SZ-Serie "Ich packe meinen Koffer" in der Altertümersammlung Reden

SZ-Serie „Ich packe meinen Koffer“ : Scherben für die Schatzkammer

Urlaubszeit, Reisezeit. Sie kennen das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“? Die SZ hat sich spannende Koffer öffnen und ihren Einsatz erklären lassen. Teil 7: Grabungstechnik aus Reden.

Anruf beim Landesdenkmalamt. Ein Mann will in seinem Garten einen Teich bauen. Er trägt Erde ab. Er stößt auf Scherben. Vielleicht ein historischer Fund? Zumindest ein Fall für die Spezialisten der Bodendenkmalpflege. Sie erkunden archäologische Fundplätze und inventarisieren sie. Sind archäologische Denkmäler bedroht, organisieren sie Rettungsgrabungen. In der Werkstatt werden die Bodenfunde konserviert und restauriert und in der Staatlichen Altertümersammlung unterm Dach des Landesdenkmalamtes in Reden aufbewahrt.

Fünf bis 20 Mal im Jahr, so deren Leiter Alexander Domprobst, greift er wie im Teich-Fall zu seinem silbermetallenen Köfferchen und rückt aus. Das gesamte Team kam im Jahr 2018 auf zusammen 46 Einsätze. Im Koffer liegt bereit, was Domprobst zur Begutachtung braucht. Wenn’s größer wird, kommen sie zudem mit Zelt und Planen. Im Ausgrabungskoffer liegen zum Beispiel Profilhammer, Meißel, Kellen aller Art, Lanzetten, Rosenschere, Pinsel, kleine Kunststoffbecher und durchsichtige Tüten zum Aufbewahren von Kleinteilen, Laufzettelblock, Stifte, einen elektrooptischen Distanzmesser, Lot, Fotoapparat. „Der Ausgräber ist der letzte Zeitzeuge“, sagt Domprobst auch gerne bei seinen Führungen. Er zerstöre und habe deshalb eine besondere Verantwortung und Sorgfaltspflicht: „Freilegen, fotografieren, zeichnen, beschreiben und dann erst bergen."

So geschah es auch am Einsatzort Teich. Der Experte erkannte schnell: Es handelt sich um ein Männergrab aus der Latènezeit, also von etwa 450 v. Chr. bis zur Zeit um Christus Geburt, mit Grabbeigaben. In drei Tagen war sein Einsatz vor Ort erledigt. „Nicht jeder Einsatz bestätigt aber historische Funde“, stellt Domprobst klar.

„Wir sind so was wie die Feuerwehr“, sagt Domprobst über sein Haus. Sie sichten, wenn ein Privatmann in der Erde auf Scherben oder Knochen stößt und dies meldet. Das Gleiche auch im Großen, wenn das Landesdenkmalamt als Träger öffentlicher Belange bei Bauprojekten gehört wird.

Die Staatliche Altertümersammlung in Reden beschreibt sich als eine „Schatzkammer der Archäologie“. Mehrere Millionen beweglicher Bodendenkmäler des Saarlandes werden in Reden archiviert und verwaltet, heißt es auf der Homepage. Das Spektrum reicht von Tier- und Menschenknochen über Waffen und Schmuck bis hin zu Scherben von Gefäßen. Besucher können nach vorheriger Absprache das ganze Jahr über Einblick in die Arbeit der Archäologen, Restaurierungswerkstatt und Altertümersammlung nehmen. „Und wir leihen auch aus“, sagt Alexander Domprobst. Etwa an einen Heimatverein, der zum Dorfjubiläum gern eine Vitrine mit spannenden Fundstücken zusammengestellt hätte. Aber auch an Ausstellungen, wenn sich in Reden dazu wertvolle Zeugnisse finden.

Grabungstechniker wie Domprobst sind auf dem Gebiet der archäologischen Denkmalpflege und der archäologischen Forschung tätig. Jede Grabung führe zu einer Zerstörung der archäologischen Fundstelle, schreibt der Archäologenverband. Dies setze für den Grabungstechniker „eine umfassende Kenntnis der verschiedenen Grabungs-, Dokumentations- und Fundbergungstechniken, deren methodisch richtige Anwendung sowie eine rasche Auffassungsgabe und die Fähigkeit zu innovativem Handeln voraus. Dazu gehöre die Kenntnis der einschlägigen Literatur, wichtiger Bestimmungen und Gesetze wie Denkmalschutzgesetze, Arbeitsschutzverordnungen, Arbeitsstättenverordnungen, Erste Hilfe etc.“

Die Funde aus dem Garten des saarländischen Teichbauers wanderten nach Reden in die Werkstatt zu den Restauratoren. Sie wurden verpackt, mit Laufzettel und Inventarnummer versehen und haben jetzt ihren Platz in den hohen Regalwänden des Depots in Reden.

Alle Teile unserer Serie lesen Sie unter: www.saarbruecker-zeitung.de/koffer-im-einsatz

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