1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Schiffweiler

Spaziergänger findet auf dem Strietberg toten Rotmilan nahe der Windkraftanlagen

Windpark Schiffweiler : Nabu sorgt sich um Rotmilane auf Strietberg

Toter Greifvogel im Feld lässt auf Zusammenstoß mit Rotorblatt einer Windkraftanlage schließen. Die Brut ist in diesem Jahr gefährdet, sagen die Tierschützer.

Nein, einen Vorwurf will der Naturschutzbund dem Windparkbetreiber nicht machen. Aber der tote Rotmilan, der am vergangenen Freitag im Feld auf dem Strietberg zwischen Ottweiler und Schiffweiler gefunden wurde, sorgt bei den Mitstreitern des Nabus für Bestürzung. Denn die Rotmilane, erläutert Nabu-Vogelexperte Ronald Brück, brüten seit einigen Jahren erfolgreich im Kobenwäldchen, etwa 1,5 Kilometer entfernt vom nächstgelegenen Windrad. Fünf Windtürme sind dort an der B 41 auf dem Strietberg, ein sechster ist in Planung. Es sei zu befürchten, dass das tote Tier zu dem Pärchen gehört und es deshalb in diesem Jahr keine Brut geben wird, sollte sich nicht noch kurzfristig ein Ersatzpartner finden. Brück erläutert zu dem toten Greifvogel: „Die Umstände und die Art der Verletzung lassen kaum Zweifel, dass das Tier von einem Rotorblatt eines nahen Windrades erfasst und getötet wurde.“ Ein Spaziergänger habe einen abgetrennten Flügel entdeckt. Brück: „Ich habe dann vor Ort den Rest gefunden.“ Der Nabu hat den Vorfall an das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz gemeldet, das nach Brücks Worten überprüft, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten worden sind. Wenn ein Bauer unter den Windtürmen das Feld pflüge, müssten die Rotorblätter für eine Weile stillstehen, erläutert Brück. Denn wenn der Rotmilan einen Traktor auf dem Acker sehe, sei das für ihn ein Signal zur Jagd. Bei hohen Windgeschwindigkeiten erreichten die Flügelspitzen der Anlagen eine Geschwindigkeit von rund 300 Stundenkilometern. Zu schnell für den Milan. Er könne die Gefahr nicht einschätzen.

Der Rotmilan gehört zu den weltweit am stärkst bedrohten Greifvögeln. Vogelschutzexperte Brück: „In Deutschland brütet gut die Hälfte des Weltbestandes, das sind etwa 25 000 Paare.“ Deshalb habe Deutschland auch eine große Verantwortung für den Schutz dieser Tiere. „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben“, meint der Nabu-Mann, vielleicht werde es ja doch noch etwas mit Jungtieren in diesem Frühjahr.

Der Windpark Schiffweiler auf dem Strietberg wirkt unterm Regenbogen geradezu idyllisch. Für die Greifvögel, die dort brüten, können die Rotorenblätter zur tödlichen Gefahr werden. Foto: Michael Beer

Der Vorfall zeige, dass die Auflagen für Windenergieanlagen zur Minimierung von Kollisionen leider nicht ausreichten und es weiterer Anstrengungen bedürfe, um dem Artenschutz gerecht zu werden. Brück: „Die Betreiber sind auf dem Weg, eine Technik mit Sensoren zu entwickeln, die feststellen, wenn sich ein großer Vogel nähert. Dann könnte die Geschwindigkeit der Rotoren gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden. Das wäre eine tolle Sache.“ Die Branche müsse angesichts der vielen Windkraft-Gegner weitere Anstrengungen unternehmen, um die Akzeptanz zu erhöhen.