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Pfadfinder Neunkirchen: Smalltalk mit Neuseeland

Pfadfinder Neunkirchen : Smalltalk mit Neuseeland

1,5 Millionen Pfadfinder beteiligten sich am Jota-Treffen – darunter sind auch 40 Neunkircher, die begeistert am Funkgerät übten.

Tristan wirkt etwas nervös. „Hotel – Bravo – Neun. Echo – India – Victor.“ Er stockt, dann spricht er weiter. Zwar haben sie dieses seltsame Nato-Alphabet bis zum Abwinken gepaukt. Aber das hier und jetzt ist das berühmte erste Mal. Noch nie hat der Elfjährige am Funkgerät gesessen und mittels elektromagnetischer Wellen im Radiofrequenzbereich nach einem Gesprächspartner gefischt. „Da lernt man Geduld“, grinst Stammesvorsitzender Martial Martin.

Gefunkt wird über zwei verschiedene Systeme: im UKW-Bereich über Antenne und mittels digitaler Anlage übers Internet. Letzteres wäre vor 60 Jahren undenkbar gewesen, als das JOTA (Jamboree On The Air)-Funker-Treffen der Pfadfinder aus der Taufe gehoben wurde. Anno 2017 dagegen wäre es natürlich ein Leichtes, rund um den Globus zu skypen. Martin schüttelt den Kopf: „Chatten können sie auch dehemm.“ Nein, im Piusheim wird gefunkt. Wobei sich der Enthusiasmus für diese, heutigen Generationen etwas antiquiert vorkommende Art der Kommunikation anfangs in Grenzen hält: „Die jungen Pfadis sind schnell hellauf begeistert. Bei den älteren heißt es dann schon mal: Muss ich das wirklich?“ Aber wenn dann am Funkgerät der erste Kontakt gelingt, „dann wollen die immer wieder ran“. Die weiteste Verbindung seit dem Start Freitagnachmittag war Neuseeland, ein Riesenerfolgserlebnis: „Die Kids sind direkt zehn Zentimeter gewachsen.“ Rund 30 Kontakte wurden bis jetzt schon realisiert, darunter Libanon und Kalifornien, alle akribisch in einem Buch festgehalten. „Wir haben sogar den Weltverband in Genf erwischt.“

Ohne das entsprechende technische Equipment, entsprechende Lizenzen und Fachwissen wären die Pfadfinder allerdings ziemlich aufgeschmissen. Weshalb sieben Mitglieder des Deutschen Amateur Radio Clubs, Ortsverband Neunkirchen (Q03) und OV Homburg-Bexbach (Q07), ihr Wochenende opfern. „Wir haben zwei Stunden für den Aufbau gebraucht“, erzählt Vize-Distriktvorsitzender Manfred Müller. Anders als vergangenes Jahr konnte man diesmal nicht aufs Dach rauf. Also Masten aufstellen, Leitungen von Baum zu Baum spannen – kein Problem, improvisieren gehört zu den Grundtugenden eines Funkers. Sehr exotisch sei dieses Hobby nicht, meint Müller. Insbesondere angehende oder gestandene Elektroingenieure haben ein Faible dafür. Mancher installiert sogar einen Empfänger im Auto fürs Funken to go auf dem Arbeitsweg.

Das mit den Kindern hier macht noch mal besonders viel Spaß. „Die fragen Dinge, da wird man wahnsinnig“, lacht der Amateurfunker. Gerade eben gab es ein witziges Gespräch, das Saskia (13) mit Pepe aus Reinach führte, der in der Nähe von Bern aus einem Bunker funkte. Nach allgemeinen Geplänkel übers Wetter und Gags über vorbeifliegende Einhörner galt es, den Kanal für den nächsten Kontakt freizuschalten. Nachdem man noch mal die korrekten Standortbezeichnungen gewechselt hatte – zur Erinnerung verschicken die Funker Karten auf dem Postweg – hieß es: „Wir verabschieden uns mit einem kräftigen „Gut Pfad“.“

www.pfadfinden.de