Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Heiligenwald bringt 160 interessierte Bürger zusammen.

Podiumsdiskussion : Kandidaten liefern sich friedlichen Austausch

Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Heiligenwald bringt 160 interessierte Bürger zusammen.

Das Beste kommt am Schluss: Die Fragerunde mit den etwa 160 Gästen der Schiffweiler Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai scheint schon fast beendet, als ein junger Mann das Mikro nimmt. Marcel Hoffmann, der sich als Liberaler outet, bringt es nach zuvor schiedlich-friedlicher Diskussion auf den Punkt und richtet seine Frage an alle drei Kandidaten: „Warum sind Sie und nicht jemand anderes die beste Wahl für Schiffweiler?“ Lacher im Publikum, kurzes Zucken auf dem Podium, wer denn nun den Anfang macht. Es ist Mathias Jochum, der für die CDU ins Rennen geht. Sowohl seine berufliche als auch seine kommunalpolitische Erfahrung, sagt der Finanzbeamte, qualifizierten ihn. Und zudem könne er für zehn Jahre gewählt werden, „weil ich das vom Alter her kann“. Eine kleine Spitze gegen Amtsinhaber Markus Fuchs, der bereits 60 Jahre alt ist und bei einer Wiederwahl nach gültiger Rechtslage mit 68 aufhören müsste. Im vollen Bürgerhaus geht die Stimmung hoch, viele Zuhörer lachen. Er wolle voller Tatendrang anpacken, sprudelt Jochum und schiebt in die allgemeine Heiterkeit hinein nach: „Ich hätte echt richtig Bock.“ Für sein Abschluss-Statement gibt es viel Applaus.

FDP-Kandidatin Vera Haböck sagt, sie wolle für ein lebendiges Schiffweiler stehen. Die radiologische Praxis auf dem Neunkircher Boxberg habe sie seinerzeit mit aufgebaut, sagt die Angestellte. Jetzt sei Zeit für etwas Neues. Sozialdemokrat Markus Fuchs erklärt, er habe das Amt in einer schwierigen Situation übernommen und könne eine „ordentliche, eine gute Bilanz“ vorweisen. Das sei auch Verdienst seiner Verwaltung und der Politik seiner Partei. An der Altersgrenze im Bürgermeisteramt sei auch schon Minister Klaus Bouillon gescheitert. Auch das sorgt für Lacher. Er würde gerne weitermachen. Auch für Fuchs gibt es ordentlich Applaus aus dem Publikum.

Die Jungen Liberalen und die Junge Union hatten zur Podiumsrunde ins gänzlich volle Bürgerhaus geladen am Dienstagabend. Radio-Moderator Luciano Falsetti leitete die Runde. Anderthalb Stunden hörten die Bürger meist aufmerksam zu. Einen großen Schlagabtausch erlebten sie nicht. Eher viel Einigkeit in zentralen Fragen, nur selten Dissens, wenn der CDU-Herausforderer etwa für mehr Zusammenarbeit im Gemeinderat warb und damit das Verhalten der Mehrheitsfraktion angriff. Nach dem Einstieg mit Daten aus dem Lebenslauf der drei Kandidaten (die SZ wird sie noch ausführlich vorstellen) ging es in mehrere Themenblöcke, die der Moderator vorgab. Los ging es mit einem Bogen von der Bildungspolitik über Soziales bis zur Digitalisierung. Falsetti griff dabei die aktuelle Forderung der Gewerkschaft Verdi nach mehr Kita-Personal auf. Fuchs schloss sich dieser Forderung an. Er kenne die Personalnöte. Schiffweiler habe den Personalschlüssel zwar übererfüllt, aber durch Krankheit komme es schnell zu Engpässen. Er ging auf den Kita-Neubau in Stennweiler ein, auf Pläne für eine weitere Einrichtung in Heiligenwald. Die Digitalisierung packe die Gemeinde an, sieben Smartboards für die Schulen habe man aus eigener Tasche schon angeschafft. FDP-Kandidatin Haböck las ihre Antwort vom Blatt ab, sprach von der Wichtigkeit der Bildung, von Weiterentwicklung und dem Wunsch, Frauen mehr anzusprechen. Zudem solle der Bürger mehr online erledigen, auch Ratssitzungen per Livestream verfolgen können. CDU-Herausforderer Jochum fand den Livestream nicht schlecht und machte sich seinerseits für eine rasche Digitalisierung stark. Im Rat habe man vergangene Woche noch über die Kita-Situation gestritten. 238 Kindern stünden auf der Liste für einen Betreuungsplatz. Eltern fehle Planungssicherheit. Sein Vorschlag: Ein Online-Portal für Eltern, um schnell zu wissen, wo wann freie Plätze entstehen. Kita-Plätze gelte es zudem so viel und so schnell wie möglich zu schaffen. Das habe die Mehrheit im Rat in Stennweiler verhindert. Die CDU wollte dort mehr Gruppen, als jetzt kommen werden. Markus Fuchs entgegnete: „Die Achtzügigkeit war eine Entscheidung des Rates.“ Er wolle jeden Ortsteil bedenken. Jochum dagegen vertrat die Ansicht, Eltern sei es egal, wo sie ihre Kinder hinfahren würden.

Beim Themenblock Wirtschaft und Tourismus erklärte Haböck, sie stehe für Bürokratieabbau und Stärkung des Tourismus und der Gastronomie. Fuchs verwies auf die Gewerbegebiete Klinkenthal und Nusskopf, letzteres sei sehr schnell vermarktet worden, über das benachbarte ehemalige Kohlenlager spreche die Verwaltung mit dem Besitzer RAG. Beim sanften Tourismus seien der Standort Reden und der Itzenplitzer Weiher Magnete. Die Weiterentwicklung auf der Alm, wo die Gemeinde nicht das Sagen habe, gehe zu langsam vonstatten. Beim Gewerbe drängte CDU-Mann Jochum auf moderne Anbindungen der Grundstücke: „Ich denke vor allem an schnelles Internet.“ In Sachen Tourismus lebten viele noch in der Vergangenheit. Er warb für das Schaffen einer „Marke Erlebnisgemeinde“, forderte mehr Mut und ein Gesamtkonzept. Jochum: „Tourismus ist mein Zukunftsthema schlechthin.“

Die Diskussion drehte sich weiter um die Höhe der Gewerbesteuer, um zusätzliche Bauplätze, um den Ausbau einer modernen Verwaltung. In der Fragerunde ging es dann unter anderem um die alternde Gesellschaft, schwierige Anbindung an den öffentlichen Verkehr, um E-Mobilität und den vielen Müll an Container-Plätzen. Alles ganz sachlich und ruhig, bis die Frage nach der besten Eignung für einen emotionalen Schlusspunkt sorgte.