1. Saarland
  2. Neunkirchen

Schulen im Landkreis Neunkirchen öffnen digital ihre Türen und werben für Schüler

Infos für Viertklässler im Kreis Neunkirchen : Schulen präsentieren sich jetzt virtuell

Coronabedingt müssen die weiterführenden Schulen im Kreis Neunkirchen auf Tage der offenen Tür und Infotage verzichten. Der Internetauftritt als Informationsquelle, aber auch die Mundpropaganda ist wichtig.

Mit dem Halbjahreszeugnis, das in dieser Woche coronabedingt per Post verschickt statt persönlich ausgehändigt wird, melden die Eltern von Viertklässlern ihr Kind an eine von 14 weiterführenden Schulen im Kreis Neunkirchen an. Normalerweise könnten sich die Familien vor der Entscheidung vor Ort ein Bild von der in Frage kommenden Einrichtung machen. Würden beim „Tag der offenen Tür“ nicht nur jede Menge Informationen, sondern auch ganz individuelle, persönliche Eindrücke sammeln.

Diese können selbst durch die besten digitalen Angebote nicht eins zu eins ersetzt werden, weiß der Leiter des Gymnasiums am Steinwald, Roger Gräber. Der Mensch sei ein Geschöpf, das mit allen Sinnen Informationen aufnehme. „Die spezielle Atmosphäre einer Schule kann man nicht mit Worten beschreiben“, findet Gräber, seit Oktober 2019 Direktor des Neunkircher Gymnasiums. Aber eine sachliche Darstellung aller relevanten Informationen ist natürlich auch auf digitalem Weg möglich. So bildet die Homepage des Gymnasiums am Steinwald – wie im übrigen bei allen weiterführenden Schulen im Landkreis – die wichtigste Grundlage für einen digitalen Blick hinter die Kulissen. Sie sei die „Visitenkarte“ einer Schule, sagt Gräber. Hingucker beim GaS sind ein Filmrundflug über das Schulgelände sowie die interaktive Karte (ThingLink) mit Objekten zum Anklicken, die zwei Kolleginnen mit Unterstützung von anderen Lehrern des Steinwaldteams produziert haben. Interessierte können sich zum Beispiel einen Film über den Schulhund oder Fotoserien über MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) am Abend oder das Bienenprojekt anschauen. Wie Roger Gräber berichtet, habe das Gymnasium Ende des Jahres auch Flyer an den Grundschulen verteilt, nachdem man die geplanten Infoabende Ende November/Anfang Dezember habe absagen müssen. Telefonisch wird eine Terminabsprache für die angegebenen Anmeldetermine (im Saarland vom 24. Februar bis 2. März) erbeten. Der Schulleiter hat bereits einige Gespräche mit Eltern geführt, bekam eine positive Rückmeldung über die gebündelten Informationen. Trotzdem haben einige den Wunsch geäußert, die Schule persönlich kennenzulernen. „Das kann ich absolut nachvollziehen“, sagt Gräber. Es sei etwas ganz anderes, durch die Schule zu gehen, mit Lehrern und Schülern zu sprechen. Allerdings sei man vom Landkreis als Schulträger gehalten, so wenig Personen wie möglich auf das Gelände zu lassen, daran halte sich die Schule auch. Gräber und sein Kollegium setzen auch auf Mundpropaganda. Wenn man in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet habe, spreche sich das rum. 

Normalerweise zwei große Infoveranstaltungen bietet die Fortuin Gemeinschaftsschule Illingen an: Den Tag der offenen Tür im Dezember mit den Ergebnissen der Projektwoche und dann im Januar den reinen Infoabend mit Eltern und Kindern. Danach könne man schon das Interesse etwas abschätzen. Nun laufen fast alle Informationen über die Homepage, berichtet Schulleiter Burkard Maurer. „Da waren wir kreativ, haben zwei Filmchen selbst gedreht.“ Eine Kollegin habe eine Powerpointpräsentation mit dem Handy abgefilmt, dazu ist die sonore Stimme des Schuldirektors zu hören. „Ehrlich und authentisch,“ wie Maurer selbst findet. Die Homepage der Gemeinschaftsschule sei ziemlich aufgeräumt, alle Infos gleich gut zu finden. Per Ticketsystem bietet die Illinger Schule Beratungs- und Anmeldungsgespräche mit gebührendem Abstand an, dafür seien schon 30 Termine reserviert. Burkard Maurer vermutet, dass es Ende der Woche, wenn die Zeugnisse verschickt sind, deutlich mehr werden. Die Fortuin Gemeinschaftsschule bietet seit dem Schuljahr 2017/18 einen gebundenen Ganztagszweig an. Hier habe man, so Maurer, in die Nachbargemeinden ohne entsprechendes Angebot „Pfade“ treten können. Er ist gespannt, ob diese nun in der besonderen Situation Bestand haben. 46 Plätze stehen im Ganztagsbereich zur Verfügung. Im vergangenen Schuljahr gab es ein paar mehr Anmeldungen, sodass unter den Schülern, die nicht in Illingen wohnen, sogar gelost werden musste. Dem Schulleiter hat dies persönlich leid getan, aber die Schüler seien trotzdem gekommen und in den Halbtagsbereich gewechselt. Der Illinger Schulleiter sehnt sich nach dem Normalzustand. „Corona überlagert halt alles, versetzt uns in eine Art Dauerruhe, isoliert von den Eltern.“ Das sei bedauerlich, denn die Schulwahl sei eine emotionale Entscheidung und schwieriger für die Familien, die die Schulen noch nicht kennen.

 Vor zwei Wochen hat das Gymnasium Ottweiler seinen virtuellen Schulrundgang freigeschaltet, zur selben Zeit wie das Terminbuchungssystem. Interessierte Familien können die Räume virtuell besuchen, Bilder und Videos von Aktivitäten der Schule anschauen. Seit Februar 2018 ist Mark Hubertus Leiter des Ottweiler Gymnasiums, das zwei unterschiedlich lange Termine anbietet: Zehn Minuten, wenn die Schulwahl bereits getroffen ist. Die reichen aus, um die nötigen Unterlagen wie das Halbjahreszeugnis mitzubringen. Die schriftliche Anmeldung (per interaktiver Pdf verfügbar) kann schon zu Hause ausgefüllt werden. 20 Minuten können als Beratungstermin mit dem Schulleiter oder seinem Stellvertreter reserviert werden. Dieses Angebot fand schon recht große Resonanz, berichtet Hubertus. Allgemein werde bedauert, dass der Tag der Grundschule nicht habe stattfinden können. „Die Familien, die unser Gebäude noch nie betreten haben, finden dies sehr schade“, berichtet der Schulleiter, der hofft, die Eltern über die Homepage mit allen ihnen wichtigen Informationen zu versorgen. Dort kann man auch einen Link für den Youtube-Livestream vom 5. Dezember 2020 anklicken. 860 Aufrufe gab es schon für diese digitale Präsentation des Ottweiler Gymnasiums. Die Webex Videokonferenzen seien ebenfalls gut genutzt worden.

„Unsere Schule ist digital gut aufgestellt“, findet Hubertus, „das kommt uns sehr zugute.“ So nutze man die GoMoodel Lern-Plattform für den Fernunterricht, die sehr zuverlässig sei und die die Schule selbst als Administrator bedienen könne. Mark Hubertus fasst zusammen. „Digitale Medien sollten kein Selbstzweck sein, aber in Zeiten der Pandemie und des Lockdowns sind sie für die Schulen unverzichtbar.“