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Vom Bergmanns- zum modernen Konzertchor

Heiligenwald. Gebannt lauschten die Besucher des Benefizkonzertes in der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius den kraftvollen Stimmen des Saar-Knappenchores und konnten sich den Applaus zwischen den Stücken kaum verkneifen. Marius Blügel

. Das bereits 1948 gegründete Ensemble unter der musikalischen Leitung von Dirigent Matthias Rajczyk bat aus Gründen der Konzentration vor den komplex arrangierten Stücken und zur besseren Wirkung des Gesamtbildes darum, auf den Applaus während des Konzerts zu verzichten. Dafür fiel dieser danach umso euphorischer aus.

"Unser ehemals als Werkschor der Saarbergwerke AG gegründeter Chor besteht heute neben Bergleuten auch aus Männern anderer Berufsgruppen und hat sich zu einem modernen Konzertchor entwickelt", verrät Rajczyk im SZ-Gespräch. Gerade diese moderne Orientierung des Chores macht das abwechslungsreiche und kurzweilige Programm des Ensembles aus, das für die Zuhörer, obwohl es mehr als eine Stunde dauerte, viel zu schnell vorbei war. Dass trotz der modernen Elemente die Herkunft der Gruppierung immer noch eine wichtige Rolle spielt, wurde direkt zu Beginn des Konzertes klar.

In stolzen Bergmannstrachten und der Hymne an die Schutzpatronin der Bergleute, Barbara von Nikomedien, schritten die Sänger hinter den Altar der Kirche. Das voluminöse Klangspektrum des Chores vereinnahmte sofort die zahlreich erschienenen Zuhörer und ließ sie staunen.

Da es sich um das erste Konzert nach der Winterpause handelte, gab es einige Premieren im Programm. Hierbei fielen vor allem zwei afrikanische Stücke auf, die extra für die Konzertreise 2016 nach Südafrika einstudiert wurden. Die komplexe Rhythmik in dem Stück "Sipiri" forderte vom Dirigenten volle Konzentration und Körpereinsatz. Südafrika ist nicht die erste internationale Haltestelle für die eingespielte Truppe aus dem Saarland. Auch China, Brasilien, Australien, Japan und weitere Staaten gehörten schon zu den Reisezielen. Diese Erfahrung zeigte sich vor allem in den komplexen achtstimmigen Arrangements und einem Stück mit Stereoeffekt, bei dem der Chor in zwei vollständige Teilchöre unterteilt wurde. Auch zeitgenössische Stücke, wie beispielsweise vom polnischen Komponisten Piotr Janczak, wurden geschickt in das stimmige Programm des Nachmittags integriert.

Ungewöhnlich für einen Männerchor, aber ebenso interessant waren die präsentierten Gospelstücke wie "Ride the Chariot", die dem Chor - gerade weil sie nicht erwartet werden - besonders am Herzen liegen, wie der Chorleiter verriet.

Nach dem tosenden Beifall mit stehenden Ovationen riefen die Chormitglieder zur Spende auf. Die Erlöse des Abends fließen in die Finanzierung des kürzlich renovierten Glockenstuhls der Kirche.