"Über den eigenen Kirchturm hinaus schauen"

Herr Pastor Müller, als Sie vor 20 Jahren nach Lebach kamen, wie fanden Sie die Gemeinde vor?Franz-Rudolf Müller: Mein Vorgänger hat schon weitsichtig seine Seelsorge angelegt und viele Ehrenamtliche mit in die Verantwortung genommen. So fand ich eine lebendige Gemeinde vor, wo in vielen Gruppen, Gruppierungen und Räten Verantwortung wahrgenommen wurde

Herr Pastor Müller, als Sie vor 20 Jahren nach Lebach kamen, wie fanden Sie die Gemeinde vor?

Franz-Rudolf Müller: Mein Vorgänger hat schon weitsichtig seine Seelsorge angelegt und viele Ehrenamtliche mit in die Verantwortung genommen. So fand ich eine lebendige Gemeinde vor, wo in vielen Gruppen, Gruppierungen und Räten Verantwortung wahrgenommen wurde. Das war und ist auch meine Zielsetzung für kirchliches Leben in all den Jahren gewesen bis heute: Verantwortungsträger wollen und müssen ernst genommen werden, sie brauchen einen Freiraum, damit sie ihre Fähigkeiten und Begabungen einsetzen können. Das erlebte und erlebe ich in der Pastoral sehr dankbar. Der Priester hat die Verantwortung der Leitung, aber im Sinne der Bibel: Er soll die verschiedenen Charismen entdecken, fördern und einen, das ist sein wesentlicher Dienst.

Was hat sich in den zwei Jahrzehnten verändert, sowohl positiv als auch negativ?

Müller: Positiv erlebe ich, dass es eine große Bereitschaft zur Mitarbeit gab und gibt. Die Pfarreiengemeinschaft Lebach-Landsweiler zählt über 40 Gruppen und Gruppierungen, die sehr selbstständig, aber auch selbstbewusst sich in die Gemeinde einbringen. Ich erlebe es dankbar bei den Taufkatecheten, die die Eltern und Paten auf die Taufe vorbereiten, bei den Lenkungsgruppen für die Erstkommunionvorbereitung, die mit den Katecheten arbeiten, die Pfarrgemeinderäte arbeiten sehr selbstständig aus einer tiefen Verantwortung heraus, die Frauengemeinschaft, die Kirchenchöre, die Messdiener und die Maltesergruppe, um nur einige zu nennen. Das ist für mich lebendige christliche Gemeinde. Alle sind Zeugen der Frohen Botschaft und helfen mit, dass diese unerhörte Botschaft des Lebens nicht verstummt in unserer Stadt. Schmerzlich spüre ich, dass wir ärmer, kleiner werden. Die Zahlen der Gottesdienstbesucher sind rückläufig, neue Männer und Frauen zu gewinnen wird schwieriger, den Hauptamtlichen wird immer mehr zugemutet und auch die finanziellen Ressourcen sind rückläufig. Aber das ist für mich kein Grund zum Jammern. Diese Zeit ist Gottes Zeit und Gott mutet sie uns zu: Es gilt Kräfte zu bündeln, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und die gemeinsamen Schätze zu entdecken. Das ist die spannende Aufgabe in den letzten Jahren und für die Zukunft.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft persönlich und was für die Pfarrgemeinde?

Müller: Die Kirche wird nur weiter leben, wenn viele ehrenamtliche Verantwortungsträger da sind. Menschen, die von Jesus Christus begeistert sind und andere anstecken. Ich wünsche mir, dass mir noch etwas die Kraft und die Zeit bleibt, den neuen pastoralen Raum der ganzen Stadt Lebach mit zu gestalten, damit Kirche in dieser Stadt zukunftsfest ist und auch die nachfolgende Generation mit der lebensbringenden Botschaft berührt wird. Damit Menschen da sind, die Antwort geben können, auf die Frage woher ich komme, warum ich lebe und wohin ich gehe. Das ist die große Herausforderung, wenn im nächsten Jahr die Zusammenarbeit aller Lebacher Pfarreien verbindlich festgemacht wird. Wir sind hier auf einem guten Weg und werden schon in diesem Jahr mit Hilfe der Gemeindeberatung notwendige Schritte einleiten. Das ist für mich eine spannende und interessante Aufgabe und Zielsetzung, wenn meine Gesundheit mitspielt.

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