpflegung wird natürlich im Voraus geregelt, in Elversberg kam sie von den örtlichen Betrieben.

Drei Mann machen sich nach dem Frühstück daran, die Zelte abzuschlagen und unter den Planen zu verstauen, was nicht recht klappt: Durch ein paar liegen gelassene Utensilien haben die Zelte über Nacht an Volumen zugelegt. Während man noch scherzhaft streitet, ob die Saarländer oder die Pfälzer schuld sind, klappt es schließlich doch. Und alle sind voller Vorfreude auf die Weiterreise: Der Weg sei schon Teil des Ziels, sagen Annette und Jörg Sticher. "Wir wandern und spielen sehr gerne, und beim Geocaching können wir beides verbinden." Dass es in Strömen regnet, stört niemanden. "Geocaching ist kein Schönwetterhobby", sagt Thomas Schneider. Gerade bei schwierigeren Umständen seien die Erfolgserlebnisse besonders schön. Und dann setzten sich die Busse in Bewegung. Nächste Station: Vaduz.

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