„Wir fangen dann schon mal an“

Ein Jahr ist es her, dass vier Grubenbrachen als besonders förderungswürdig ausgewiesen wurden. Die SZ fragt, was sich auf den „Premium-Standorten“ getan hat. Heute kommt Umweltminister Reinhold Jost (SPD) nach Itzenplitz. Er wird Kritisches hören.

Wer Industriekultur-Skeptiker bleiben will, darf nicht nach Itzenplitz in Heiligenwald fahren. Wer wollte dort noch behaupten, Grubenbauten seien ästhetische Zumutungen? Das Itzenplitzer Pumpenhaus (1908) ist ein ins Wasser gebauter niedlicher Rundling. Ein fabelhafter Ort, um zu heiraten, meint die Gemeinde, nachdem die Grundsanierung geschafft ist. Der Förderverein Historische Grubenanlage Itzenplitz hat dafür über Jahre 50 000 Euro zusammengebettelt, 30 000 Euro müssen noch investiert werden, dann wäre das Postkarten-Idyll auch für Firmen-Events perfekt. Eine kuriose Wende: Romantik statt Maloche.
Wohnen am Park

Überhaupt, meint der ansteckend enthusiastische, unermüdliche Fördervereinsvorsitzende Rüdiger Zakrzewski, könne man aus dem Gruben-Gelände, das direkt an den Saarkohlewald grenzt, viel mehr an Freizeit- und Wohnwert rausholen. Wenn denn nur irgendwann mal irgendwas vorwärts ginge. Zakrzewski erzählt, seit fünf Jahren ringe die Gemeinde Schiffweiler mit der RAG, um endlich einen zusammenhängenden Grüngürtel bis zu den beiden Fördergerüsten schaffen zu können. Ein Sanierungsgebiet wurde ausgewiesen, eine Million Euro Städtebaufördermittel stehen in Aussicht. Denn anders als auf den meisten anderen Bergbau-Standorten weiß man in Itzenplitz schon ganz genau, wo's hingehen soll: Richtung Landschaftspark.

1960 wurde die Grube stillgelegt. Die Gemeinde plante ein Gewerbegebiet, mittlerweile geht es um Renaturierung. Vieles ist bereits vorhanden: Weiherklause, Festplatz, Angelverein und Fischerhütte, 52 Kilometer Wanderwege, Nabu-Tafeln am Ufer. Mit voran gebracht hat das die LIK Nord, ein mit Bundesmitteln finanzierter Zweckverband, zuständig für Bergbaufolgelandschaften. Im Saarland soll ein "einzigartiges Naturschutzgroßprojekt" umgesetzt werden. Itzenplitz scheint die Idealbesetzung dafür. Bereits jetzt kommen an Wochenenden bis zu 8000 Erholungssuchende. Die meisten übersehen die historischen, denkmalgeschützten Gebäude, ja sogar die Fördertürme. Das Gelände ist zugewuchert, unübersichtlich, durch Zäune und verschiedene Nutzer zerschnitten. Der alte Grubenbahnhof wurde beispielsweise als Wohnhaus hergerichtet, die drei historischen Waschkauen, die zusammenzubrechen drohten, werden gerade mit fünf Millionen Euro Privatmitteln hergerichtet. Unter anderem sollen exklusive Wohnungen entstehen, mit Panoramablick auf den zukünftigen Grüngürtel, der sich bis zum Weiher ziehen wird. Centralpark-Feeling in Heiligenwald? Zakrzewski erzählt, ein Gastronom habe Spaß an einem der Fördermaschinenhäuser. "Es gibt noch mehr Leute, die hier was machen wollen, doch die RAG trifft keine Entscheidung. Ewig warten die Investoren nicht." Zakrzewski seinerseits sprüht vor Ideen, "die wenig kosten": eine Fossilschürfe für Kinder soll her und ein Baumwipfelpfad. Itzenplitz leidet wahrlich nicht an Visionsmangel. Zakrzewski spricht sogar von "Wildwest-Stimmung". Doch richtig von der Stelle komme man trotzdem nicht, meint er. Frust herrsche, weil das Wirtschaftsministerium, das das Etikett "Premiumstandort" vergeben habe, nichts, aber auch gar nichts von sich hören lasse. "Man weiß nicht, was die vorhaben", sagt Zakrzewski und meint damit auch die RAG AG. Das Unternehmen sei nicht kooperativ, er vermisst "Kreativität und Dynamik". Die RAG ihrerseits verweist in Sachen Grundstücksverkauf auf das Bundesamt für Finanzen . "Der Prozess ist von uns nicht zu beschleunigen", sagt Rudolf Krumm (RAG Montan Immobilien).
Ärger beim Ortsvorsteher

Für Ortsvorsteher Klaus Gorny ist das alles undurchschaubar und ärgerlich: "Jeden Monat, den man hier wartet mit der Instandsetzung der Fördergerüste, kostet Geld", sagt er. Ihm ist unklar: Wer bekommt die Landes-Fördermittel, wann und wo geht's los? Auch Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider (SPD ) vermisst ein kräftiges Startsignal: "Zwischen Ankündigung und Umsetzung darf keine zu große Zeitspanne liegen, ansonsten entsteht bei den Menschen Unsicherheit, ob es das Land wirklich ernst meint mit der Premium-Initiative."

Wobei in Itzenplitz niemand auf Beglückungs-Konzepte von RAG oder Land wartet. "Bei uns ist alles Marke Eigenbau", sagt Ortsvorsteher Gorny. Man würde zu gerne einfach nur weitermachen. Das Motto: Wir fangen dann schon mal an.

Zum Thema:

Das Wirtschaftsministerium hat vor einem Jahr vier förderwürdige Premium-Bergbaustandorte benannt: Camphausen (Leitbild Arbeit), Velsen (Grenzen), Luisenthal (Energie), Itzenplitz (Landschaft). Die Basis dafür lieferte ein Gutachten, das Land und RAG AG in Auftrag gegeben hatten. Die Anlagen haben Aussicht auf Sonder-Fördermittel. 2,2 Mio. Euro sollen fließen. Im Haushaltstitel "Industriekultur" stehen 2014 erstmals 200 000 Euro bereit. ce