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Haus Lion
Auf Spurensuche der jüdischen Vorfahren in Spiesen

Familie Lion aus Stockholm  vor dem Haus Lion in Spiesen.
Familie Lion aus Stockholm vor dem Haus Lion in Spiesen. FOTO: Stephan Friedrich / Picasa
Spiesen. Nachfahren des Viehhändlers Theobald Lion waren zu Besuch. Familie Lion aus Stockholm erlebte bewegende Zeit.

Das traditionsreiche Haus Lion in der Ortsmitte von Spiesen und Sitz des Heimatmuseums erhielt kürzlich Besuch aus Stockholm. Einige Nachfahren von Theobald Lion, dessen Initialen mit der Jahreszahl 1836 den Türsturz zieren, besuchten das Haus ihrer Vorfahren. Der jüdische Viehhändler Theobald Lion hatte das Gebäude 1818 erworben und ihm später durch Erweiterung seine heutige Gestalt gegeben. Nach fast 100 Jahren in Familienbesitz wurde es 1909 an die Gemeinde verkauft, die es für verschiedene Zwecke nutzte.


Adolf Lion, ein Enkel Theobald Lions, wanderte in den 1870er-Jahren nach Schweden aus und folgte damit den Spuren seines Onkels Abraham Lion, der schon etliche Jahre vorher nach Stockholm gekommen war. Sie begründeten den schwedischen Zweig der Lions und ihre Nachfahren kamen zum ersten Mal in den Ort ihrer Vorfahren. Mathias Lion, seine Frau Magda Tekle, seine Eltern Peter Flink und Susanne Flink Lion sowie deren Schwester Anne-Catherine Lion waren sehr gespannt auf den Besuch und die Begegnung mit der Vergangenheit der Familie.

Da die Lions mit anderen jüdischen Familien der Umgebung verwandt sind, stand nicht nur Spiesen auf dem Besuchsprogramm. Donnerstags besuchten sie St. Ingbert und Illingen. Am Freitagmittag wurden sie von Bürgermeister Reiner Pirrung im Rathaus begrüßt und nach einem Gespräch machten sich die Gäste auf den Weg ins Museum.

Für die Lions bot die Begegnung mit der langen Geschichte Spiesens auch einen Einblick in das Leben ihrer Vorfahren. Vor allem die Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Familien in Spiesen interessierte sie und die Familienbilder lieferten viel Stoff für Gespräche. Die Ausstellung wird in Zukunft von weiteren Informationen aus Schweden bereichert werden.

Nach dem Museumsbesuch wurden die Gäste zunächst zum jüdischen Friedhof in Neunkirchen geführt, wo die Lions Gräber ihrer Vorfahren besuchten. Anschließend ging die Fahrt weiter über Eschweiler Hof und Kirkel nach Blieskastel zum jüdischen Friedhof auf dem Klosterberg. Auf den Gräbern ihrer Vorfahren legten sie Steine ab, was auf einen alten Brauch zurückgeht, der aus einer Zeit stammt, als die Gräber mit Steinhaufen gekennzeichnet wurden, um sie in der Wüste wiederzufinden.



Zum Abschied wurde in der Pilgerrast noch ein gutes Klosterbier getrunken. Nach den Worten der Familie war es für sie ein sehr bewegender Besuch in der Vergangenheit ihrer Vorfahren und sie bedankten sich herzlich bei allen, die zum Gelingen ihrer Spurensuche beigetragen haben. „Irgendwann werden wir mit etwas mehr Zeit nach Spiesen zurückkehren“, sagte Mathias Lion zum Abschluss.