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Erste Trauung auf der Bergmannsalm: Sabine und Jörg im weiß-blauen Ehehimmel

Erste Trauung auf der Bergmannsalm : Sabine und Jörg im weiß-blauen Ehehimmel

Das erste Ja-Wort oben auf der Bergmannsalm auf der Halde in Landsweiler-Reden. Die Brautleute lieben bayrisches Flair.

„Nicht mit Druck“, instruiert Sabine Kloß ihren frischgebackenen Ehemann. Jörg Raber steht auf der anderen Seite des improvisierten Holzbocks und zieht und schiebt abwechselnd die Säge durch den Birkenstamm. Eine ruckelige, schweißtreibende Angelegenheit, vor allem, wenn einem der Bruder ein stumpfes Werkzeug unterjubelt — und es die Sonne besonders gut meint. Denn das hat sie am Samstagnachmittag, als es auf der Bergmannsalm gleich doppelt zu feiern gab: Zum einen die standesamtliche Vermählung des Hüttigweiler Paares, zum anderen die erste Hochzeit überhaupt in luftiger Redener Höhe. 350 Meter über Null genaugenommen, was für bayrische Verhältnisse wohl eher Flachland ist, beim gemeinen Saarländer aber durchaus schon alpine Gefühle auslöst.

 Sabine (37) und Jörg (40) nämlich sind Bayern-Fans, wie die Frischvermählten an ihrem Jubeltag verraten. Daher auch das Faible fürTrachten, wobei die Wahl für diesen Anlass auf eine Edel-Variante mit Brokat und Spitze fiel. Zünftig sollte auch die „Location“ sein. „Wir haben etwas gesucht, das passt“. Die Alm gefiel dem Paar auf Anhieb. „Das Ambiente ist schön“ , lobt Jörg, der als Brenner in der Dillinger Hütte arbeitet. „Und hier können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Trauung und Feier am selben Ort.“

Der Zufall wollte es, dass die Gemeinde ohnehin plante, hier oben eine temporäre Dependance des Rathauses für Trauzwecke zu installieren. „Die Almhütte war noch gar nicht gebaut, da hatte ich schon gemeinsam mit den beiden Pächtern Tom und Guido die Idee, die ansprechende Kulisse nach dem Motto ‚Aus Brauzimmer wird Trauzimmer’ für Trauungen zu nutzen“, erzählt Bürgermeister Markus Fuchs in seiner Ansprache. Womit Schiffweiler nun über drei reizvolle Örtlichkeiten (neben bem Rathaus) für die standesamtliche Heirat verfügt: Am Fuße der Bergehalde besteht seit 2012 im ehemaligen Steigerbüro des historischen Zechenhauses die Möglichkeit, sich das Ja-Wort zu geben. Räumlich etwas beengter, dafür landschaftlich idyllisch läuft die Zeremonie im Pumpenhäuschen am Itzenplitzer Weiher ab. Dort können Paare seit letztem Jahr den Bund fürs Leben schließen.

Nun also folgte die Premiere auf der Alm. ‚ „Das habe ich zur Chefsache gemacht“, erklärt Fuchs. In weißem Hemd und krachlederner Bux drehte er auf der geschmückten Biergarten-Terrasse dem Panorama als Einziger den Rücken. Sabine und Jörg können genau wie ihre 60-köpfige Festgesellschaft, die teilweise ebenfalls in Dirndl, Lederhosen und Karomuster erschienen ist, während der Zeremonie den Rundumblick bis nach Tholey und Freisen genießen.

 Seit 17 Jahren sind Sabine und Jörg schon zusammen. „Jörg war damals Stammgast im legendären Cheers in Heiligenwald“, wirft Fuchs einen Blick zurück. Wenn er dann „ab und an ein bisschen zu viel getrunken hatte“, brachte ihn Sabine, die dort jobbte, nach Schicht-Ende nach Hause. Die gelernte Kauffrau „fand offensichtlich Gefallen an ihrem Stammgast und er offensichtlich an seiner Taxifahrerin; sie verliebten sich und wurden 2001 ein Paar.“ 2012 bezogen sie ihr Eigenheim, zum Haushalt gehört Ari, ein Golden Retriver. „Willst du meine Frau werden?“ Mit dieser Frage aller Fragen überraschte Jörg seine Sabine übrigens nicht im Freistaat, sondern anderswo urlaubend — „kurz vor dem Einschlafen im Mobilheim in Holland. Er wurde nicht enttäuscht“, plaudert der Bürgermeister aus dem Nähkästchen.

 Nach dem Unterzeichnen des Trauscheins durch die Eheleute und die Trauzeugen steigen Seifenblasen in die Luft - zur Verwunderung der zwei gelben Schwalbenschänze, die die Festbesucher während der Trauung umflatterten. Ob sie sich das alles so vorgestellt haben? Sabine und Jörg strahlen und nicken: „Ja, bis jetzt ist es super.“