| 20:25 Uhr

Laufende Schule
Runde um Runde für den guten Zweck

Und los geht’s – die Schüler der Mühlbachschule starten zum Spendenlauf.
Und los geht’s – die Schüler der Mühlbachschule starten zum Spendenlauf. FOTO: Jörg Jacobi
Schiffweiler. Der Erlös des Unicef-Spendenlaufes an der Mühlbachschule Schiffweiler geht teils an die Schule, teils nach Afrika. Von Anja Kernig

„Nur noch 27 Minuten.“ Oliver Li-Sai, im Trainingsdress, Kopfhörer auf den Ohren und Smartphone in der Hand, zieht locker-flockig an den Schülern vorbei. Das „nur noch“ des fitten Vertrauens-, Sport- und Gesellschaftswissenschafts-Lehrers mag nicht jedem der Fünft- und Sechstklässer lieblich in den Ohren geklungen haben. Immerhin galt es am Mittwoch für alle Schüler von Klassenstufe 5 bis 10 eine ganze Doppelstunde lang zu rennen: immer rund ums Schulgelände, eine Runde 460 Meter lang. Aber irgendwann geht jeder Spendenlauf mal rum – und hinterher ist man stolz wie Bolle.


Das jedenfalls wissen die älteren der aktuell 480 Schüler der Mühlbachschule. War es doch schon das dritte Mal, dass man die Sportschuhe für den guten Zweck schnürte – allerdings erstmalig für Unicef. Li-Sai, der aus Madagaskar stammt, nennt es einen „glücklichen Zufall“, dass 2018 ausgerechnet die Kampagne „Schulen für Afrika“ im Fokus steht. Ins Leben gerufen hatte sie der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk und der Peter-Krämer-Stiftung. Mandela, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, vertrat die Meinung, dass „keinem Kind in Afrika und anderswo auf der Welt das Recht auf Bildung vorenthalten werden“ darf. „Ich weiß, dass wir dieses Ziel erreichen können“, hatte er sich 2004 zum Start der Kampagne optimistisch gezeigt.
Das Besondere an den Unicef-Läufen ist, dass die Hälfte der Einnahmen vor Ort bleiben. Was Sinn macht, findet der Pädagoge, der den Lauf zusammen mit der zwölfköpfigen Schülervertretung organisierte. „In Deutschland sind die Geldmittel für Schulen sehr eng gestrickt.“ Einen Bewegungsraum einzurichten, wie es die Mühlbachschule plant, ist da beispielsweise nicht drin. 1000 Euro werden dafür benötigt. Einnehmen werde man voraussichtlich irgendwas um die 3000 Euro – was bedeuten würde, dass die Spendensumme sogar deutlich über den geforderten 50 Prozent liegt. Wobei sich die erwartete Summe bescheiden ausnimmt nach den 10 000 und 6000 Euro der letzten beiden Male: „Das sind Erfahrungswerte“, weiß Schulleiter Frank Brück. „Die Motivation zum Spenden nimmt bei Wiederholungen ab.“

Egal, wieviel Euro es letztlich sind, sie werden gut angelegt: „Wenn Kinder nicht zur Schule gehen können, haben sie überhaupt keine Chance, der Armut zu entkommen und später mal ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, erklärte Heidrun Gros-Schnur, Leiterin der Unicef-Gruppe in Homburg, im Vorfeld. „Ich freue mich sehr, dass die Schüler der Mühlbachschule die Unicef-Kampagne unterstützen und damit Verantwortung für Gleichaltrige in Afrika übernehmen.“

Zum Gelingen des Tages trugen zum einen Stefan Rosar-Haben bei, der die komplette Schülerschaft mit Äpfeln, Erdbeeren, Melonen, Karotten und Bananen in Bioqualität versorgte, verzehrfertig aufbereitet vom Schuleltern-Sprecherteam sowie dem Elternförderverein, der die Getränkestation bestückte.
Derart unterstützt, klappte es auch mit den sportlichen Leistungen: „Wie viele Runden hab ich schon?“, war die am häufigsten gestellte Frage beim Passieren der im Freien aufgestellten Schulbänke, an denen die Klassenlehrer Strichlisten für jedes Kind führten.

Bei Hans-Joachim Löhrhoff lag Salvatore in Führung – während Leni, Emily Raghard und die anderen acht oder neun Runden absolviert hatten, hatte Salvatore schon zwölf hinter sich. Oliver Li-Sai schaffte insgesamt 25 Runden, die besten Zehntklässler sogar 30. Ob man nach so einer Anstrengung überhaupt noch lernen könne? „Wir gehen das heute etwas entspannter an“, nickte Löhrhoff. „Obwohl, eigentlich ist es immer entspannt bei uns.“