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Saarknappenchor und Tanzperformance: Das passt!

Saarknappenchor und Tanzperformance: Das passt!

Wer geglaubt hat, Tradition und Moderne passen auf der Bühne nicht zusammen, der hat sich getäuscht. In einem ungewöhnlichen Auftritt in Schiffweiler haben sich der Saarknappenchor und ein experimentelles Tanzensemble für kurze Zeit vereint.

Eine ungewöhnliche Kombination erlebten die Besucher am Freitagabend im ehemaligen Verlesesaal der Grube Reden. Der älteste Männerchor des Saarlandes, der Saarknappenchor, gastierte gemeinsam mit der Tanzkompanie des brasilianischen Choreographen Glaub da Silva. Es war schon ein Erlebnis, als zum Ende des Programmes traditioneller Gesang und experimentaler Tanz ineinander griffen. "Das ist kein tägliches Erlebnis in unserem Terminkalender", erzählte Dirigent Mathias Rajczyk vor Beginn. "Wir haben uns vier Mal miteinander getroffen und die wichtigsten Passagen abgesprochen. Das meiste wird improvisiert. Für unseren Chor eine Herausforderung, auf die ich sehr gespannt bin."

Doch bis zur Tanzeinlage der Saarknappen stand zunächst ein Gesangsprogramm auf der Tagesordnung. Traditionell eröffnete der Chor mit der Barbara-Hymne und dem Choral der Bergleute das Konzert, um im Anschluss zu dokumentieren, wie wandelbar der Saarknappenchor der heutigen Zeit ist. Das "Ave Maria" in einer modernen zeitgenössischen Version war Beweis eines modernen Repertoires mit vielseitigem Stilwechsel. Rätoromanisch "Maria Lassu" von Giuseppe di Marzi, im Spiritual "Deep river" und im besten Shantystil "What shell we do with a drunken sailor", eines der bekanntesten alten irischen Arbeiter- und Seefahrerlieder. Dirigent Mathias Rajczyk dirigierte seine Knappen dabei in Höchstform, so dass man sich bei dem ,,Drunken sailor" angesichts der vokalen Zwischentöne fast an die letzte Strophe des "Glückauf" erinnert sah "und trinken Schnaps". Eine Hymne ans starke Geschlecht der Hans Unterweger A-Cappella-Klassiker "Männer mag man eben".

An ihre bevorstehende Südafrika-Reise erinnerten die Saarknappen mit dem namibischen Volkslied "Sipiri", um anschließend mit dem Spiritual "I want to go to heaven" den Konzertteil der Veranstaltung zu beenden. Allerdings ohne Schlussapplaus, ging man doch nahtlos zum improvisierten Tanzteil über.

Die jungen Tänzer des Choreographen Glaub da Silva, ehemaliger Tänzer des Cirque du Soleil und in Saarbrücken unter anderem durch seine Choreographien für und mit Béatrice Dujardin bekannt, mischten sich unter die Sänger, wobei Chor und Choreographie zu einer noch nie da gewesenen Einheit verschmolzen. Der Saarknappenchor wurde Teil der tänzerischen Choreographie. Glaub Da Silva hat sich für sein Stück "Unter der Haut" durch die Ausstellung "Das Erbe" inspirieren lassen und eigens für den Verlesesaal in Reden diese Choreographie ersonnen, die den steten Wechsel der Bergleute zwischen über und unter Tage thematisiert. Die Kombination klassischer Männerchor mit elektronischer Musik und moderner Tanzperformance war ein gelungenes Experiment, das sicherlich noch ausbaufähig wäre. So sah dies auch Rajczyk, der junge Dirigent des Traditionschors: "Es ist eine der hervorragenden Eigenschaften dieses Chores, dass er aus der Tiefe der Tradition schöpft und diesen Fundus als Nährboden für neue künstlerische Entwicklungen nutzt!"