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Jusos im Kreis Neunkirchen gehen neue Konzeptionen an
Sechs Punkte für junge Mitbestimmung

Jugendpolitik muss stärker in das Programm für die Kommunalwahl 2019, sagt Tim Kaufmann aus dem Juso-Kreisvorstand.
Jugendpolitik muss stärker in das Programm für die Kommunalwahl 2019, sagt Tim Kaufmann aus dem Juso-Kreisvorstand. FOTO: Tim Kaufmann
Kreis Neunkirchen. Jusos aus dem Kreis Neunkirchen legen Papier vor, das Jugendpolitik stärker in den Fokus rückt. Von Michael Beer

Der Rauch hat sich verzogen, die Bundespolitik geht mit der großen Koalition (Groko) wieder ihrer Wege. Viel war in den vergangenen Wochen von Erneuerung zu lesen und zu hören. Und vom Untergang der Sozialdemokratie sowieso. Kommt jetzt wieder der übliche Trott? Die Jusos im Kreis Neunkirchen wollen das verhindern.


Die jungen Sozialdemokraten haben in einem Papier sechs Positionen zusammengetragen zur Jugendpolitik. Beim Landesparteitag an diesem Freitag und Samstag in Dillingen stellen sie dies zur Debatte, erläutert Tim Kaufmann. Kaufmann ist im Kreisvorstand der Jusos und der SPD und hat die Thesen ausgearbeitet. Die Groko war nicht sein Wunsch. Aber die Diskussion darum habe die Position der Jusos innerhalb der Partei gestärkt. Zur Tagesordnung übergehen wollen er und seine Mitstreiter nun sicher nicht. Besonders mit Blick auf die Kommunalwahlen im Frühjahr kommenden Jahres.

Gerade das Saarland mit seiner schrumpfenden und alternden Bevölkerung stehe vor politischen Herausforderungen. In ihrem Papier sprechen sie folgende Punkte an: Ausbau selbstverwalteter Jugendzentren, mehr Mitsprache von Kindern und Jugendlichen im gesellschaftlichen Prozess, freien Zugang zum Internet im öffentlichen Raum, Breitbandausbau, Erhalt öffentlicher Schwimmbäder sowie Ausbau und Öffnung von Sportstätten für alle.



Breitband-Ausbau, das war schon ein Lieblingsthema von Ministerpräsident Tobias Hans, als der noch für die CDU den Landratswahlkampf vor über zwei Jahren absolvierte. Gibt es jetzt also Groko auf Themenebene? Das nun sicher nicht, sagt Kaufmann. Die CDU habe das Thema schneller Datenleitungen im Bund in ihren Ressorts, sie müsse liefern und daran auch erinnert werden.

Klar, die Jusos wollen wie der politische Rivale das digitale Zeitalter nicht verschlafen. Um attraktiv für Wohnen und Arbeiten zu sein, müsse es eine gute digitale Infrastruktur geben, dies sei ein zentraler wirtschaftlicher Standortfaktor. Und mit Wlan würden öffentliche Plätze wieder attraktiver.

Neben dem virtuellen Leben geht es den Jusos aber auch um das reale Hier und Jetzt. Die vorhandenen Schwimmbäder sollen erhalten und in gutem Zustand bleiben. Sportstätten müssen nach ihren Vorstellungen für alle Interessenten offenstehen und unkompliziert zu nutzen sein. Also nicht nur für den Vereinsspieler, sondern auch für den Hobbyathleten zugänglich werden. Kommunen und Vereine könnten gemeinsam ein System erarbeiten, das jedem Interessierten zeigt, wann er auf einem Areal seinem Sport nachgehen kann.

Mit dem demografischen Wandel sinkt die Zahl der Jugendlichen im Saarland, während die Zahl der Senioren steigt. Das Papier bezieht sich auf Prognosen, die den Anteil der Zehn- bis 24-Jährigen bis 2030 um fast ein Drittel niedriger sehen als heute.

Vor diesem Hintergrund müsse viel dafür getan werden, junge Leute zu halten. Die Kreis-Jusos: „Ein wichtiger Faktor ist es, Jugendliche in ihrem Lebensumfeld so zu beteiligen, dass sie sich in ihrem Wohnort und ihrer Region ernst genommen, verbunden und damit auch gut eingebunden fühlen. Ob die Jugendbeiräte in Ottweiler und Neunkirchen oder das Kinderparlament in Welschbach, es gibt viele Arten der politischen Partizipation für Kinder und Jugendliche.“ Beteiligung junger Leute müsse deshalb fester Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung werden. Auch mit finanzieller Ausstattung, damit Jugendliche Projekte und Veranstaltungen stemmen können.

Demokratie und Mitbestimmung fallen nicht vom Himmel, sie brauchen Training. Die Jusos im Kreis Neunkirchen machen sich deshalb für selbstverwaltete Jugendzentren stark. In dem Papier heißt es: „Es bedarf mehr Selbstverwaltung der Jugendlichen vor Ort, denn nur durch die Eigenverantwortlichkeit von Jugendlichen in ihrem Umfeld wird auch ein Freiraum geschaffen, welcher durch die Jugendlichen selbst gestaltet werden kann.“ Kaufmann erzählt, das selbstverwaltete Juz Neunkirchen habe ihm viel mit auf den Weg gegeben. Wenn auf Juz-Vollversammlungen darüber gestritten wurde, welche Musik in den Räumen okay war und welche nicht, dann habe ihn dies Diskussion und Auseinandersetzung, letztlich kritisches Denken gelehrt. Junge Leute bräuchten solche Möglichkeiten des selbstbestimmten Aufeinandertreffens. Weshalb auch Träger wie der saarländische Dachverband „Juz United“ so wichtig seien, da sie die notwendige Unterstützung für die selbstverwalteten Jugendräume böten. Jugendpolitik, sagt Tim Kaufmann, scheine ihm ein Feld, das nicht so stark bearbeitet sei. Die Jusos wollen sie stärker in das Programm für die Kommunalwahl 2019 packen - damit die SPD nicht untergeht.