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Zitterpartie für Fantasy-Spektakel Fark in Reden

Kostenpflichtiger Inhalt: Fark : Zitterpartie für Fantasy-Spektakel in Reden

Für den nächsten „Fantasy- und Rollenspiel-Konvent“ (Fark) ist noch alles in Butter. Doch langfristig könnte es in Reden Parkplatz-Probleme für alle Großveranstaltungen geben. Denn die RAG muss kontaminiertes Gelände sanieren, das bisher für Autos genutzt wurde.

Alles dreht sich in Reden um die Halde. Wie kommt man hoch, wie werden die Wege beleuchtet, wie schmeckt’s bei den Almwirten? Gerade wieder: Naturschützer wollen ein Halden-Straßenbau-Projekt der Standort-
entwicklungs-Gesellschaft IKS stoppen (die SZ berichtete).

„Was sich am Haldenfuß tut, wird oft vergessen“, sagt Benjamin Kiehn. Sein Fantasy- und Charity-Event „Fark“, das seit 2014 im Zweijahres-Rhythmus läuft, sorgt wie kein zweites dafür, dass der Name „Erlebnisort Reden“ mehr als nur ein Werbe-Etikett ist. 55 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, 15 000 mehr als 2017. Und obwohl es nur 700 Parkplätze auf dem Gelände gibt, läuft es für Fark-Gäste reibungslos, denn die RAG stellt Kiehn am Rande des ehemaligen Grubengeländes zusätzliche Flächen zur Verfügung. Kostenlos.

Doch damit könnte mittelfristig Schluss sein. Für den nächsten  Fark, der 2021 angesetzt ist, läuft zwar alles wie gehabt. Doch für 2023 kann die RAG Kiehn keine Zusage machen. Denn dann laufen in Reden wohl umfangreiche Boden-Aufbereitungs-Arbeiten, die die RAG auf der von Kiehn genutzten Fläche voraussichtlich ab 2021 in Angriff nimmt. Dies bestätigt Rudolf Krumm von der RAG Immobilien GmbH der SZ. Das frühere Kokerei-Areal müsse saniert werden, um die Entlassung der Flächen aus der Bergaufsicht und deren Wiedernutzung zu erreichen. Es handele sich um die letzte Groß-Maßnahme der RAG in Reden. 13 Hektar groß ist laut Krumm die Fläche. Die „belasteten Massen“ würden vor Ort verwahrt, sagt Krumm, was man sich so vorzustellen hat, dass in Reden so etwas wie eine zweite, eine kleine Halde entstehen wird. Wie die zukünftige Nutzung des dann durch die RAG wieder nutzbar gemachten Riesen-Geländes aussehen könnte, ist offen. Man stehe erst am Anfang des Prozesses, sagt Krumm, die Sanierungskosten – „eine auf jeden Fall siebenstellige Summe“ – seien von der Folgenutzung abhängig, und nur grob zu schätzen.

Freilich steht jetzt schon fest: Die RAG hat kein Interesse, dort Parkplätze für Großveranstaltungen vorzuhalten. Krumm: „Das ist nicht unsere Aufgabe.“ Doch wer sollte Parkflächen bauen und unterhalten? Die landeseigene IKS? Die baut woanders, auf der Halde, 100 neue Parkplätze. Und will, wie kürzlich bekannt gegeben, den Standort optimieren, der dafür zuständige Staatssekretär im Kultusministerium, Jan Benedyczuk, nennt „das Gesamtkonzept, was wir jetzt angehen, die Anpassung der Infrastruktur und Implementierung eines Standortmanagements“ einen „Neuaufschlag“. Aber von weiteren Parkflächen ist nicht die Rede. Fark-Chef Kiehn sieht das mit Sorge, denkt aber nicht daran, das Fantasy-Event 2023 aus Reden abzuziehen. „Schlimmstenfalls denken wir über Shuttle-Dienste nach“, sagt er.

Kiehn verweist auf die Wirtschaftskraft des Konvents: Rund 30 Prozent der Gäste reise aus bis zu 800 Kilometer Entfernung an, etwa aus Frankreich, Italien und Spanien. Einzelgäste ließen rund 90 Euro pro Tag im Saarland, eine vierköpfige Familie etwa 160 Euro. Die Zahlen stammen laut Kiehn aus belastbaren Umfragen, die er in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) durchführen ließ. „Es wird gesagt, in Reden gibt es genug Parkplätze. Für den täglichen Zustrom stimmt das. Doch wenn Reden ein Erlebnis-
ort mit Wachstumspotenzial sein will, dann muss man für Großveranstaltungen Zusatzflächen vorhalten“, sagt der Fark-Gründer.

Benjamin Kiehn organisiert seit 2014 das Fantasy-Event „Fark“ auf der Halde in Reden. Foto: Elke Jacobi
Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien im Saarland. Foto: Becker & Bredel/RAG Montan Immobilien/Becker & Bredel

Reden sei keineswegs „ausentwickelt“, doch er vermisst einen klaren Kurs: „Soll Reden Naherholungsgebiet, außerschulischer Lernort oder Erlebnisort sein oder eine Mischung aus allem?“ Erst nach einer Profil-Schärfung könne man sinnvoll investieren, so Kiehn. Womöglich auch in eine Verkehrsinfrastruktur, die dem Fark hilft. Noch ist dafür Zeit.