Saar-Eltern kritisieren Vorschrift zu Schutzumschlägen für Lehrbücher

Kostenpflichtiger Inhalt: Unnötiger Plastikmüll : Eltern kritisieren Folien-Vorschrift für Schulbücher

Das Bildungsministerium schreibt Schutzumschläge für ausgeliehene Lehrbücher vor. Dass diese bei der Rückgabe entfernt werden müssen, führt zu Unverständnis bei Eltern.

Familie Schindler-Munz aus Schiffweiler ist der Umweltschutz sehr wichtig, im Alltag versuchen sie daher, so gut es geht, Plastikmüll zu vermeiden. Umso ärgerlicher findet es Susanne Schindler-Munz, dass sie jedes Jahr zu Schuljahresbeginn die Bücher ihrer zwei Kinder im Grundschulalter in Folie verpacken muss. „Muss das wirklich sein?“, fragt die Mutter. Im Infobrief der Gemeinde, den sie bei der Schulbuchausleihe bekommen hat, steht: „Um die Bücher vor Beschädigungen und Abnutzungen zu schützen, müssen die Bücher nach Vorgabe des Ministeriums ab sofort von den Eltern foliert werden (keine selbstklebenden Folien)“. Und weiter heißt es: „Bei der Rückgabe sind diese Folien (...) zu entfernen“.

„Dass Bücher zum Schutz eingebunden werden müssen, ist natürlich klar“, sagt Schindler-Munz, „aber warum müssen sie am Schuljahresende entfernt werden, wenn sie noch sauber und intakt sind und ohnehin nach sechs Wochen wieder eingebunden werden müssen?“ Hier würden unnötigerweise Müllberge produziert. Derzeit werde das Thema Umweltschutz und Plastikmüllvermeidung groß geschrieben. Auf Bundesebene plant Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein Verbot von Plastiktüten. „Warum fängt man dann nicht auch hier damit an?“, fragt Schindler-Munz. Sollten die Folien dem nächsten Ausleiher nicht gefallen, habe dieser immer noch die Möglichkeit, neue Einbände zu kaufen. Zudem sei die Folierung im Schreibwarengeschäft kostspielig. Für die Bücher ihrer beiden Kinder habe sie zu Schuljahresbeginn 32 Euro gezahlt. Mit einem Gerät werde der Umschlag an das jeweilige Buch angepasst und festgedrückt. „Beim Entfernen wird die Folie dann oft beschädigt“, sagt Schindler-Munz.

Auf SZ-Anfrage bestätigt das saarländische Bildungsministerium eine solche Vorschrift. Sie sei in Absprache mit den Schulträgern formuliert worden und gelte seit Beginn der Schulbuchausleihe im Schuljahr 2009/10. Betroffen seien alle Schulen, die am Ausleihsystem des Landes teilnehmen. Damit es zu keiner Verwechslung mit den verbotenen selbstklebenden Folien kommt, spricht das Ministerium allerdings von Schutzumschlägen. Diese müssen sich leicht und ohne die Bücher zu schädigen entfernen lassen. Die Vorschrift solle gewährleisten, dass die Bücher nach der Ausleihe in einem entsprechend guten Zustand zurückgegeben und wieder ausgeliehen werden können.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass Schulbücher nur dann wirksam gegen Feuchtigkeit und Schmutz geschützt sind, wenn sie in Kunststoffhüllen eingeschlagen werden. „Natürlich können Eltern auch Umschläge aus Papier verwenden“, versichert das Ministerium, aber weist daraufhin, dass diese erfahrungsgemäß nicht ausreichen. „Bücher ohne eine Kunststoffhülle sind oft so stark beschädigt, dass die Weiterverleihung nicht mehr möglich ist. In diesen Fällen müssen Eltern die Bücher am Jahresende bezahlen.“

Die Schulbuchausleihe diene der Nachhaltigkeit, betont das Ministerium: „Vor der Etablierung der Schulbuchausleihe sind von den Eltern gekaufte Bücher entweder im Papierkorb gelandet, wenn sie keine Rolle im Unterricht mehr spielten, oder Eltern haben versucht, diese an Familien mit jüngeren Schulkindern zu verkaufen.“ Jetzt könnten Bücher zwischen zwei und acht Jahren von mehreren Schülern genutzt werden. Dies entlaste die Elternhäuser finanziell.

Der Schutzumschlag müsse am Schuljahresende entfernt werden, weil dieser Eigentum der Eltern sei. Zudem seien die Schutzumschläge genormt und könnten so die gesamte Schulzeit des Kindes genutzt werden.

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