Trotz Sommeralm und Fark: Es passiert nicht genug am Erlebnisort Reden

„Vakuum der Verantwortlichkeit“ : Wenig Bewegung am „Erlebnisort Reden“

Akteure vor Ort befürchten, dass die Entwicklung am Standort ins Stocken gerät. Strukturholding: Haldenmetro „weiterhin in der Planung“.

„Einfach wunderschön hier.“ Holger Maroldt schaut in den knatschblauen Himmel zur Spitze des 85 Meter hohen Schornsteins und lässt den Blick schweifen. Die „markante Architektursprache“, wie die Denkmalpfleger sagen, zieht die Besucher der Tagesanlage der Grube Reden unwiderstehlich in ihren Bann. Der Ortsvorsteher von Landsweiler-Reden wohnt nur einen Steinwurf entfernt, hat täglich vor Augen, was sich hier tut. Und was nicht.

Mit der SZ macht Maroldt an einem tollen Frühlingstag einen Rundgang übers Gelände. Vor allem in den Wassergärten, ein Besuchermagnet nicht nur an schönen Tagen, liegt auf dem zweiten Blick einiges im Argen. Eine Holzbrücke etwa ist seit einiger Zeit mit einem Plastik-Absperrband versehen. Die Holzbohlen sind teilweise morsch, die Brücke kann nicht genutzt werden. Der Blick fällt auf auf das Wasser darunter, das voller Algen und an manchen Stellen mit Plastikteilchen vermüllt ist. „Die Wassergärten müssten dringend gesäubert, einige Lampen repariert werden“, mahnt der Ortsvorsteher. Das Problem sieht Maroldt in dem „Vakuum der Verantwortlichkeit“, niemand fühle sich so richtig zuständig. Dabei gebe es viele Möglichkeiten, den Standort weiter aufzuwerten und die 400 000 Besucher, die jährlich kommen, länger zu binden.

Vieles sei versprochen worden, etwa die barrierefreie Fußgängerbrücke vom Bahnhof Landsweiler-Reden über die Gleise zum Gondwana-Park. Dafür hatte die IKS, die Industriekultur Saar, einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den Anfang 2007 ein Saarbrücker Architekturbüro gewonnen hat. 800 000 Euro wurden für die Stahlkonstruktion veranschlagt, im Herbst 2008 sollten bereits die ersten Fußgänger über die Brücke gehen können. Das Projekt wurde aus Kostengründen zunächst um ein Jahr verschoben, irgendwann fiel es in einen Dornröschenschlaf. Statt einer teuren Stahlbrücke schlägt Maroldt nun eine Brücke nach dem Vorbild von Sinnerthal vor. Auch die Infrastruktur an der Halde selbst könnte mit Lampen verbessert werden, damit Radfahrer, Walker oder Langläufer auf Rollen auch in der dunkleren Jahreszeit noch auf der asphaltierten Strecke aktiv sein können. Für Kinder und Jugendliche wäre ein Abenteuerspielplatz bei Gondwana sicher ein Anziehungspunkt. Außerdem fragt sich Maroldt, warum Reden als außerschulischer Lernort nicht längst etabliert sei. Vieles sei versprochen worden, wenig davon realisiert.

Kritik, die in ähnlicher Form dieser Tage auch aus dem Landratsamt geäußert wird. Wie berichtet hat Landrat Sören Meng ein „schlüssiges Gesamtkonzept und einen entsprechenden Standortmanager angemahnt.“ Das Team der Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen stehe bereit, an der Entwicklung des Gesamtkonzepts mitzuarbeiten und das künftige Standortmanagement in den Bereichen touristische Vermarktung und Veranstaltungsmanagement zu unterstützen“, sagte der Landrat. In der nächsten Kreistagssitzung am Donnerstag, 16. Mai, (16.30 Uhr) ist eine gemeinsame Resolution zur Weiterentwicklung des Erlebnisortes Reden vorgesehen.

In einer Pressemitteilung hat sich außerdem die CDU Schiffweiler zur Weiterentwicklung des Erlebnisstandortes Reden geäußert. Unter dem Tenor „Tourismus als Chance nutzen“ wird unter anderem an die bei der Eröffnung der neuen Bergmannsalm zugesagte dauerhafte Transportmöglichkeit erinnert. Neben einer normalen Transportbahn, die wie versprochen zu bauen sei, sollte man als Ergänzung auch über autonome Fahr- und Transportmöglichkeiten nachdenken, um so den Zukunftscharakter des Standortes zu unterstreichen, fordert die CDU.

Auf SZ-Nachfrage heißt es zum Thema Haldenmetro von Seiten der Strukturholding Saar (SHS), dass dieses Projekt nicht ad Acta gelegt, sondern weiterhin in der Planung sei. Derzeit würden jedoch noch alternative Lösungen untersucht.

Im Übrigen betrachte die SHS die die Aussagen von Landrat Sören Meng weniger als Kritik an ihrer Arbeit – schließlich bestätige er auch, dass der Standort sich sehr positiv entwickelt habe – sondern vielmehr als Angebot, dass der Landkreis sich noch stärker in die Entwicklung des Standortes einbringen wolle. SHS-Pressesprecher Ludwin Vogel führt außerdem die mehr als 300 000 Besucher jährlich am Standort als ein Erfolg aller Akteure an. Natürlich sei es aber immer sinnvoll, die ursprüngliche Konzeption im Laufe der Umsetzung zu hinterfragen. So sei ursprünglich nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass sich die Entwicklung auf dem Haldenplateau, zum Beispiel durch den Bau und den erfolgreichen Betrieb der Bergmanns-Alm, derart positiv entwickelt. Des Weiteren hätten große Veranstaltungen wie zum Beispiel die FaRK oder die Sommer-Alm den Erlebnisort Reden enorm belebt.

Kein schöner Anblick, die Brühe im Wassergarten. Foto: Heike Jungmann
Weithin sichtbar ist der etwa 85 Meter hohe Schornstein auf dem Grubenareal. Foto: Heike Jungmann

Dass der Landkreis nun die Initiative ergreife, die Gesamtkonzeption zu überdenken und weiterzuentwickeln, begrüße die SHS ausdrücklich. „Wir sind nach wie vor bereit, uns in diese Arbeit einzubringen“, teilt der SHS-Pressesprecher mit. Abschließend heißt es: „Inwieweit eine weitere Personalisierung der zukünftigen Arbeit notwendig und sinnvoll ist, sollte nach unserer Auffassung am Ende dieses konzeptionellen Prozesses erörtert werden.“

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