Neujahrsempfang der Gemeinde Schiffweiler im Bürgerhaus Heiligenwald

Gemeinde Schiffweiler empfing im Bürgerhaus : Bessere Finanzen sorgen für gute Laune

Knapp 200 Gäste beim Empfang der Gemeinde Schiffweiler. Marianne Mohr bekommt Bürgermedaille.

Ein bisschen ist es wie früher in der Schule. In die erste Reihe möchte niemand. Und so bleiben auch die beiden Tische direkt vor der Bühne im Bürgerhaus Heiligenwald leer. In der hinteren Hälfte des Saales dagegen drängen sich die Gäste des Schiffweiler Neujahrsempfanges, bei dem an diesem Donnerstagabend auch eine Bürgermedaille verliehen wird, dicht an dicht. Der Mann mit dem Servierwagen schiebt sich mit Mühe durch die Reihen. Es sind annähernd 200 Menschen, die der Einladung von Bürgermeister Markus Fuchs (SPD) gefolgt sind. Und die haben sich offensichtlich viel zu erzählen. Laut ist es im Saal. Der Verwaltungschef nimmt die Stufen auf die Bühne. Es dauert einen Moment, bis seine Stimme die Oberhand gewinnt. Fuchs erspart es sich und seinen Gästen, eine lange Liste bekannter Personen im Raum abzuarbeiten, lediglich die Prinzenpaare von KKV Landsweiler und HCV Die Flitsch hebt er heraus, begrüßt namentlich Prinz Mark und Prinzessin Eva (KKV) und Thomas II mit seiner Prinzessin Marina I. (HCV). Schnörkellos geht er seine Rede an. Warum ein Neujahrsempfang? Die Gemeinde wolle damit Gelegenheit schaffen, den Menschen, die sich auf vielfältige Weise vor Ort engagierten, alles Gute zu wünschen. Der Abend biete auch ihm selbst die Gelegenheit, sich zu bedanken. Und letztlich sei der Empfang eine Plattform, der alle zusammenbringt und zeigt, was in der Gemeinde geschieht.

Und das ist nach seinen Worten einiges. Die Gemeinde habe im vergangenen Jahr für zwei wichtige Projekte Baurecht geschaffen. Zum einen für den Neubau der Lebenshilfe in Stennweiler. Die evangelische Kirche wird derzeit abgerissen. An ihre Stelle, erläutert Fuchs, kommt ein Gebäude mit 18 Wohneinheiten für behinderte Menschen. Zum andern verweist er auf den saarländischen Schwesternverband. Verwaltung und Rat haben grünes Licht gegeben für dessen Vorhaben in Heiligenwald. Auf dem Jahnturnplatz will der Verband bauen und 48 Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderungen sowie 15 barrierefreie Wohnungen schaffen. Fuchs: „Es wird sehr viel über Inklusion gesprochen. Dies ist zumindest indirekt ein großer Beitrag der Gemeinde Schiffweiler zu einer gelebten Inklusion.“ Schiffweiler sorge dafür, dass barrierefreies Wohnen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben funktioniere.

Und damit kommt der Bürgermeister auch schon auf 2019 zu sprechen. Die Verwaltung habe den Haushalt schon vor Weihnachten vorgelegt, der Rat das Zahlenwerk beschlossen. Zudem sei er dieses Jahr nahezu ausgeglichen. Konstante Gewerbesteuereinnahmen, mehr Geld vom Land (Schlüsselzuweisungen) und weniger Einzahlung in die Kasse des Kreises (Kreisumlage), aber auch eigene Anstrengungen der Kommune trügen Früchte, erläuterte er. Fuchs: „Das Ergebnis versetzt uns in die Lage, dass wir erstmals seit Jahrzehnten sogar wieder Liquiditätskredite zurückzahlen können.“ Auch den Saarlandpakt spricht er an, der weitere finanzielle Entlastung bringt. Die Euphorie-Bremse folgt auf dem Fuß. Die Finanzsituation bleibe angespannt, abgehobene Visionen brächten Schiffweiler nicht weiter, geht Fuchs schon mal in Wahlkampfmodus. Im Mai möchte er wiedergewählt werden. Der Haushalt 2019 biete gleichwohl 2,6 Millionen Euro für die Bauunterhaltung und 6,32 Millionen Euro für Investitionen. Schwerpunkt: Rund 4 Millionen Euro fließen in Kinderbetreuung und Bildung. Stennweiler bekommt eine neue Kita, die Walter-Bernstein-Grundschule einen Anbau für die Nachmittagsbetreuung. Zum Schluss des offiziellen Teils bekommt Marianne Mohr, über 30 Jahre in der Arbeiterwohlfahrt aktiv, die Bürgermedaille. Guido Jung, der sie ebenfalls erhalten sollte, ist in Reha. Mohr sitzt an einem der Tische nahe des Rednerpults. Als Fuchs sie nach vorne ruft, sagt sie halblaut ausgesprochen trocken: „Ach, das hätte er besser früher gesagt.“ An zwei Krücken betritt sie langsam die Bühne. Fuchs stellt sie vor als Stütze der Awo, Leiterin der Seniorenrunde, unterwegs zu Alten- und Krankenbesuchen, als Organisatorin des fahrbaren Mittagstisch. „Ich bin froh, dass sie überhaupt da ist, denn sie gilt als jemand, der sich gerne im Hintergrund hält“, sagt der Rathauschef. Und so nimmt die Geehrte denn auch mit einem Lächeln ihre Urkunde entgegen und verlässt die Bühne wieder. Den offiziellen Teil des Abends beendet Fuchs damit, auf die Wahlen am 26. Mai hinzuweisen. Natürlich auch in eigener Sache: „Ich möchte meine Arbeit gerne fortsetzen. Alleine schon deshalb, um auch 2020 Ihre nette Gesellschaft beim Neujahrsempfang genießen zu können.“

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