Schellemann hat nicht ausgedient

Mit der Schelle durch den Ort geht Dominik Dietz an zwei Terminen im Jahr: wenn in Schiffweiler das Dorffest eröffnet wird und an der Kirmes. Der Erhalt des Brauchtums ist dem Bauingenieur wichtig.

Der Schellemann war früher eine wichtige Institution im Ort. Denn er überbrachte Neuigkeiten. Seinem Wort wurde mithin Gehör geschenkt. Nun sind die Zeiten, da sich Nachrichten nur langsam auf dem Land ausbreiteten, zwar längst vorbei. Doch auch im Zeitalter immer schnellerer Datenübertragungsraten im Internet und Smartphones, die ihrem Nutzer vielerlei Dienste leisten, gibt es Menschen wie Dominik Dietz. Nicht, dass der 35 Jahre alte Bauingenieur in Diensten des Unternehmens Bilfinger ein Mann der Vergangenheit wäre. Sein mobiles Telefon ist absolut schick. Aber zugleich liegt dem Schiffweiler Bürger einiges an der Historie, am Erhalten des Brauchtums. Und deshalb ist Dietz Schiffweilers Schellemann.

Nachrichten muss er in dieser Funktion allerdings nur noch zwei Mal im Jahr verkünden. Und die sind dann weniger aktueller, denn eher launiger Natur. Beim Dorffest und der Kirmes ist der Schellemann (seit 1980 wieder) zugegen, nimmt bei den Kirmestagen auch die Kommunalpolitik "ein bisschen an der Nase", wie Dietz sich ausdrückt. Das kann auch familiär zu Diskussionen führen, ist er doch mit der Tochter des Schiffweiler Bürgermeisters Markus Fuchs liiert. Zum Schellemann ist Dietz nicht zufällig gekommen. "Man munkelt, es wurde jemand gesucht, der in die Uniform des Vorgängers Klaus-Dieter Woll passt", erzählt er. Mithin durfte der Schellemann nicht zu groß, musste dafür aber von kräftiger Statur sein. Schon im 14. Jahr ist Dietz der Mann, der mit der kleinen Glocke rundgeht. Darüber hinaus ist er einer der beiden Präsidenten der Straußjugend (Schiffweiler Strauße 09) des Ortes. Auch das so ein Relikt aus alten Zeiten, das sich in die Moderne rettet. Dietz: "Wir haben sie aus einer Bierlaune 2004 wieder gegründet und 2009 einen Verein daraus gemacht." Jungs und Mädchen, Männer und Frauen gehören zu diesem Verein, der über die Generationen rund 150 Leute zusammenbringt. Die Strauße haben sich jüngst einem großen Projekt verschrieben und das alte Tennisclubheim hinter dem Fußballplatz übernommen. Dort soll wieder Leben hinein. Nach dem Winter kommen die maroden Tennisplätze weg, vielleicht wird ein Beachvolleyball-Feld entstehen. Dietz schwebt ein Haus der Vereine an diesem etwas abgelegenen Platz vor. Der Historische Verein Schiffweiler ist schon mit an Bord.

Für Dietz ist das Engagement bei den Strauße und als Schellemann eine Berufung. Seine Großmutter betrieb früher die Kneipe "Schellemann". Großvater und Vater waren rührige Schiffweiler Bürger. "Seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich im SPD-Ortsverein verankert," erzählt Dietz. Die Brauchtumspflege wolle er nicht "den Bach runter" gehen lassen. Und er halte nichts davon, wenn die Jungen nur meckerten, im Ort sei nichts los. Die Älteren im Dorf haben übrigens auch was von den Strauße: Denn die übernehmen die Bewirtung beim Heimatfest am Vatertag.