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Hockey
Ein Weltmeister aus Schiffweiler

Schiffweiler. Sebastian Schledorn kann es immer noch nicht wirklich glauben. Der 39-jährige Schiffweiler ist in Hongkong mit der deutschen Senioren-Nationalmannschaft Hockey-Weltmeister geworden. Von Heinz Bier

 Den 17. Februar 2019 wird Sebastian Schledorn aus Schiffweiler nie mehr vergessen. An diesem Tag wurde der 39-Jährige in Hongkong mit der deutschen Senioren-Nationalmannschaft Hockey-Weltmeister und feierte damit den bislang größten Erfolg seiner Sportlerlaufbahn. „Das war natürlich ein Riesenerlebnis“, erzählt Schledorn im Gespräch mit der SZ und beschreibt dabei auch den Stellenwert dieses außergewöhnlichen Triumphs. „Erst kommt der Job, dann die Familie und dann direkt der WM-Titel“, nennt der Anlagen-Mechanikermeister die Gewichtung seines Erfolgs.


Seine ersten Erfahrungen mit Hockeyschläger und -ball machte Schledorn als Elfjähriger in der damaligen Hockey-AG an der Maximilian-Kolbe-Schule in Wiebelskirchen. Er ging dann bald als Jugendspieler zum Hockey- und Tennisclub (HTC) Neunkirchen und wechselte schließlich zur TG Worms, wo er heute noch in der ersten Mannschaft in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar spielt. Was die Nationalmannschaft angeht, ist Schledorn ein Spätberufener, denn bisher hatte er noch nie eine Einladung zu einer Auswahlmannschaft des Deutschen Hockeybundes (DHB) erhalten. Im November wurde er erstmals zu einem Sichtungslehrgang nach Dortmund eingeladen, im Januar fand ein zweiter Lehrgang statt und danach wurde der Schiffweiler Bub in die Senioren-Nationalmannschaft berufen und für die Weltmeisterschaft in Hongkong nominiert. Das war für ihn Anerkennung und Bestätigung zugleich, „weil ich meine eigenen Ansprüche extrem hoch geschraubt habe, um überhaupt in den Kader zu kommen“, erklärt der Weltmeister aus Schiffweiler.

Während des WM-Turniers waren innerhalb von vier Tagen acht Spiele zu bestreiten, einmal sogar drei Begegnungen an einem Tag, und der Saarländer war immer dabei. Auch beim 9:1-Endspielsieg gegen die Gastgeber als grandiosem Abschluss. „Wir haben das Turnier richtig dominiert“, erzählt Schledorn und deshalb sei dieser deutliche Erfolg im Finale auch keine Überraschung gewesen. Jetzt würde sich der fast 40-Jährige gern auf das nächste sportliche Großereignis freuen. Auf die Feldhockey-Europameisterschaft im Juni in Rotterdam wird Sebastian Schledorn allerdings verzichten müssen, weil ihn die Kommunale Energie- und Wasserversorgung (KEW) als sein Arbeitgeber wegen der Urlaubszeit nicht entbehren kann. Dass er sämtliche Kosten selbst tragen muss, erzählt der KEW-Mitarbeiter. Im Gegensatz zur A-Nationalmannschaft erhält die Seniorenauswahl keinerlei Unterstützung durch den Deutschen Hockeybund, so dass die Spieler alles aus der Privatschatulle bestreiten müssen. Auch den Flug nach Hongkong und den Aufenthalt bei der WM. Jetzt hofft Sebastian Schledorn, dass er vielleicht irgendwoher Unterstützung bekommt.



 Goldmedaille um den Hals, Bier am Hals. Sebastian Schledorn feiert den Titelgewinn mit einem Gerstensaftgetränk.
Goldmedaille um den Hals, Bier am Hals. Sebastian Schledorn feiert den Titelgewinn mit einem Gerstensaftgetränk. FOTO: Schledorn
 Die Mannschaft, die den Titel gewann. Sebastian Schledorn steht hinten. Als Zweiter von rechts.
Die Mannschaft, die den Titel gewann. Sebastian Schledorn steht hinten. Als Zweiter von rechts. FOTO: Schledorn