Beerdigungsdienst für Ehrenamtliche mit Teilnehmern aus Neunkirchen

Laien helfen bei Beerdigungen : Jetzt üben sie mit dem Pfarrer

Kurs-Abschluss „Beerdigungsdienst für Ehrenamtliche“ mit Teilnehmern aus dem Raum Neunkirchen, Saarbrücken, Saarlouis, St. Wendel und St. Ingbert. Nicht alle wollen sich in der Praxis ausprobieren.

Mit dem Baustein „Traueransprache halten“ endete jetzt die Schulung Ehrenamtlicher für den Begräbnisdienst im Rahmen eines Neunkircher Modellprojektes (siehe „Info“). Wer weiter machen will und darf, für den schließt sich eine dreimonatige Hospitation bis 30. September an. Hier werden die Frauen und Männer in Lernpatenschaften von Pfarrern, aber auch Diakonen, Gemeinde- oder Pastoralreferenten betreut. Die Laien-Praktikanten begleiten die Hauptamtlichen beim Beerdigen, übernehmen Aufgaben. Wer sich dann sicher fühlt, wem dieser sensible Dienst auch zugetraut wird, der soll noch in diesem Jahr die Beauftragung durch den Bischof erhalten. Gegebenenfalls kann die Zeit der Hospitation nochmal verlängert werden, wie Gemeindereferentin Claudia Busch (Wiebelskirchen) vom sechsköpfigen Projektteam weiter ausführt. Die Hausaufgabe für die letzte Zusammenkunft im Werkstatt-Kurs lautete: eine Trauerrede schreiben. Ihre Ansprache hielten die Teilnehmer nun im Pfarrsaal Elversberg. Sie erhielten Rückmeldung von der lernenden Gruppe und von den „professionellen Zuhörern“ aus dem Orgateam – an diesem Tag Dechant Olaf Harig, die Gemeindereferentinnen Claudia Busch und Anne Ziegler, Pastoralreferentin Sibylle Rhein. Einiges fällt unter allgemeingültige Rhetorik-Tipps, anderes leitet sich aus der speziellen Bestattungssituation ab.

Zwei Wochen hatten die sechs Frauen und drei Männer zwischen 46 und 68 Jahren Vorbereitungszeit. Alle sprachen von einer Herausforderung und von ihrer Unsicherheit: „Aber wir sind ja zum Üben da.“ Leitfragen im Auditorium nach den Vorträgen: Kann ich mir jetzt die Person vorstellen, von der da gerade Abschied genommen wurde? Hat mich die Abschiedsrede berührt? Von „Kopfkino“ bei Zuhörenden spricht Dechant Harig. Ruhe bewahren, mahnt Anne Ziegler. Da mag wie beim Übungsvortrag schon mal ein Handy klingeln in der Leichenhalle, Trauerhalle oder am Grab.

Das Modellprojekt sprengt mit seinen Teilnehmern die Dekanatsgrenzen. Schwappte aus dem Raum Neunkirchen hinein in den Raum Saarbrücken, Saarlouis, St. Wendel und St. Ingbert und mit St. Ingbert gar aus dem Bistum Trier hinein ins Bistum Speyer. Die Werkstatt-Teilnehmer: Beate Dohr (Rohrbach), Nicole Backes (Oberthal), Lioba Simon-Atzert (Furpach), Peter Sutter (Schiffweiler), Hermann-Josef Wagner (Überherrn) Manfred Lambert (Namborn), Dorothea Klesen (Eppelborn), Monika Schula (Landsweiler-Reden), Ursula Gluch (Heusweiler).

„Jede Beerdigung ist anders“, stellen die Profis fest und berichten aus ihrem Erfahrungsschatz. Da bleibt nur sensibel sein und flexibel werden. Ein gutes Verhältnis von christlicher Botschaft und Lebensgeschichte finden. Im Kondolenzgespräch raushören, was die Angehörigen wollen. Gemeinhin heißt es „Das war eine schöne Beerdigung“, wenn der Leitende aus Sicht der Hinterbliebenen die richtigen Worte fand. Eine schöne Beerdigung - „Das klappt mal mehr und mal weniger“, sagt Busch. „Man kann auch mal ins Fettnäpfchen treten“, ergänzt Rhein. „Man kann es nicht jedem Zuhörer recht machen“, weiß Harig. „Ihr seid keine Theologen und sollt auch nicht als solche auftreten“, sagt Ziegler. „Bringt euch ein. Seid authentisch.“

Am Ende des Kurses erhält jetzt jeder Teilnehmer ein Zertifikat. Nicht für alle wird es weitergehen. Einige sind bereits vor der Werkstatt ausgestiegen. Ausstieg nach selbstkritischem Wahrnehmen oder wegen zweifelndem Einschätzen durch die Projekt-Verantwortlichen. Geklärt in offen und ehrlich geführten Gesprächen, heißt es. Glaube, Handwerkszeug, Persönlichkeitsstruktur – ein Dreiklang. Mit der Hospitation kommt vielleicht noch einmal ein Zeitpunkt des Innehaltens und Überdenkens.

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