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Ungewöhnlicher Blick auf Estland

 Die ausstellenden Fotografen, hier Susanne Jung (rechts), sprachen mit Kollegen und Besuchern über ihre Werke. Foto: Anika Meyer
Die ausstellenden Fotografen, hier Susanne Jung (rechts), sprachen mit Kollegen und Besuchern über ihre Werke. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Landsweiler-Reden. Die Clubreise des Fotoclubs Tele Freisen führte nach Estland. Von dort haben die Fotofans etwas andere „Urlaubsbilder" von Land und Leuten mitgebracht: zu sehen im Verlesesaal der ehemaligen Grube Reden. Anika Meyer

. Märchenhafte Schlösschen, über und über in Gold erstrahlende Kirchen, rustikale Gutshöfe. Außerdem Landschaften: Wälder, Küsten und Hochmoore, flach und scheinbar endlos. Die ganze, mitunter raue Schönheit Estlands hat der Fotoclub Tele Freisen in seinen bei einer Clubreise 2013 entstandenen Fotos eingefangen, die jetzt im Verlesesaal der ehemaligen Grube Reden zu sehen sind. "Schon bei der ersten Impression, als ich die Treppe hochkam, dachte ich: ‚Schade, dass ich nicht dabei gewesen bin!`", sagte der Freisener Bürgermeister Karl-Josef Scheer, der die Gruppe bei der Vernissage begleitete. Die erste Impression: "Der Scheinheilige". Zu sehen ist ein Engelsbild, daneben ein süffisant schmunzelnder Mann mit Heiligenschein. Auch so etwas gehört zur Ausstellung, Sonderbares und Kurioses. So auch eine Art Drogerie-Straßenkiosk, mit bunten Artikeln vollgestopft bis auf den letzten Quadratzentimeter. "Fotos nehmen uns mit auf eine Reise, auf der wir die Welt auf eine neue Weise sehen", sagte der Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs , der die Gäste willkommen hieß. Und es war klar, was er meinte. Das Fotografenauge der elf Aussteller öffnet in 96 Werken Wege konzentrierter Wahrnehmung und ungewöhnlicher Betrachtungsweisen.

Man reist gerne beim Fotoclub Tele Freisen , Estland war der letzte der noch zu besuchenden baltischen Staaten. "Völkerverständigung ist in unserer Satzung festgehalten, und wir pflegen Kontakte zu Clubs in ganz Europa", so der Vorsitzende Franz Rudolf Klos. Stolz ist man auch auf die eigenen Erfolge: Der 280 Mitglieder starke Club stellt bei den Erwachsenen den Süddeutschen Fotomeister und den Saarlandmeister, bei den Jugendlichen den Süddeutschen Fotomeister und die Deutsche Vizemeisterin.

Auf großes Interesse bei den recht zahlreichen Vernissage-Besuchern stießen Susanne Jungs Setu-Frauen. Kräftige Tänzerinnen des Volksstammes der Setu in traditionellen, bestickten Gewändern und mit schwerem, metallenem Halsschmuck , der bis über die Brust reicht. Jung hat sie per digitaler Bearbeitung vor dunklem Hintergrund mit Licht in Szene gesetzt und mit Strukturen so überlegt, dass der Eindruck eines Gemäldes entsteht. "Ihr Stolz hat mir imponiert! Und ihre Gesichter. Nichts Gestyltes, nichts Künstliches." Eine hierzu gegensätzliche Faszination in Schwarz-Weiß und mit starkem Tiefenkontrast erzielt Wolfgang Wiesen mit einer speziellen Technik: "Meine umgebaute Kamera hat vor dem Sensor einen Infrarotfilter. Für den gelungenen Effekt muss man einen Moment strahlenden Sonnenscheins erwischen." Himmel und Wasser färben sich so schwarz, Wolken und Vegetation leuchten hell hervor.

Die vielfältigen Sichtweisen des Fotoclubs auf Estland können bis Sonntag, 4. Januar, dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, besichtigt werden.