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Bekanntschaft mit einem Nachwuchsteufel

Bekanntschaft mit einem Nachwuchsteufel

„Warum Sie meinem Namen wahrscheinlich noch nie begegnet sind“, war einer der Punkte, über die Jens Schumacher mit den Besuchern der Auftaktveranstaltung der Spiesen-Elversberger Tage der Literatur ins Gespräch kam. Der höchst unterhaltsamen Lesung hätte man ein paar junge Zuhörer gewünscht.

Na, das hatte doch was: Die nagelneuen Spiesen-Elversberger Literaturtage ausgerechnet mit einem "verfressenen Drecksack" zu eröffnen, wie ihn sein geistiger Vater Jens Schumacher gern nennt. Asmoduin heißt der kleine gehörnte Kerl mit dem langen Schanz und dem Schmerbauch, der so herrlich wüst schimpfen kann. "Magensaft und Eiterbeutel, bei dir sind wirklich Schwefel und Salz verloren, Schwabbel", gehört noch zu den gemäßigteren Ansprachen des Jungteufels.

Für seine Kinder-Lesung im Rathaus hatte sich Schumacher extra seine drei "Asmoduin"-Bände eingesteckt: "Da wird viel geflucht und es kommen viele Verdauungsendprodukte vor" - alles das also, was Heranwachsende männlichen Geschlechts glücklich macht. Dazu eine abgefahrene Story: Bob, ein 14-jähriger, Schokoriegel-süchtige Nerd, holt sich aus Versehen mit einer Dämonenmaske vom Flohmarkt einen Nachwuchsteufel an den Hals. Den wieder loszuwerden, ist ein gutes Stück Arbeit - und herrlich komisch.

Überhaupt wurde viel gelacht bei dieser atypischen Lesung, bei der eine handverlesene Gruppe Erwachsener um Bürgermeister Reiner Pirrung kurzerhand in die Rolle der eigentlich erwarteten minderjährigen Klientel schlüpfte. Wobei Schumacher Profi genug ist, auch aus so einer Situation das Beste zu machen. Gern plauderte der 42-jährige gebürtige Mainzer aus dem Nähkästchen eines Autors, der damit leben muss, dass ihn keiner kennt. Jens Schumacher wohnt zwar hier im Ort, "am Ende einer Sackgasse irgendwo im Saarland", wie es so schön auf seiner Homepage heißt, hat beim Bücherverkauf längst die Millionenmarke durchstoßen und gehört damit zu den vielleicht 200 Autoren in Deutschland, die von ihrer Arbeit leben können.

Aber man kann ihn nicht in eine Genre-Schublade stecken: Schumacher steht sowohl für Fantasy als auch Kriminalliteratur, er schreibt Sach- und Kinderbücher und verfasste Texte für die Kartenspiele der beliebten "Black Stories"-Serie. Dass er mit Asmoduin eine höchst unsympathische Figur erschaffen hat, hängt mit den Jugendbüchern seiner Kindheit zusammen: "Mit neun oder zehn waren mir Sams, Pumuckl & Co. alle viel zu brav", erzählte der Neu-Spieser. "Mit solchen Wunderkräften hätte ich doch die Weltherrschaft ergriffen und alle platt gemacht", statt langweilige Wünsche zu erfüllen. Mit dem kleinen wütenden Teufel, "der so richtig auf die Kacke haut", stellt Schumacher 30 Jahre verspätet das Gleichgewicht wieder her.

So vielseitig und fleißig er auch ist, auf eines werden die Fans des mit Pferdeschwanz und Spitzbärtchen der Fark-Szene entsprungen zu scheinenden Autors wohl vergeblich warten: Kitsch. "Ich schreibe keine Liebesgeschichten und nichts von Pferden." Ein Grund mehr für Pirrung und sein Team, Jens Schumacher noch mal einzuladen.