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Sportverein im Lockdown - Fallbeispiel SSV Heiligenwld

Serie Nachgefragt : Corona blockiert Tür in die Sportvereine

Im Pandemie-Jahr 2020 erlebt auch der SSV Heiligenwald ein Mitglieder-Minus: Es gibt keine Neuanmeldungen.

„Wir haben keine Planungssicherheit. Wir wissen nicht, wie und wann es weitergeht“, sagt im Telefongespräch mit unserer Zeitung Kerstin Gorny, die Frau an der Spitze des SSV Heiligenwald. Das sei belastend jetzt im zweiten Lockdown wie auch schon im ersten Lockdown. Beim ersten Runterfahren wegen der Corona-Pandemie sei es in den Sommer reingegangen. Da hätten sie noch über Outdoor-Alternativen nachdenken können. Beim zweiten Runterfahren sei es aber in den Winter reingegangen. Da sei diese Option auch weggefallen.

Dennoch versucht der Verein, Angebote zu machen. „Wir bieten beispielsweise Online-Training für unsere Indoor-Cycling-Gruppe an“, sagt Gorny. Ihre 15 vereinseigenen Räder haben sie für Zuhause-Auftritte ihrer Mitglieder bereitgestellt. „Aber wir haben 100 Leute in der Gruppe.“ Sie haben sich irgendwie geeinigt. Trainerrad und Technik, so Gorny, stehen übrigens im Computerraum der Grundschule Landsweiler-Reden: „Den hat uns der Schulleiter zur Verfügung gestellt. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Kerstin Gorny. Foto: Gorny

Gehen Mitglieder verloren? Diese Sorge äußerte die SSV-Vorsitzende schon im SZ-Gespräch im Mai. Und es sind Mitglieder verloren gegangen. „Anfang des Jahres melden wir unsere Zahlen an den Landessportverband. Das waren jetzt 550 Mitglieder.“ Ein Minus von 50. „Es gibt immer Zugänge und Abgänge, aber eigentlich hatten wir immer ein Jahresplus. Jetzt gibt es einfach keine Neuanmeldungen.“

Die allergrößten Befürchtungen hegt Gorny, Kinder und Jugendliche nicht halten zu können. „Wir haben nach dem ersten Lockdown bis weit nach den Sommerferien gebraucht, um halbwegs wieder in einen Trainingsrhythmus reinzukommen. Gerade auch beim Eltern-Kind-Turnen oder Kinderturnen hatten wir auch ganz große Angst, dass sich da mal jemand ansteckt. Wir haben dann unsere Gruppen geteilt, so dass die Kinder aber auch nur alle 14 Tage ins Training kommen konnten. Wir haben versucht, Waldturnstunden zu machen oder einen Bobby-Car-Parcours auf dem Schulhof, um zu vermeiden, dass wir in die Turnhalle rein mussten.“ Aber das gefalle natürlich nicht jedem: „Vor allen Dingen unter den Eltern.“ Gornys Stellvertreterin Bettina Pfeiffer betreut den gesamten Eltern-Kind-Bereich. „Ich weiß nicht, wie viele Ordner mit ausgearbeiteten Turnstunden sie zu Hause stehen hat“, sagt Gorny. „Wenn sie dann von Eltern gesagt kriegt: Die Turnstunden sind nicht mehr so wie früher.“ Man müsse ja das ganze Equipment immer desinfizieren. Und das bei drei Turnstunden hintereinander. „Da haben wir halt versucht, mit möglichst wenig Sachen auszukommen.“ Und ja: „Wir hatten da auch schon Abmeldungen.“

Die Finanzen sind für den SSV Heiligenwald nicht das große Problem in dieser Corona-Zeit: „Unser Verein ist so aufgestellt, dass wir mit unseren Mitgliedsbeiträgen gut überleben können“, sagt Gorny. Mitgliedsbeiträge werden weiter eingezogen. Sie setzen auf Solidarität. Zwischendurch wurde mit dem Einzug mal pausiert, als einige Abteilungen wieder im normalen Trainingsbetrieb rein sind, anderen nicht. Aus Fairnessgründen.

„Bei den angebotenen Hilfen geht es immer nur um die Finanzen. Rettungsschirme aufspannen: Es gibt Geld. Aber das ist nicht das einzige, was uns helfen würde“, sagt Gorny. Irgendwann sei vom DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) ein Papier rundgeschickt worden: „Jeder Verein soll jetzt einen Hygienebeauftragten haben. 2018 waren wir alle die Datenschutzbeauftragten und jetzt die Hygienebeauftragten. Ich weiß gar nicht, was man uns Ehrenamtlern noch so zumuten will.“ Da sollten sie einem erstmal eine Ausbildung zum Hygienebeauftragten anbieten. Oder die Sportbünde sollten jemanden haben, den die Vereine anrufen könnten. „Wir haben viele Sportarten, bei denen alles ein bisschen anders ist“, sagt Gorny. Sehen wolle die Konzepte – etwa von der Gemeinde – niemand: „Die Konzepte müssen da sein. Ob sie sinnig sind oder nicht, das weiß ich gar nicht. Es ist das, was ich nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben habe.“

Hat sie schon mal ans Hinwerfen gedacht? „Manchmal ist man schon an dem Punkt“, sagt Gorny. „Da wirst du nachts wach: Wie soll das weiterlaufen? Das ist schon zermürbend.“ Man müsse immer up to date sein. Man müsse ständig Rechtsverordnungen lesen, bei denen man nur die Hälfte davon verstehe.

Und was bringt 2021? „Wir müssen immer positiv in die Zukunft gucken“, sagt Gorny. „Wir sind ein Sportverein. Im Sport kann man immer mal verlieren. Dann muss man halt aufstehen und weitermachen.“ Von den Verbänden und auch der Landespolitik sei sie schon ein bisschen enttäuscht: „Wir, die ganz normalen Vereine, fallen da schon hinten runter. Man hört wenig vom Vereinssport.“ Aber wie sich hörbar machen?, fragt sich die SSV-Vorsitzende und mahnt: „Wenn wir Vereine wegfallen, dann sieht es trübe aus.“